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Der neugierige Blick in die Kirchen: Premiere der "Langen Nacht der Kirchen" wird ein schöner Erfolg

Stimmung wie in südlichen Touristenstädten

Rinteln (cok). Drei, vier, gar fünf farbig in der Dämmerung leuchtende Armbänder sah man an so vielen Menschen, die am späteren Sonnabend durch die Stadt wanderten oder sich vor und in einer der fünf städtischen Kirchen versammelt hatten, für deren Besuch man eines dieser Bändchen erhielt. Die "Lange Nacht der Kirchen" war eine laue Sommernacht - und ein schöner Erfolg für das Zusammenspiel der einzelnen Kirchengemeinden.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 08:55 Uhr

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Dabei nahm diese erste Rintelner Kirchennacht einen sehr gemächlichen Anfang, um 18 Uhr nämlich in der evangelisch-lutherischen Nikolaikirche, als draußen der Marktplatz von Menschen wimmelte und drinnen eine kleine Gruppe aus Kindern und Erwachsenen den alten Bibel-Geschichten zuhörte, von der Schöpfung der Welt in sieben Tagen, als "Gott sah, dass esgut war", über die Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies, dem Drama um Kain, der seinen Bruder Abel erschlug, bis hin zum gescheiterten Turmbau zu Babel, dem Versuch der Menschen, wie Gott zu sein. Doch schon bald füllte sich die Kirche zum "Offenen Singen" mit Kantor Wolfgang Westphal, und wer im Laufe der Nacht, die ja darauf angelegt war, einen Spaziergang von Kirche zu Kirche zu ermöglichen, immer wieder mal in St. Nikolai vorbeischaute, der sah so viele Menschen, die dort ein und aus gingen, konnte bleiben zu den verschiedenen Bibellesungen rund um all das, was das "Buch der Bücher" zu Liebe und Hass, Leben und Glauben, Tod und Auferstehung zu sagen hat - eine Stimmung fast wie in südlichen Touristenstädten, wo es die neugierigen Reisenden ganz selbstverständlich in die Kirchen zieht. Richtig lustig ging es von Beginn an auf dem Kirchplatz vor der reformierten Jakobi-Kirche zu, wo sich die Kirchspaziergänger an großzügig gespendeten Snacks von der "Bodega" stärken konnten für einen der wohl ungewöhnlichsten Auftritte, die die Jakobi-Kirche jemals sah, dem "Kirchenkabarett" von Uwe Kurt Stade, Gitarrist Volker Buck und Ulrich Reineking, mit haarsträubend komischen Geschichten, bei denen derstimmgewaltige Reineking eine typische Radio-Morgenpredigt persiflierte, sich als harter Biker-Pfarrer gab und vom alten Pastor Herlin erzählte, der den "gesunden Kirchenschlaf" als "innige Form der geistigen Meditation" predigte (und nach der eigenen Predigt diesem Schlaf auch selbst gern in unschuldiger Gebethaltung huldigte). Die katholische St.-Sturmius-Gemeinde dagegen sorgte für eine eher ruhige, besinnliche Stimmung. Wer hier in der Zeit zwischen 20 und 22 Uhr eintraf, sah die Jugendgruppen der Gemeinde, wie sie sangen, musizierten, nachdenkliche Texte präsentierten und zum Schluss zusammen mit ihren aus den anderen Gemeinden hereingeschneiten Gästen und einem eindrucksvollen Kirchenchor das bewegende "Laudate omnes gentes" anstimmten, nach dem man umso gelassener an der Abend-Weser entlang Richtung Blumenwall wandern konnte, zur Baptistischen Gemeinde. Die weiße Kirche dort hatte ihre Tore weit geöffnet und empfing zahlreiche Besucher, die gerne die Gelegenheit nutzten, einen der beiden Filme über Dietrich Bonhoeffer und Martin Luther anzusehen oder sich mit einer Leckerei vom Buffet in den Vorgarten zu setzen. So manchen sah man hier, der alle fünfzu ergatternden Leuchtbänder am Handgelenk trug, denn auch das Johannis-Kirchzentrum in der Nordstadt hatte großen Zuspruch gefunden mit seinem afrikanischen Abend, der Gospelmusik, den ungewöhnlichen Speisen (Bericht folgt morgen). Wer nachüber fünf Stunden Kirchen-Erkundung immer noch konnte, nahm an einer der Abschlussandachten teil, und manche blieben noch auf dem Vorhof der Jakobi-Kirche, wo plötzlich auch Wein auftauchte und man in anregenden Gesprächen vor den uralten Kirchenmauern die "Nacht der langen Kirchen" noch einmalRevue passieren lassen konnte - mit der Gewissheit, dass dies bestimmt nicht die letzte lange Kirchennacht in Rinteln gewesen war.

In der Jakobi-Kirche sorgen Uwe Kurt Stade (oben), Volker Buck (
  • In der Jakobi-Kirche sorgen Uwe Kurt Stade (oben), Volker Buck (unten l., v.l.) und Ulrich Reineking für einen ungewöhnlichen Auftritt, auch in St. Nikolai herrscht reges Kommen und Gehen. Fotos: cok
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