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Stolz darauf, dass die Zeitung immer erschien

Was Jürgen Seeger in seiner beruflichen Laufbahn geschafft hat, das ist seiner Ansicht nach „heute nicht mehr möglich“. Seeger schaffte den Durchmarsch vom Schriftsetzerlehrling zum technischen Leiter der Dewezet. Am 1. April 1959 hatte seine berufliche Laufbahn begonnen, die ihn zwischendurch auch ein Jahr nach Hannover führte, weil er dort nach der Lehre eine zweijährige Ausbildung zum staatlich geprüften Werbeassistenten in einer Abendschule absolvierte. „Und am Samstag war selbstverständlich Unterricht“, erzählt der 67-Jährige.

veröffentlicht am 22.10.2009 um 13:31 Uhr
aktualisiert am 23.11.2009 um 15:40 Uhr

Walter Dorn

Autor:

Wolfhard F. Truchseß

Jürgen Seeger mit einem Winkelhaken vor einem Setzkasten im Hamelner Druckereimuseum, das neben der Philatelie sein zweites großes Hobby ist.

„Fiffi“ Voß hat viele Hobbys. Unter anderem wird bei Familie Voß alle vier Wochen selbst gebacken. Unser Bild zeigt den Plattdeutsch-Autor in der Klön-Tür zu seinem selbst errichteten Backhaus in Ohr. Fotos: wft

Was Jürgen Seeger in seiner beruflichen Laufbahn geschafft hat, das ist seiner Ansicht nach „heute nicht mehr möglich“. Seeger schaffte den Durchmarsch vom Schriftsetzerlehrling zum technischen Leiter der Dewezet. Am 1. April 1959 hatte seine berufliche Laufbahn begonnen, die ihn zwischendurch auch ein Jahr nach Hannover führte, weil er dort nach der Lehre eine zweijährige Ausbildung zum staatlich geprüften Werbeassistenten in einer Abendschule absolvierte. „Und am Samstag war selbstverständlich Unterricht“, erzählt der 67-Jährige. Als Schriftsetzer hatte Seeger im Handsatz gearbeitet, Akzidenzen und Anzeigen gefertigt – alles, was der Beruf mit sich brachte. Noch vor der Meisterprüfung im Jahr 1970 wurde Seeger, ein begeisterter Philatelist, 1967 als Disponent in die Auftragsabwicklung geholt. „Fiffi“ Voß, mit einer Unterbrechung seit 1951 bei CW Niemeyer, wusste, warum er ihn holte: „Seeger sorgte dafür, dass es rund lief“ und wurde schließlich Produktionsleiter des Gesamtbetriebs.

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Als wichtigstes Ereignis während seiner Zeit bei der Dewezet betrachtet Seeger den Kauf der britischen Offsetrotationsmaschine MGD im Jahr 1969, auf der 32 Seiten vierfarbig gedruckt werden konnten. „Es war die erste Offsetrotation in Niedersachsen und die dritte in der Bundesrepublik“, erinnert sich Seeger. Sie löste die alte, bereits aus dem Jahr 1926 stammende Hochdruck-Rotation ab. Wie engagiert Seeger den Betrieb leitete, zeigt sein Umzug auf den Ohrberg. „Von dort konnte ich am Rauch aus dem Schlot erkennen, ob die mittlerweile in Wangelist angesiedelte Hochglanz-Rotation auch läuft.“

Stolz sind Seeger, der vor fünf Jahren in Rente ging, und Voß vor allem darauf, dass die Zeitung an jedem Tag erschien, „auch wenn gestreikt wurde. Das war für uns eine sportliche Angelegenheit“, erinnert sich Voß, dessen Job es zeitweise auch war, sich um die Großkunden zu kümmern und Aufträge für die Druckmaschinen zu akquirieren. „29 Zeitschriften haben wir zeitweise gedruckt. Dafür war ich deutschlandweit unterwegs.“ Angebote anderer Verlage lehnte Voß ab. „Ich hatte bei Niemeyer immer freie Hand und habe nie bereut, dass ich in Hameln geblieben bin.“ Als er sich 62-jährig in den Ruhestand verabschiedete, „hat Hans Niemeyer gar nicht glauben wollen, dass ich tatsächlich aufhöre“. Ganz nebenbei gründete Voß 1967 das Mitsorg-Theater in Ohr, führte Regie, pflegte und pflegt noch immer das Plattdeutsche durch Glossen und Vorträge.

Von 1959 bis 1992 arbeitete auch Walter Dorn durchgehend bei der Dewezet – als Schriftsetzer und Metteur. Größtes Problem war für ihn die Umstellung vom Blei- auf den Fotosatz. „Ich bin nun mal Schriftsetzer und kein Freund von Hightech.“ Statt mit Pinzette, Winkelhaken und Ahle zu arbeiten, sei er zum „Schnippler und Schneider“ geworden, habe mit Schere, Skalpell, Winkel und Wachs arbeiten müssen, um die Zeitungsseiten zusammenzubauen, die heute von der Redaktion komplett am Bildschirm erstellt werden. Bevor Dorn den Spätdienst in der Zeitungsschicht übernahm und auch an jedem Sonntag arbeitete, war er wie Seeger im Handsatz tätig. Heute pflegt Dorn sein Hobby der Kalligraphie und keltert seinen eigenen Wein. Die Trauben wachsen an einem Südhang in Voremberg.

Sie zählen zu den alten Recken der Dewezet und haben einiges aus ihrer langen Zeit beim Verlag CW Niemeyer zu berichten: der 80-jährige Wilfried (Fiffi) Voß, Jürgen Seeger (67) und Walter Dorn (75).

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