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Vor Gericht: Prozessauftakt gegen Nenndorfer

Stiefvater (44) soll Mädchen jahrelang missbraucht haben

Bad Nenndorf/Bückeburg (ly). Apathisch hat sie dagelegen, geweint und allesüber sich ergehen lassen, immer wieder. Widerstand gegen ihren viel stärkeren Stiefvater hatte das Mädchen längst aufgegeben. Eines Tages konnte die heute 20-Jährige es nicht mehr ertragen. Sie vertraute sich einer Freundin an. So kam alles raus.

veröffentlicht am 13.09.2007 um 00:00 Uhr

Acht Jahre nach dem erstenÜbergriff, als das Opfer zwölf war, beschäftigt dieser Fall von sexuellem Missbrauch jetzt die 1. Große Jugendkammer des Bückeburger Landgerichts. Als Tatorte gelten wechselnde Wohnungen der Familie in Rodenberg, Apelern und Bad Nenndorf. Angeklagt ist ein 44-Jähriger aus Bad Nenndorf, der seit Mitte April wegen der Vorwürfe in Untersuchungshaft sitzt. Zur Last gelegt werden ihm elf Taten. Das Verfahren für drei davon ist bereits am ersten Verhandlungstag vorläufig eingestellt worden, weil eine zusätzliche Verurteilung kaum weiter ins Gewicht fiele. Vergangen haben soll sich der mutmaßliche Kinderschänder in diesen Fällen auch an der sechs Jahre jüngeren Schwester. Zu Beginn waren die Kindernach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft sieben und zwölf Jahre alt. Besonders abgesehen hatte es der Mann, zunächst Lebensgefährte der Mutter und nach der Heirat Stiefvater der Kinder, jedoch mit Sicherheit auf das ältere Mädchen. "Ich habe sie begehrt", gibt er zu. "Sie war so jung und hübsch." Mal soll der Nenndorfer mit den Worten "Ich will jetzt" im Bett über sein hilfloses Opfer hergefallen sein, dann wieder auf dem Fußboden. Anschließend, so heißt es, habe er das Mädchen einfach liegen gelassen und sei wortlos gegangen. Zum Prozessauftakt hat der Angeklagte gestern ein umfassendes Geständnis abgelegt und Bedauern geäußert. Erklären kann sich der 44-Jährige nach eigener Darstellung bis heute nicht, wie es so weit kommen konnte. "Wenn es vorbei war, habe ich mich sehr geschämt", beteuert er. "Ich hatte Angst, dass alles rauskommt. Aber in dem Moment war mir das egal." Das körperliche Verlangen sei stärker gewesen. Nach Jahren will der Nenndorfer beschlossen haben, die ältere Stieftochter endlich "loszulassen". Deshalb machte er intime Fotos, als eine Art Ersatz für den "persönlichen Kontakt". Zumindest zum Teil hatte der 44-Jährige die Taten offenbar genau geplant, wie er selbst zugibt. Wenn die Mutter der Kinder abends zur Arbeit musste, sorgte er dafür, dass das jüngere Mädchen zu einer Freundin ging. So konnte er mit der Schwester allein sein. Gezielt, so heißt es in der Anklage, habe der Täter die Schüchternheit des Opfers ausgenutzt. Erstreckt haben soll sich der Missbrauch über einen Zeitraum von etwa siebeneinhalb Jahren. Der Prozess wird heute fortgesetzt. Im Fall eines Schuldspruchs drohen dem Mann mehrere Jahre Haft.



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