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Teezeit im Prinzenhof: Ein wahrhaft großer Vertreter von Heinz Erhardt macht Laune

Stefan Keim: "Ich habe meine Frau geamselt!"

Rinteln. Von der ersten Sekunde seines Auftrittes an ist klar: Er hat sein Publikum in der Hand, der gerade richtig dicke kleine Herr mit Hornbrille. Dieser schnelle Gang, der verdrehte Blick, das breite Grinsen, Heinz Erhardt - ohne Zweifel, auch wenn er Stefan Keim heißt und vom Kulturring engagiert wurde für einen Heinz-Erhardt-Abend zur "Teezeit im Prinzenhof". Dicker Vorschuss-Applaus und natürlich die Antwort: "Herzlichen Dank für dieses Geräusch!"

veröffentlicht am 30.01.2007 um 00:00 Uhr

Mit Mimik, Gestik und Wortwitz immer ein Schelm: Stefan Keim als

Autor:

Cornelia Kurth

Seit Jahren schon zieht Stefan Keim, Journalist, Autor und Kabarettist, mit seiner Erhardt-Hommage durch Deutschland, ohne dabei an Präsenz und Leidenschaft zu verlieren. Überall hinterlässt er dabei ein begeistertes und auch gerührtes Publikum, denn er bietet nicht nur in wunderbar sicherer Imitation das ganze Feuerwerk absurder Erhardt-Wortspiel-Komik, sondern erzählt auch aus dem Leben des in Wirklichkeit eher melancholischen Entertainers, der auch ernste Texte schrieb, die er allerdings nie selbst vortrug. Auf der Suche nach Liebe kam Heinz Erhardt (alias Stefan Keim) nach Rinteln und erfragte sich von erfahrenen Zuhörern ("Sie da, Sie sehen so was von verheiratet aus!") allerlei Tipps, wie man die schönen Rintelner Frauen auf seine Seite ziehen kann. Tausend Texte fielen ihm dazu ein, alle gänzlich ungeeignet, weil sie entweder im Handumdrehen vom Thema abwichen oder in Mord und Totschlag endeten. Aber, so wohlgemut der Entertainer: "Es hat Ihnen ja wohl keiner versprochen, dass es ein schmerzfreier Nachmittag wird!" Er rezitierte eine Verkorksung von Schillers Ballade "Der Taucher", in der kein "Knappersmann oder Ritt" dem goldenen Becher hinterher springen will, um die Prinzessin zu erobern: "Sie wussten verlässlich/die Tochter ist grässlich/der Becher liegt heute noch unten." Und er sparte nicht mit durchaus schmerzhaften Erhardt-Kalauern: "Im Leben geht alles natürlich zu - nur meine Hose, die geht natürlich nicht zu..." Ganz besonderen Eindruck auf die zahlreichen Zuhörer machte Stefan Keim, wenn er unter Beweis stellte, dass er durchaus über eigenen komödiantischen Erfindungsreichtum verfügte. Er sei so verwirrt gewesen, als er sich vergewissern wollte, ob er auch wirklich in Rinteln angekommen sei und ein großes Haus fand, auf dem stand "Stadt Kassel". Und er freue sich zu sehen, dass die Leute im Prinzenhof ihren Kaffee ganz ordentlich zu sich nehmen. "Am Marktplatz steht ja groß: Kaffee! Sinke! - Ich dachte, es sei hier Brauch, dass der Kaffee immer etwas herunterfällt!" Eine Frau konnte er allerdings während des zweistündigen, überaus unterhaltsamen Programms trotzdem nicht erobern. Da halfen weder der berühmte "Ritter Fips", noch seine grausig-schön gesungene "Carmen"-Opernarie, noch gar makabere Scherze wie: "Ich habe meine Frau geamselt." - "Sie meinen gevögelt?" - "Ne, jetzt weiß ich: erdrosselt!" Was ihm aber in dieser vergnüglichen Doppelstunde mit Bravour gelang: Ringsum die Bewunderung für den 1979 gestorbenen Wortkünstler Heinz Erhardt neu zu beleben und schon das ist allemal heißen Dank wert.

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