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Rumäne wird in Fußfesseln vorgeführt / Staatsanwalt fordert sechs Jahre / Urteil am Freitag

Steinberger Panzerknacker schwer bewacht

Steinbergen/Bückeburg (ly). Im dritten und vorerst letzten Panzerknacker-Prozess hat Oberstaatsanwalt Bodo Becker für den angeklagten Rumänen (37) gestern sechs Jahre Haft gefordert. Verteidiger Dr. Volkmar Wissgott beantragte fünf Jahre. Urteilsverkündung ist am Freitag.

veröffentlicht am 03.01.2008 um 00:00 Uhr

Wie ein Schwerverbrecher wird der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt. Die Fußfesseln werden ihm auch während der Verhandlung nicht abgenommen. Zwei Wachtmeister lassen das Bandenmitglied der Panzerknacker von Steinbergen, auf dessen Konto allein 16 Straftaten gehen sollen, keine Sekunde aus den Augen. Verteidiger Wissgott will, dass seinem Mandanten die Fußfesseln abgenommen werden. "Ich habe die Befürchtung, dass er sich dem Verfahren dann durch Flucht entziehen würde", erwidert Richter Jörg Peters, Vorsitzender der 1. Großen Hilfsstrafkammer am Bückeburger Landgericht, und lehnt ab. Ist dieses schmächtige Kerlchen wirklich der Bandenchef? Vermutlich nicht - obwohl es in der Anklageschrift erst so ausgesehen hatte. Im Prozess hat sich jedoch herausgestellt, dass er bloß Fahrer war. Einmal hatte der 37-Jährige sich beim Aufschweißen eines Tresors von einem anderen Mann zur Seite drängen lassen, dem es nicht schnell genug ging. "Das lässt ein Boss nicht mit sich machen", meint Staatsanwalt Becker. Die Sicherheitsvorkehrungen der Justiz wirken dennoch verständlich. Schon einmal war der Rumäne als Mitglied jener sechsköpfigen Bande, die sich auf den Diebstahl von Geldautomaten aus Banken spezialisiert hatte, auf der Flucht. Gefasst wurde er im Juli vergangenes Jahres in London, bevor die Briten ihn an Deutschland auslieferten, wo der 37-Jährige inUntersuchungshaft kam. Seit gestern muss er sich nun wegen schweren Bandendiebstahls vor Gericht verantworten. Ein Schuldspruch gilt als sicher, Haft ebenfalls. Fünf andere Bandenmitglieder hatten in zwei vorausgegangenen Prozessen Haftstrafen zwischen vier und sechs Jahren bekommen, darunter der mutmaßliche Boss. Im aktuellen Prozess wiegen vier Vorwürfe besonders schwer. Mit gestohlenen Autos und einem Stahlseil hatte die Bande Ende Mai 2006 einen Geldautomaten der Volksbank Steinbergen aus der Verankerung gerissen. Beute: rund 37 500 Euro. Einige Wochen zuvor war die Truppe in Barsinghausen ähnlich vorgegangen, hatte es aber nicht geschafft, den Tresor in einen gestohlenen Transporter zu verladen. Mäßig war der Erfolg in Empelde bei Hannover. Die Männer lösten eine Sicherung aus, worauf sich automatisch blaue Farbe über einen Teil der Banknoten ergoss und diese unbrauchbar machte. Weitere Geldscheine wurden beim Aufschweißen des Behälters angekokelt. In Helpsen schließlich riss im Oktober 2006 das Stahlseil, worauf der größte Teil der Bande festgenommen wurde. Bei den restlichen Delikten, die dem angeklagten Rumänen vorgeworfen werden, handelt es sich vor allem um Autodiebstähle, einmal um den Diebstahl von Zigaretten für 6000 Euro aus einer Tankstelle in Coppenbrügge. In anderer Besetzung (ohne den Angeklagten) hat die Bande weitere Geldautomaten geknackt, etwa in Münchehagen und dem hessischen Kirtorf. Hintermänner werden in Belgien vermutet. Als Motiv der Rumänen gilt wirtschaftliche Not.

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