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Ausverkaufter Auftritt der Mindener Kabarettisten im Ratskeller

Stichlinge empfehlen Kaviar als Waffe gegen das Dicksein

Rinteln. Unter denökonomischen Zwängen des Kulturbetriebs im Kleinkunstbereich hat sich das klassische Ensemble-Spiel im Kabarett rar gemacht. Dass es beim Publikum nach wie vor auf regen Zuspruch trifft, belegen regelmäßig die "Stichlinge" aus Minden, die sich als ambitionierte Amateure das Agieren in der Truppe leisten können - und dabei auch so einiges leisten. Volles Haus wie immer also beim Stichlinge-Abend des Kulturrings im Ratskeller, wo die Gäste aus der Domstadt mit ihrem neuen Programm "Hauptsache gesund?!" agierten.

veröffentlicht am 11.05.2007 um 00:00 Uhr

Autor:

Ulrich Reineking

Wer unter diesem Titel eine thematische Reduktion auf das Thema Gesundheitsreform erwartet hatte, sah sich angenehm enttäuscht. Die damenhaft-souveräne Kirsten Gerlhof, ihre eloquenten Kollegen Rolf Mietke und Oliver Roth sowie der quirlige Rampenstürmer Dieter Fechner wagten sich mit dem satirischen Operationsbesteck an so ziemlich alle Felder der Zeitkritik. Die Sackgassen der Generation Praktikum werden dabei ebenso grell ausgeleuchtet wie die Geschäftemacherei der Stromkonzerne und die schrägen Seiten der all-inclusive-Mentalität. In den Sketchen gelingen dabei so zündende Pointen wie "Nach meiner Diagnose sind Sie schon seit zwei Jahren tot" oder auch "Billiger ist es natürlich, die Gesundheitsreform gleich durch Lachnummern zu ersetzen, denn Lachen macht ja auch gesund!" Im Kampf gen die islamische Gefahr wird "Stahlhelm statt Kopftuch" beschworen, im Krieg gegen CO 2 -Gefahren wird der Endsieg durch die Atomkraft als saubere Energie vorgeschlagen . Wir erfahren, dass in erster Linie nicht "der Genitiv dem Datum sein Tod ist, sondern die allgemeine Laschheit der Erziehung ihrer" und als Dieter Fechner sich in Angela Merkel verwandelt und fordert: "Denken Sie nicht immer so deutsch", belegt das Echo im Saal, wie intensiv und bereitwillig die Gags aufgenommen werden. Ganz aktuell zeigen sich die Stichlinge in der Kampagne gegen das Dicksein und empfehlen Kaviar als Waffe: "Deshalb sind die Reichen doch so oft schlanker als die Armen, die sich vom kalorienreichen Gammelfleisch vom Schwein ernähren müssen." Und wenn es schon bald Prämien in der Kinderzucht statt in der Rinderzucht gibt, kann man im Energiesektor auch auf Windmühlenflügel setzen, "auch wenn man das in Rinteln nicht so gern hört". Falls dabei falsch gerechnet wird, heißt es vermutlich lapidar: "Das machen nicht wir, das macht der Computer." Die Regie besorgte einmal mehr Routinier Birger Hausmann und für die musikalisch einfühlsame Begleitung stand beziehungsweise saß Dietmar Möller als Mann am Klavier. Ein bisschen platt kam zur Pause der Song von den "Tausend Tricks" daher - denn dass man Versprechungen von Politikern nicht trauen sollte, ist wohl ein zu alter Hut, als dass man darüber auch noch in Couplets sinnieren sollte. Wenn ihnen wieder mal was einfällt, wollen die Stichlinge wiederkommen. Dem Publikum wird's recht sein.



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