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Verwerflich? Verständlich? Spagat im Gemeindeforum

Streitgespräch über die "Bibel in gerechter Sprache"

Pastor Dr. Klaus Zastrow moderiert den Disputüber eine umstrittene Bearbeitung der Bibel. Bückeburg (mig). "Rabbiner und Rabbinerinnen?": Kontrovers diskutiert wurde bei m Gemeindeforum der Stadtkirchengemeindeüber politisch-korrekte Bearbeitungen der Heiligen Schrift. Während für einige Teilnehmer die "Bibel in gerechter Sprache" eine "Verfälschung" darstellt, sehen andere den Vorteil der "Verständlichkeit."

veröffentlicht am 19.01.2007 um 00:00 Uhr

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52 Theologen haben in den vergangenen fünf Jahren an der "Bibel in gerechter Sprache" gearbeitet, über 40 000 Exemplare der Bearbeitung sind inzwischen verkauft. Ziel der Neuausgabe ist es, Urtexte der Bibel in Hinsicht auf soziale Gerechtigkeit und den jüdisch-christlichen Dialog zu interpretieren. Seit einiger Zeit gibt es über dieses Vorhaben einen innerkirchlichen Richtungskampf - einzelne Landeskirchen befürworten das Projekt, andere sind dagegen. Ziel des Gemeindeforums war es deshalb "zu einer Debatte mit Experten aus Schaumburg" zu kommen und "miteinander zu streiten" (Moderator Pastor Klaus Zastrow). Dr. Werner Führer, Oberkirchenrat der Schaumburg-Lippischen Landeskirche und Kritiker der Neuausgabe, sowie Hans Wilhelm Rieke, Superintendent a. D., sprachen zum Thema "Wort und Sakrament" und nahmen auch Stellung zu der umstrittenen Bibelbearbeitung. Dass Dr. Führer den Umschreibungsversuchen ablehnend gegenübersteht, wurde den Teilnehmern schnell klar. "Die ideologische Indienstnahme der Bibel ist zu verwerfen", machte der Oberkirchenrat gleich zu Beginn deutlich. Weder dürfe man den Namen Gottes anonymisieren, noch aus dem Wort "Vater" ein "Vater und Mutter" machen. Führer apodiktisch: "Das ist Verdunkelung." Auch wenn man die "Bibel in gerechter Sprache" in manchen Situationen hinzuziehen könne, "ist diese Bibel nicht unsere Bibel." Eindringlich warnte Führer vor einem "Verdrängungswettbewerb zwischen den verschiedenen Ausgaben." Bestimmte Kirchenkreise wollten die "Bibel in gerechter Sprache" zur Altarbibel machen. Auch Pastor Zastrowäußerte sich im Rahmen der Veranstaltung eher kritisch. Die Übersetzung spreche von "Rabbiner und Rabbinerinnen", dabei gebe es zu der Zeit überhaupt keine weiblichen Rabbiner, erläuterte der Moderator. "Trifft diese Übersetzung besser oder wird damit nicht unsere eigene Problematik in den Vordergrund gestellt", fragte Zastrow das Publikum. Das Argument, dass eine ergänzte Bibel zeitgemäßer und damit verständlicher sei, ließ er nicht gelten. Vor allem die sogenannte "Volxxbibel" - eine Bibelübertragung in Jugendsprache - empfänden Jugendliche als "Anbiederung", stellte Zastrow fest. Dieses Negativ-Urteil teilte aber nicht jeder Diskussionsteilnehmer. Einem Religionslehrer ging vor allem Dr. Führers Kritik viel zu weit. "Sie bügeln das gleich so runter", beklagte er sich. In der Einleitung der "Bibel in gerechter Sprache" stehe ausdrücklich, dass es sich bei der Bearbeitung um eine Anregung zur Diskussion handele. "Darüber zu reden kann der Anfang eines Prozesses sein." Im Februar wird wieder ein Gemeindeforum stattfinden, diesmal wird das Thema Meditation zur Sprache kommen.



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