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Verhaltene Freude bei Schaumburgs Bauern / Erste Milch-Notstände in Supermarkt-Regalen

Streik vorbei: Milch fließt wieder in den Tank

Landkreis (crs/clb). Nach zehn langen Streiktagen fließt die Milch seit gestern Abend endlich wieder in den Tank statt in den Trog: Der Lieferboykott der Schaumburger Milchbauern ist vorbei. "Glücklich und zufrieden" reagiert Heinrich-Jürgen Ebeling als regionaler Sprecher des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM) auf das Ende des bundesweiten Streiks. Und doch bleibt die Freude verhalten: Zu groß ist die Skepsis, ob die von den Lebensmittelkonzernen angekündigten höheren Preise tatsächlich den Erzeugern zugutekommen.

veröffentlicht am 06.06.2008 um 00:00 Uhr

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Gemeinsam mit etlichen weiteren Schaumburger Milchbauern war der Rolfshäger gestern Nachmittag bei der Abschlusskundgebung in Berlin dabei. Sein Fazit: "Konkrete Ergebnisse gibt es noch nicht, vieles bleibt ungewiss." Zwar hätten die großen Ketten mit Lidl an der Spitze höhere Preise angekündigt, "was da aber im Endeffekt von den Molkereien bis zu uns rüberkommt, können wir jetzt noch nicht sagen". Trotz aller Skepsis freut sich Ebeling mit seinen Kollegenüber das Ende des Lieferboykotts. "Es ist wunderbar, dass wir wieder liefern dürfen - sonst macht das Melken einfach keinen Spaß." Die Entscheidung zum Streik halten die Schaumburger Bauern nach wie vor für richtig. "Es war zwar unglaublich anstrengend, vor allem psychisch", sagt der Möllenbecker Karl-Heinrich Niehoff, dessen Frau und Tochter gestern auch mit in Berlin waren. Aber dass die Ziele der Milchbauern richtig waren, das hat er auch durch die enorme Unterstützung aus der Bevölkerung erfahren. Wildfremde Menschen hätten bei ihm angerufen und ihm Mut zugesprochen: "Haltet bloßdurch, es ist toll, was ihr macht." Das gibt den Bauern ein neues Selbstverständnis. "Das ist das erste Mal im Leben, dass wir aufgestanden sind", sagt Ebeling, spricht gar von einer "Bauernrevolte". Und von einem Erfolg, den niemand für möglich gehalten hätte: "Wir gehen gestärkt und mit mehr Selbstbewusstsein aus der Sache hervor." Als "einmalig" bezeichnet Ebeling insbesondere die Solidarität unter den heimischen Bauern: 49 Prozent aller Schaumburger Milchbauern haben sich am Streik beteiligt, 60 Prozent der Milchproduktion waren vom Lieferprozess abgeschnitten. Vor allem kleinere Nebenerwerbs-Landwirte haben sich nicht beteiligt. Von einem Riss durch Schaumburgs Milchviehhalter magEbeling nicht sprechen. Und doch: "Ein bisschen was bleibt hängen." Zu denen, die nicht mitgemacht haben, zählt Friedrich-Wilhelm Stockmann aus Exten. Stockmann ist Nebenerwerbslandwirt, hat 25 Milchkühe, parallel einen Vollzeitjob außerhalb der Landwirtschaft. "Ein Streik war für mich zeitlich einfach nicht drin", sagt er und hofft auf das Verständnis seiner Kollegen. Denn solidarisch gefühlt habe er sich immer. Das Ende des Lieferboykotts kommt gerade noch rechtzeitig: Gestern gab es bereits erste Milch-Notstände in den regionalen Supermärkten. In der Rintelner Lidl-Filiale in der Bahnhofstraße waren die Regale bereits vormittags komplett leer geräumt, auch im Jibi-Markt am Stiderfeld neigten sich die Vorräte dem Ende entgegen. Im Marktkauf an der Konrad-Adenauer-Straße registrierte Ilse Hartmann als stellvertretende Geschäftsleiterin, "dass die Kunden auf Vorrat kaufen". Auf eine komplette Lieferung haltbarer Milch musste gar der WEZ-Markt an der Seetorstraße verzichten, wie Marktleiter Frank Schulz-Kleemeyer schilderte: "Man hat schon gemerkt, dass wenigerda war."



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