weather-image
Rintelner Musiktage: Oratorienchor singt eindrucksvolle Neufassung von Mozart-Messe

Stimmstark auch auf ungewohntem Terrain

Rinteln (dis). Wann immer man Wolfgang Westphal am Pult erlebt, sorgt er für Besonderheiten. Der zweite Konzertabend im Zuge der 31. Rintelner Musiktage in der sehr gut besuchten St.-Nikolai-Kirche bestätigte das einmal mehr, denn Jahresjubilar Wolfgang Amadeus Mozart und Zeitgenosse Robert Levin gaben sich mit der "c-Moll Messe - Fragment und Neufassung" die Ehre.

veröffentlicht am 21.11.2006 um 00:00 Uhr

Bewundernswert ausgewogen: der Schaumburger Oratorienchor.

Nachdem Mozart 1781 mit einem kräftigen Fußtritt aus den Diensten des ungeliebten Salzburger Erzbischofs entlassen worden war, kümmerte er sich prompt nicht mehr um geistliche Stücke. Die "große" Messe in c-Moll, KV 427, von 1783 bildet da eine Ausnahme. Sie sollte so etwas wie ein Versöhnungsgeschenk für den Vater werden,doch das Credo blieb unvollständig und das Agnus Dei fehlte ganz. Fragmentarische Hinterlassenschaften dieser Art sind eine Herausforderung, die Pianist und Musikforscher Robert Levin 2005 gern annahm. In seinem Auftragswerk bringt er den Torso im Geiste Mozarts auf ausdrucksvolle Art zur Vollendung. Von der Qualität konnten sich jetzt die Gäste in St. Nikolai überzeugen. Der Schaumburger Oratorienchor hatte sich mit der um aparte Farben reicheren Version einiges vorgenommen. Sicherlich ist die Erarbeitung einer solch interessanten Neufassung selbst Motivation genug. Doch es blieb nicht beim gelungenen Ausflug auf schwieriges, ungewohntes Terrain. Wolfgang Westphals stimmlich bewundernswert ausgewogene Formation zeigte sich darüber hinaus als fähiger Anwalt von kontrapunktischem Reichtum und üppigen melodischen Einfällen, mit denen die 80-minütige Partitur an alle Ausführenden Höchstanforderungen stellte. Auch das Göttinger Symphonie-Orchester ließ sich nicht lange bitten, sondern musizierte seinen mit Pauken und Trompeten, aber zudem mit konzertanten Kapriolen von Flöte, Oboe und Fagott angereicherten Part ganz im Einklang mit den Vokalisten. Zum Erfolg des Abends trugen außerdem Isolde Siebert und Katharina Leyhei mit ebenso klaren wie kraftvollen Sopranen bei. Ferner gefielen der warm timbrierte Tenor von Benjamin Hulepp und der ausgeglichene Bass-Bariton des kurzfristig eingesprungenen Rintelners Sebastian Brendel. Dirigent Wolfgang Westphal koordinierte das an- und aufregende Geschehen mit zielgenauer Zeichensprache. Die Zufriedenheit des Publikums kam im langen Schlussbeifall zum Tragen.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2017
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare