weather-image
14°
Schweren Angriffen ausgesetzt

Störche und ihr Kampf ums Überleben

Sie gehören zur Familie der Schreitvögel und bringen der Legende nach die Babys: die Klapperstörche. Hierzulande sind sie inzwischen jedoch selten geworden. In unserer großen Dewezet-Serie „Einfach tierisch“ geht es heute um Weißstörche.

veröffentlicht am 06.05.2018 um 12:30 Uhr
aktualisiert am 08.05.2018 um 16:05 Uhr

Ein sogenannter Fremdstorch ist im Anflug auf das Nest an der ehemaligen Molkerei in Hessisch Oldendorf. Der Eindringling versucht, das Nest zu erobern – und zu zerstören. Er hat die Rechnung ohne das angestammte Storchenpaar gemacht, das ihr Nest mi

Autor:

Dietmar Meier und Lars Lindhorst
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

HESSISCH OLDENDORF. Der Weißstorch ist ein mutiger Eroberer – und gleichzeitig ein erbitterter Nestverteidiger. Oftmals sind die Gegner der Störche ihre eigenen Artgenossen. Beim Kampf um die Vorherrschaft im Storchennest gibt es immer wieder Fälle, bei denen die Vögel ihre Widersacher schwer verletzten oder sogar töten. Besonders in Zeiten, in denen die Tiere ihren Nachwuchs pflegen – erst kürzlich waren auf dem Nest der ehemaligen Molkerei in Hessisch Oldendorf heftige Auseinandersetzungen zu beobachten. Für die Hessisch Oldendorfer Störche sind sie noch einmal gut ausgegangen.

Zeitgleich mit dem Schlüpfen der Jungen bekundeten sogenannte Fremdstörche Interesse an dem Horst der Molkerei. Acht Störche, die normalerweise nicht nach Hessisch Oldendorf gehören, machten dem angestammten Storchenpaar arg zu schaffen. Zeitgleich flogen sie das Nest, in dem sich die Jungen befanden, an und begannen so ihre Eroberungstour. Während das Storchenmännchen den Nachwuchs schützte, teilte die Störchin derbe Schnabelhiebe gegen die Widersacher aus. Am Ende war es viel Aufregung um nichts; das Storchenpaar hat sich und seinen Nachwuchs erfolgreich vor den Eindringlingen verteidigt. Vorerst ist wieder Ruhe eingekehrt.

Bei den Fremdstörchen handelt es sich meist um sogenannte Junggesellentrupps, die die Gegend auskundschaften und jede Gelegenheit nutzen, fremder Nester habhaft zu werden. Aber je mehr Energie und Zeit das „Brutpaar“ in die Brut und die Aufzucht der Jungen investiert hat, desto intensiver verteidigen die Vögel ihren Neststandort. Der rote Schnabel ist nicht nur zum Klappern da: Gezielt setzten die Störche ihn zum Angriff oder zur Verteidigung als Waffe ein. Der Schnabel der Männchen ist übrigens etwas größer als der weibliche, rund 20 Zentimeter lang. Ist keine Gefahr in Verzug, so dient der Schnabel zur Begrüßung: Mit dem Klappern begrüßt der Storch den jeweiligen Partner. Ein Liebesbeweis.

270_0900_92758_EinfachTierisch_42x42.jpg

Gelingt es bei Nestkämpfen einem Fremdling doch, auf dem Nest zu landen, wird er als erstes die Gelege zerstören oder die Jungen abwerfen. Unbesetzte Nester beachten die schwadronierenden Störche allerdings kaum. Sie sind ihnen zu uninteressant. Sind keine Brutnester in Sicht, vertreiben sich Störche die Zeit auf den Feldern, wo sie Nahrung suchen.

Zuhause ist der Weißstorch meist in offenen Landschaften wie Flussniederungen mit periodischen Überschwemmungen, auf extensiv genutzten Wiesen und Weiden oder in Kulturlandschaften mit nahrungsreichen Kleingewässern.

Wenngleich die trockene und warme Witterung dafür sorgt, dass die Jungen nicht unterkühlen, so sind die Nahrungsaussichten der Störche in diesem Sommer eher trübe. Es gibt nur wenig Mäuse – neben Fröschen und Insekten die Lieblingsspeise der tierischen Frühlingsboten. Die Nestlinge des Weißstorches benötigen in den ersten Lebenswochen Regenwürmer. Doch der Verlust an Grünländereien macht den Störchen Jahr für Jahr bei der Nahrungssuche zu schaffen.

Eine Zeit lang waren Störche in Westeuropa sogar vom Aussterben bedroht. Der Natur- und Umweltschutzbund (Nabu) erklärt, dass sich der Bestand des Weißstorchs in Deutschland zwar erholt, dies aber „nicht als Zeichen für eine dauerhafte Trendumkehr gewertet werden“ kann.

Laut Nabu reicht der Bruterfolg der Störche in vielen Regionen Deutschlands nicht aus, um die natürlichen Verluste auszugleichen. Denn noch immer lauern viele Gefahren, die den Störchen das Leben schwer machen: Die Verkleinerung des Lebensraumes durch intensiv genutzte Landwirtschaft und entwässerte Grünflächen seien einige der Probleme. Elektrische Freileitungen sind ein weiteres für die ausdauernden Zugvögel. Nicht selten seien besonders Jungstörche betroffen, die bereits während der ersten Übungsflüge in der Nähe ihres Nestes verunglücken. Auch Dürreperioden in Afrika bedrohen nach wie vor das Leben der Störche in ihren Überwinterungsgebieten. Sie finden dort kaum Nahrung und Wasser, das ihnen das Überleben sichert.

Wie viele Hessisch Oldendorfer Störche dann im Winter nach Afrika ziehen, ist noch nicht sicher: Der Nabu Hameln/Hessisch Oldendorf/Aerzen geht davon aus, dass die genaue Anzahl an Jungstörchen erst in einigen Wochen ermittelt werden – wenn sich die Köpfe der kleinen „Klappermänner“ über den Nestrand hinausschieben.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare