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Auch Fürst Alexander greift zum Taktstock

Stehende Ovationen für die "Göttinger"

Bückeburg. Den Begriff "Melting Pot" benutzt man gerne, wenn beschrieben werden soll, wie in den USA die verschiedenen kulturellen Einflüsse vermeintlich miteinander verschmelzen. Aber der Vergleich mit dem Schmelztiegel hinkt, denn zumindest in der Musik ist kein Einheitsbrei das Ziel, sondern ein Gericht, in dem man die Zutaten und die Gewürze noch spürt und genießt.

veröffentlicht am 14.01.2008 um 00:00 Uhr

Beifall für Dirigent Christoph Mueller - auch von Fürst Alexande

Autor:

Dietlind Beinßen

Wie appetitanregend das ausfallen kann, war in einem etwas anderen Neujahrskonzert der Göttinger Symphoniker zu erleben, bei dem im Rathaussaal reichlich aufgetischt wurde, ohne das zahlreiche Publikum zu übersättigen. Nach mehr als zwei Stunden gab es hoch verdiente Ovationen für diese Kulturvereinsveranstaltung. Der charmante Dirigent Christoph Mueller steuerte sein groß besetztes Orchester nicht nur sicher durch alle rhythmischen Klippen, sondern auch launige Einführungen bei. Nach den ersten Worten ließ er ganz schnell Taten folgen und behielt die Übersicht bei Rossinis Ouvertüre zu dem Melodrama "Semiramis" sowie der Kavatine. An die Interpreten stellt der Komponist höchste Anforderungen: Die Musik ist virtuos und die Profis müssen zunächst arg schwitzen, bis sie alle technischen Schwierigkeiten bewältigt haben und die Raffinessen so delikat servieren wie es die "Göttinger" instrumental und ihre Gesangskollegin Mardi Byers mit warmem Sopran taten. Eine richtige Mischung aus Vorwärtsdrang und Stimmungsmalerei prägten zudem Cileas Romanze der Adriana sowie Ponchiellis Ballettmusik "Tanz der Stunden" und Teile der Suiten von Respighi. Ihre eingeplante Verdi-Arie kredenzte Mardi Byers dann zwar nicht, dafür beglückte sie um so mehr mit einer wohltimbrierten Puccini-Partitur. Die ungewohnten "Neujahrsklänge" brachten ein Hauch von Abenteuer und eine sympathische Abweichung von der "same procedure as every year". Nach der Pause wurde denüblichen Gepflogenheiten gehuldigt. Allerdings zehrte die einleitende Strauss´sche Ouvertüre zu der komischen Oper in drei Akten, "Eine Nacht in Venedig", von ganz besonderer Gestaltung, denn niemand anders als Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe richtete das Ensemble jetzt am Pult genüsslich,kenntnisreich und kompetent auf luftiges und beschwingtes Musizieren aus und erhielt dafür langen Beifall. Mit dem quirligen Christian Mueller wurden anschließend weitere Höhepunkte des Walzerkönigs aus der "Nacht in Venedig" offeriert, bei denen sich abermals die Sopranistin profilierte. "Wo die Citronen blüh´n", "Rosen aus dem Süden", Dauerbrenner wie die temporeich vorgetragene Polka "Donner und Blitz" und selbstverständlich der Radetzkymarsch zum Mitklatschen rundeten die wohlgelungene Vorstellung der "Göttinger" ab. Zum BSM-Neujahrsempfang im Anschluss siehe Bericht unten.

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