weather-image
10°
"Arbeitsunterlagen": Theatermaler Henner Trappe zeigt seine schönsten Entwürfe

Sternstunden erleben Bühnenbildner selten

Obernkirchen. 1973 hat Henner Trappe einen Prospekt zu den Wagner-Spielen in Bayreuth erhalten. Und siehe da, auf dem Titelblatt fand er wieder, was er selbst viele Jahre früher gestaltet hatte: eine seiner Hintergrundprojektionen aus Wolfgang Wagners "Ring"-Inszenierung von 1961. Trappe hat sich gefreut: Qualität überdauert die Zeit.

veröffentlicht am 08.06.2007 um 00:00 Uhr

Nikolay W. Gogol: "Die Brautfahrt zu Petersburg". Fotos: rnk /ma

Autor:

Frank Westermann

Als "Probelauf" und Vorstufe zum Bühnenbildner hat Trappe Theatermaler gelernt, es war schon in früher Kindheit sein Berufswunsch. Vorgeschlagen hat es die Oma, "Werde doch Bühnenbildner", hat sie gesagt, nachdem der kleine Henner für seinen jüngeren Bruder ein Puppentheater gebaut hatte. Doch das war kein leichter Weg für den 1937 in Stettin geborenen Trappe. Es fehlte am Geld für das eigentlich unerlässliche Studium. Seine einzige Chance sah Trappe im beschwerlichen Weg über die Praxis. Zehn Jahre würde er brauchen, tippte damals ein erfahrener Kollege - und behielt Recht. 1956 hat Trappe seine Lehre als Theatermaler am Stadttheater Hildesheim begonnen und beharrlich seine Pläne in die Tat umgesetzt: Ein Viertel seiner insgesamt gut 800 Entwürfe existiert noch. Und so kann die Info-Galerie jetzt Entwürfe zeigen, die ein Stück Theatergeschichte erzählen: Vom Umbruch in die Moderne, von 1966 bis 1981 reichen die Bilder. Die Theaterarbeit, so erklärt es Trappe, erfordert "äußerste Präzision und Disziplin: Es gibt keine technischen Medien, die die Arbeit übernehmen können, kein Computer kann ein Bühnenbild entwerfen, kein noch so raffinierter Soundtrack kann die Stimmqualität von Sängern und Chören ersetzen - die Basis und der Maßstab der Theaterarbeit ist der Mensch mit seinem Leistungsvermögen." Trappe hat mit den Großen seiner Zunft gearbeitet, mit Theo Otto, Jörg Zimmermann, Eckehard Grübler - und eben auch Wolfgang Wagner. In den Sommermonaten 1960 und 1961 hat Trappe als Assistent des Ausstattungsleiters der Bayreuther Festspiele an dieser ersten Opern-Adresse gearbeitet und war an der Theatermalerei unddem technischen Zeichnen beteiligt, für Projektionsmalerei und Modellbau weitgehend verantwortlich. An Wagner erinnert er sich gern, kein böses Wort kommt über die Lippen von Henner Trappe. Das wäre auch gar nicht seine Art, denn Trappe ist ein ruhiger, besonnener Mensch, der so bestens in das Anforderungsprofil seines Berufes passt: Wer am Theater arbeitet, muss ein Teamspieler sein. Die enge Zusammenarbeit und eine ständige Abstimmung mit Regie, Kostüm- und Maskenbildnerei sowie der Bühnen- und Beleuchtungstechnik sind unerlässliche Voraussetzungen, um homogene Inszenierungen zu schaffen, erklärt der Obernkirchener: "Theaterarbeit ist Teamwork im besten Sinne des Wortes: Ein Bühnenbildner, der das nicht beherzigt und glaubt, wie ein freischaffender Künstler arbeiten zu können, ist schon vor dem ersten Pinselstrich gescheitert." Trappe weiß, wovon er spricht, denn 1965 wechselte er von den Brettern, die nicht nur für Schauspieler die Welt bedeuten, zum Fernsehen: Er wurde Bühnenbildner, Backgroundmaler und Storyboarder bei "Neue Filmproduktion" und "Taunusfilm", renommierte Adressen, aber er hat es nur ein Jahr dort ausgehalten. Das war nicht seine Welt, er stieg aus: Seine vom Theater geprägte Denk- und Arbeitsweise war mit der Arbeit der Filmschaffenden unvereinbar. Er gibt zu, dass auch von der anderen Seite seine Eignung in Frage gestellt wurde. So trennte man sich im besten Einvernehmen. Trappe war damals selbstbewusst genug, um die Konsequenzen zu ziehen. Nach Bayreuth war er an die Städtischen Bühnen Augsburg gegangen, 1964 folgte München: Er wurde als Chef-Assistent des Ausstattungsleiters an die Münchener Staatsoper berufen. 1966, genau nach den einst veranschlagten zehn Jahren, wagte er den Sprung in die Selbstständigkeit als Bühnenbildner bei den Städtischen Bühnen Flensburg. 1982 beendete er seine berufliche Laufbahn. Die "Arbeitsunterlagen", wie Trappe seine Bühnenbilder nennt, sind noch bis zum 18. Juni in der Info-Galerie zu sehen. Sie erzählen nicht nur vom Wandel auf den Theaterbühnen und von der präzisen Handarbeit, sondern auch von einem gelebten Leben jenseits abstumpfender Routine. Man darf sich Trappe also als einen glücklichen Menschen vorstellen, dem dann und wann sogar eine der seltenen Sternstunden eines Bühnenbildners zuteil wurde, nämlich aufbrandender Applaus beim ersten Öffnen des Vorhangs am Beginn einer Premiere.

Henner Trappe
  • Henner Trappe
Jean Anouilh: "Der Ball der Diebe".
  • Jean Anouilh: "Der Ball der Diebe".
Oskar Nedbal: "Polenblut".
  • Oskar Nedbal: "Polenblut".


Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt