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Tierschutzverein Rodenberg/Bad Nenndorf: Vernachlässigung von Kleintieren nimmt zu

Stummes Leiden: Tiere als "Wegwerfprodukt"

Rodenberg / Bad Nenndorf (bab). Der Tierschutzverein Rodenberg/Bad Nenndorf und Umgegend hatte gehofft, mit der Tierstation die Arbeit zu bündeln und zu erleichtern. Doch die Vorsitzende muss deprimiert feststellen, dass zwar die Unterbringung der Tiere geregelt ist, es aber immer mehr werden.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 12:21 Uhr

Jutta Schneider muss immer mehr Kleintiere einsammeln. Diese bei

"Es wird immer schlimmer", sagt Jutta Schneider. Die Vorsitzende des Vereins hat in den vergangenen Wochen gemeinsam mit ihren Kollegen zig Fund- und Abgabetiere eingesammelt. Mit der Ferienzeit habe dies nichts mehr zu tun. "Die Tendenz ist steigend, dass Tiere ausgesetzt werden." Immer mehr Menschen seien nicht mehr in der Lage, der Verantwortung für ein Haustier nachzukommen. Dabei seien Hunde und Katzen noch vergleichsweise im Vorteil, weil sie sich durch Jaulen und Miauen bemerkbar machen können. Doch Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Mäuse oder Hamster würden dann ein "stummes Leiden" ertragen müssen. Zwei Kaninchen hat der Verein jüngst auf dem Gelände der Berlinschule aufgesammelt. In Fällen, in denen die Besitzer bekannt sind, muss der Tierschutzverein ebenfalls oft eingreifen. Eine Familie, der die Karnickel ausgebüxt waren und sich an Nachbars Gemüsebeet zu schaffen machten, hatte sich geweigert, die Tiere einzufangen. Und das obwohl der Hund derGartenbesitzerin die Tiere beinahe geschnappt hätte. Da die Haustiere ihren Besitzern offensichtlich gleichgültig waren, hat der Verein sich um sie gekümmert. "Wir haben fünf Stunden gebraucht, um sie zu fangen", sagt Schneider, die kein Verständnis dafür aufbringt. Die Konsequenz ist, dass der Bock und die Häsin den Besitzern nicht wieder ausgehändigt werden. "Das ist eine Gleichgültigkeit, die wir nicht unterstützen können und immer öfter feststellen", sagt die Vorsitzende. 13 Kaninchen befinden sich zurzeit in der Obhut des Vereins. Mehrere Hunde sind in den vergangenen Wochen aufgenommen worden, und Katzen pflegen die Tierschützer 40 an der Zahl. Das Katzenproblem versucht der Verein schon seit langem in den Griff zu bekommen. Doch dass jetzt auch Nager in einer solchen Vielzahl aufgenommen werden müssen, ist neu. "Auch dabei unterschätzen die Besitzer die Lebenserwartung, den Aufwand und die Kosten", sagt Schneider. Das Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen sieht das ebenso. "Die Tiere, die für die Kinder angeschafft wurden, verlieren häufig nach einem halben Jahr den Reiz, werden aber auch rund sechs Jahre alt", sagt ein Sprecher. Schnell verlören die Kinder nach der "Bedürfnisbefriedigung" den Spaß, unddas Tier müsse es ausbaden. Ob die Zahlen der vernachlässigten Tiere zunehmen, kann der Mitarbeiter des Amtes nicht belegen. Aber: "Als das Tamagotchi noch aktuell war, hatten wir weniger Fälle." Die Krankheiten nicht artgerecht gehaltener Tiere verursachen Qualen. Schneider berichtet von Tieren, die nicht mehr fressen konnten, Darmkrankheiten hatten, sich das Fell ausrissen und andere Blessuren aufwiesen. Kosten und Aufwand bleiben dann am Verein hängen. "Es wird uns langsam zu viel", sagt die Vorsitzende, die dennoch nicht müde wird, an die Verantwortung der Tierhalter zu appellieren. Ein "Wegwerfprodukt" seien die Tiere inzwischen. Dazu müsse man gar nicht mit dem Finger auf die Verhältnisse in südlichen Länder zeigen und noch mehr Exemplare importieren. "Das Problem liegt direkt vor unserer Haustür."



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