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Historiker Dr. Raimond Reiter thematisiert Umgang mit dem Gedenkstein bei der Sommeruni

"Stein des Anstoßes" sogar jugendgefährdend?

Rinteln (ur). Bewusst haben die Veranstalter der Sommeruniversität im geisteswissenschaftlichen Bereich auch kontroverse Themen in das Vorlesungsverzeichnis aufgenommen, die mit lokalem oder regionalem Bezug daherkommen. Auch die Diskussion um die Zukunft des Gedenksteins vor der Realschule wird dabei aufgegriffen.

veröffentlicht am 04.07.2008 um 00:00 Uhr

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Speziell zu diesem Rintelner Streitthema wird aus wissenschaftlicher Sicht der Historiker Dr. Raimond Reiter beitragen, der an verschiedenen Universitäten Forschungsprojekte zum Bereich Nationalsozialismus geleitet hat und über 50 Publikationen mit dem Schwerpunkt "Psychiatrie in der NS-Zeit" vorgelegt hat. Reiter hat in Zusammenarbeit mit verschiedenen Landeskrankenhäusern (inklusive Wunstorf und Lüneburg) Dokumentationen zu diesem Abschnitt erarbeitet. Sein Thema in Rinteln wird eine Darstellungüber die geschichtlichen Hintergründe des Gedenksteins mit der Parole "Klagt nicht kämpft" auf dem Kollegienplatz in Rinteln sein. "Ich habe festgestellt, dass dieser Spruch aktuell auch in der gegenwärtigen rechten Szene verwendet wird", teilt Reiter dazu Sommeruni-Koordinator Günter Kania mit. Inhaltlich falle der Stein offenbar in gleich drei mögliche Kategorien: militärischer Gedenkstein, politisches Mahnmal und Gemeinde-Gedenkstein mit lokalem Bezug. "Historisch handelt es sich wohl um einen Spruch aus der Wehrmacht, insbesondere der Luftwaffe." Weiter führt Reiter aus: "Wenn ich es richtig sehe, könnte man den Stein sogar als jugendgefährdend einstufen. Nach dem Jugendschutzgesetz ist nämlich Gewaltverherrlichung und/oder Verharmlosung nicht zulässig. Hier spielt sicher auch eine Rolle, dass der Stein ausgerechnet vor einer Schule steht." Bei seiner Veranstaltung in Rinteln wird Reiter auch problematisieren, dass so ein markanter Gedenkstein existiert, andererseits aber nur wenige und vergleichsweise unauffällige Mahntafeln zur Erinnerung an die Verbrechen der Nationalsozialisten in Rinteln zu finden sind. Kania hat sich für diese Ergänzung zum Vorlesungsverzeichnis der Sommeruniversität entschieden, weil gerade im vergangenen Jahr etliche jugendliche Teilnehmer aus dem In- und Ausland Fragen zu diesem "Stein des Anstoßes" hatten und sich verwundert zeigten, dass eine solche Manifestation heute noch unkommentiert auf einem Schulgelände existiert. Auch eine weitere geisteswissenschaftliche Veranstaltung mit regionalem Bezug findet sich im Vorlesungsverzeichnis der Sommeruniversität: So wird der hannoversche Soziologieprofessor Dr. Manfred Lauermann 40 Jahre nach der Studenten- und Jugendrevolte von 1968 einen Rückblick auf die konkreten Veränderungen bieten, die durch die Anstöße der "68er" gegeben wurden - und dabei speziell auf die Situation in Niedersachsen eingehen, denn er gehörte damals als Wortführer des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) zum Zentrum dieser Bewegung in Hannover.



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