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Rutengängerin Martina Künkel zu Gast im Kleinenbremer Bergbaumuseum

Suche nach Wasser mit Puls 180

Kleinenbremen (ly). Knack, das war's. Die Wünschelrute aus Draht ist zerbrochen, einfach so. Dann eben ohne Rute. Martina Künkel streckt die Arme aus, konzentriert sich und hat "nur einen Gedanken: Wasser finden".

veröffentlicht am 05.04.2006 um 00:00 Uhr

Wünschel dir was: Museumsleiter Dr. Gerhard Franke (v.l.), Ruten

Nach wenigen Schritten beginnen erst ihre Hände zu zittern, dann die Unterarme, schließlich der Oberkörper. "Das reicht", sagt die Hamburger Rutengängerin etwas außer Puste und bricht die Vorführung ab. "Für mich steht fest, dass hier eine Wasserader beginnt." Jetzt will's auch Dr. Gerhard Franke wissen. Im Vortragsraum des Kleinenbremer Museums für Bergbau und Erdgeschichte greift dessen Leiter zur zweiteiligen Wünschelrute. Und siehe da: Wie von Geisterhand kreuzen sich die Drähte. "Das macht mich nachdenklich", sagt Dr. Franke, der anscheinend "rutenfühlig" ist, wie Eingeweihte das Phänomen nennen. Rutengehen im Bergbaumuseum, Teil einer Veranstaltung zum Auftakt des Sommerprogramms. Der Titel: "Signale aus der Tiefe". Klingt ein wenig nach Scharlatanerie, ist es aber offenbar nicht. Ingenieur Wolfgang Peter, Berater eines Mindener Brunnenbauers und Buchautor, bezeichnet Martina Künkel als "vertrauenswürdig", warnt jedoch gleichzeitig vor anderen Rutengängern, "die nur aufs Geld aus sind". Die Hamburgerin, so Peter, habe dagegen zum Beispiel einmal für einen heimischen Getränkehersteller im Erdreich zwei Adern mit Mineralwasser lokalisiert. Sie selbst sagt: "Zu 80 Prozent habe ich Erfolg. Über Zufall geht das weit hinaus." Immer klappt es also nicht. Martina Künkel (52), aufgewachsen in Rinteln, nennt sich "traditionelle Rutengängerin", braucht dafür aber keine Wünschelrute, höchstens zu Zwecken der Demonstration. Ihre Hände reichen, um angeblich in Tiefen bis zu 250 Meter vorzustoßen. "Die Rute wirkt wie ein Verstärker und belastet meinen Körper noch mehr", erklärt Künkel. "Ich bin so empfindlich, dass ich darauf lieber verzichte." Doch selbst ohne Rute schnellt der Puls nach dem Moment, wo die Quellensucherin eine Wasserader spürt, auf maximal 180 Schläge pro Minute. Entsprechende Werte hat einmal ein EKG ergeben, geschrieben im Auftrag eines Fernsehsenders. "Wenn ich für große Firmen arbeite, habe ich manchmal eine Woche Muskelkater", erzählt die Rutengängerin über ihr bezahltes Hobby. Erdstrahlen aus Wasseradern, so heißt es, könnten auf Dauer zu Rheuma oder Kreislaufbeschwerden führen, ja sogar zu Krebs und Herzinfarkten. "Was bei mir so heftig reagiert, kann bei einem Menschen, dessen Bett über einer Wasserader steht, über Jahre im Feinen reagieren", warnt Martina Künkel: "Für die Gesundheit kann das ganz und gar nicht gut sein." Wissenschaftler stehen der Rutengängerei indes mehr als skeptisch gegenüber. Sämtliche Versuche, Erfolge wissenschaftlich nachzuweisen, seien bisher gescheitert, so die Kritiker. "Ich bin eher praktisch veranlagt", erwidert Künkel, die nach eigenen Angaben Tiefe, Menge und Qualität von Wasser voraussagen kann. Hydrologie hin, Geologie her: Für Wolfgang Peter, zugleich Referent der Veranstaltung im Bergbaumuseum, gibt es "viele Dinge zwischen Himmel und Erde, vor denen unsere Schulweisheit kapituliert". Dr. Gerhard Franke sagt's mit Wilhelm Busch: "Glauben heißt nicht wissen. Doch nur, was wir glauben, wissen wir gewiss."

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