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Entlastungsstraße auf Gleisen geplant / DEW sucht nach neuer Strecke auf DB-Trasse

Straße statt Schiene: Rinteln will Entscheidung

Landkreis/Rinteln (crs). Straße statt Schiene: Auf der bisherigen RStV-Trasse will die Stadt Rinteln eine Entlastungsstraße bauen, die vom geplanten Einkaufszentrum Nord bis zum Galgenfeld führen und in Höhe der Jet-Tankstelle über einen Kreisel auf die Konrad-Adenauer-Straße einmünden soll. "Schnellstmöglich", so hat der Verwaltungsausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch beschlossen, möge daher die RStV eine Entscheidung für die Stilllegung der Verkehrsinfrastruktur im Bahnhof Rinteln treffen. Zwar will die Stadt nicht vor 2010 mit der Realisierung der Pläne beginnen, aber, so warnt Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz: "So ein Stilllegungsverfahren kann kompliziert und langwierig werden."

veröffentlicht am 07.11.2008 um 00:00 Uhr

Mit der Stilllegung der Gleise wäre die RStV endgültig Geschichte. Bereits im Dezember 2006 hatte der Kreistag nach über hundert Jahren das Aus für die "Rinteln Stadthagener Verkehrs GmbH" eingeläutet: Ende Juni 2007 wurde die Gesellschaft in ein reines Infrastruktur-Unternehmen umgewandelt, der Güterverkehr auf der historischen Strecke eingestellt. Wegbrechende Tonnagezahlen waren der Grund, wichtige Kunden wie die Firma Schwarze in Rinteln oder Heye-Glas in Obernkirchen waren abgesprungen. Als Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen besteht die RStV mit dem Landkreis Schaumburg (50 Prozent) sowie den drei Städten Rinteln (25 Prozent), Stadthagen (15,5 Prozent) und Obernkirchen (9,5 Prozent) als Gesellschaftern noch fort. Das bedeutet: Die RStV lässt keine eigenen Züge mehr auf der Strecke fahren, kümmert sich allein um die reine Gleiserhaltung und die Verkehrssicherheit - damit eben zum Beispiel die DEW mit ihren Museumszügen gegen Trassenentgelt die Strecke nutzen kann. Der für den Bau einer Straße erforderliche Rückbau der Gleise wäre der nächste Schritt im Abschied von der RStV - und der letzte. In der kommenden Woche tagt der Aufsichtsrat und berät über die künftige Entwicklung der Gesellschaft und über den Wunsch der Stadt Rinteln, auf den Gleisen eine Entlastungsstraße zu bauen. Die Strecke für den Personenverkehr zu revitalisieren, hält auch die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen für zu aufwendig: Einem Gutachten zufolge würde dieses Unterfangen nämlich allein Investitionskosten in Höhe von 8 Millionen Euro zur Folge haben. Ob die Gleise bleiben oder nicht - die Dampfeisenbahn Weserbergland ist ohnehin nicht mehr lange am Bahnhof in Rinteln zu Hause: Im kommenden Jahr zieht die DEW in ihr neues Quartier am Alten Bahnhof Stadthagen um, die ersten Wagen sind schon dort angekommen. "Jetzt sind wir aber erst mal dabei, das Grundstück in Stadthagen herzurichten", sagt Karl-Heinz Wolff vom Vorstand der DEW. Da gebe es noch einiges zu tun: Der Lokschuppen müsse erweitert, ein zweiter Schuppen für Ersatzteile und Zubehör gebaut werden. Anders als am alteingesessenen Standort in Rinteln fehle in Stadthagen noch die Infrastruktur: So müssten zum Beispiel sanitäre Anlagen und Aufenthaltsräume angelegt werden. "Da kommt noch viel Arbeit auf uns zu." Aber der Umzug nach Stadthagen birgt für den Verein auch Vorteile - und vor allem eine langjährige Perspektive. "Wir sind froh, dass wir hier einen festen Anlaufpunkt und einen direkten Anschluss ans Netz der Deutschen Bahn haben", sagt Wolff. Bis zum 31. Dezember 2009, das ist sicher, kann die DEW ihre Hausstrecke Rinteln-Stadthagennoch nutzen. Wohin die regelmäßigen Fahrten danach gehen werden, ist noch offen: Vermutlich Richtung Hannover wollen sich die Hobby-Eisenbahner orientieren, in den kommenden Monaten will der Verein Verhandlungen mit der DB aufnehmen. Dass die Dampfeisenbahn auf der stark frequentierten Hauptstrecke Platz finden wird, bezweifelt Wolff nicht: Auch in den vergangenen Jahren habe die DEW die Gleise zum Beispiel für die Weserberglandrundfahrt benutzt, "das hat immer bestens geklappt". Dennoch sei der Weggang aus Rinteln "schmerzhaft", räumt Wolff ein. "Wir wären schon gerne geblieben, wir haben uns hier sehr wohlgefühlt." Wie beliebt die DEW vor allem in Rinteln ist, das zeigt auch die gewaltige Resonanz auf ihre adventlichen Touren: Ruckzuck war die für den 30. November geplante Tour zum Weihnachtsmarkt in Goslar ausverkauft, innerhalb von nur einem Tag auch die kurzerhand anberaumte zweite Fahrt am 14. Dezember. "Und das sind fast alles Rintelner, die uns gebucht haben", sagt Wolff. "Die mögen uns noch." Und weil die Rintelner ihre Dampfeisenbahn so lieb gewonnen haben, soll es hier auch einen angemessenen Abschied geben: Das Bahnhofsfest im kommenden Sommer wird ein bisschen größer ausfallen, verspricht Wolff. "Und eine Abschlussfahrt, die machen wir natürlich auch."



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