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Ärzte nutzen Informationsveranstaltung der Wohlfahrtsverbände über neues Arzneimittel-Gesetz zum Protest

Statt Sachinformation viele Statements in eigener Sache

Bückeburg. Das "Arzneimittel-Verordnungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz" - es tritt am 1. Mai in Kraft - verunsichert Patienten und verärgert niedergelassene Ärzte. Klarheit über die Folgen sollte eine Diskussionsveranstaltung am Donnerstagabend bringen, zu der die Wohlfahrtsverbände ins Gemeindehaus eingeladen hatten. Viel mehr Licht ins Dunkel um die Neuerungen hat sie nicht gebracht, aber dafür den zeitweilig überlauten Protest anwesender Ärzte.

veröffentlicht am 29.04.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:05 Uhr

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Thomas Meinecke Redakteur zur Autorenseite

Um Fragen aus dem Auditorium zu beantworten, saßen auf dem Podium Dr. Walter Steuber, Dr. Helmut Warnecke, Dr. Ute Richter und Dr. Axel Brunngraber. Vertreter der Krankenkassen waren nicht erschienen - die Kassen hatten nicht mal auf die Einladung geantwortet. Die Politik wurde vertreten vom heimischen Bundestagsabgeorndeten Sebastian Edathy (SPD). Dr. Ute Richter hatte eingangs eine komprimierte Zusammenfassung dessen gegeben, was ab Montag Gesetz ist - eine komplexe Materie, die für Laien im Details nur schwer zu durchschauen ist. Leichter verständlich ist der Gedanke, der dem Werk des Gesetzgebers zugrunde liegt. Wenn die Kosten im Gesundheitswesen davonlaufen, die Belastungen der Versicherten immer weiter steigen, dann muss jeder sein Scherflein beitragen, die Kostenentwicklung in den Griff zu bekommen. Bei diesem Gesetz geht's allein um die Kosten für Arzneimittel. Gegenüber dem Jahr 2005 möchte der Gesetzgeber 1,3 Milliarden Euro einsparen. Betroffene, die Sparen helfen sollen, sind alle, die mit Medikamenten zu tun haben: Pharmaindustrie, Apotheken, Krankenhäuser, Krankenkassen und Ärzte. Von letzteren verlangt der Gesetzgeber künftig, vor dem Verschreiben von Arznei auf deren Preis zu achten. Übersteigen die Kosten der in einer Praxis verordneten Medikamente pro Quartal einen Durchschnittswert um mehr als zehn Prozent, dann droht der Gesetzgeber mit Regress. Das bringt die - durch Gesetze im Gesundheitssektor der letzten Jahre sicher auch gebeutelte -Ärzteschaft auf die Palme. So sehr, dass die eigentlichen Zuhörer der Veranstaltung kaum ihre Fragen loswerden konnten. Fragen stellten stattdessen im Publikum sitzende Ärzte an den Politiker. Ließen ihn dann nicht ausreden, fuhren immer wieder lauthals dazwischen. Die zahlenmäßige Ärzte-Übermacht auf dem Podium - eigentlich zum Beantworten von Fragen eingeladen - nutzte das Forum, um Statements in eigener Sache abzugeben. Schade: Wieder eine Chance zur Aufklärung vertan.

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