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Kraftwerk: Zusatzfilter für fünf Millionen Euro / Viel Aufwand - wenig Wirkung

"Statt neuer Filter lieber in den Umweltschutz von China investieren"

Rinteln/Veltheim (cok). Nicht zufällig wenige Tage vor dem am 20. Januar geplanten Demonstrationsmarsch der Bürgerinitiative gegen die Müllverbrennung im Gemeinschaftskraftwerk Weser in Veltheim hat jetzt die Kraftwerks-Geschäftsführung zu einem Pressetermin eingeladen, um ihre Sicht auf das neue, problematische Energiegewinnungskonzept darzustellen.

veröffentlicht am 18.01.2007 um 00:00 Uhr

Alles unter Kontrolle: Am Kraftwerkleitstand wird auch die Verbr

Ursprünglich als reines Kohle-Gas-Kraftwerk geplant und geführt, werden in Veltheim seit einigen Jahren auch Tiermehl, Klärschlamm und seit 2006 so genannte "Sekundärbrennstoffe" verbrannt. Der Vorteil liegt unter anderem darin, dass der Einsatz des raren Brennstoffes Kohle reduziert wird. Auch ist die energetische Ausbeute durch die Mitverbrennung des Müll höher, das Kraftwerk kann insgesamt wirtschaftlicher geführt werden. Gegen die zusätzliche Müllverbrennung spricht ein erhöhter Ausstoß von Schadstoffen, die so vorher nicht entstehen konnten. Kohlekraftwerke, vor allem solche älteren Datums wie das in Veltheim, sind von ihrer Konstruktion her nicht auf die hohen Standards moderner Müllverbrennungsanlagen ausgelegt. Ihre Emissionswerte bewegen sich zwar klar im Rahmen der gesetzlich vorgegeben Grenzwerte, schneiden aber deutlich schlechter ab, als zum Beispiel die der MVA Bielefeld. Ein von der Bürgerinitiative geforderten nachträglicher Filter-Einbau kommt für die Kraftwerksbetreiber allerdings nicht in Frage. "Das wäre rausgeschmissenes Geld", bestätigte Geschäftsführer Rolf Baumeister bei dem Pressetermin nochmals ausdrücklich die Grundhaltung des Unternehmens. "Da könnten wir die sagen wir mal fünf Millionen Euro lieber für den Umweltschutz in China einsetzen, das hätte sicher größere Auswirkungen bei uns." Eine Nachrüstung mit Zusatzfiltern sei technisch zwar möglich, das Ergebnis stünde aber in keinem Verhältnis zum Aufwand. Auf den Einwand der Bürgerinitiative, dass zusätzliche Feinstaubbelastung nicht hinzunehmen sei, hieß es weiter, ausschlaggebend sei nicht die Staubemission am Kraftwerk selbst, sondern inwieweit diese zur Gesamtstaubbelastung der Region beitrage. Baumeister: Dieser Beitrag "liegt unter einem Prozent und trägt deshalb nicht relevant zum lokalen Feinstaubbelastungsniveau bei". Baumeister untermauerte diese Aussage durch Messergebnisse, die zeigen sollten, dass an Tagen, wo die Staubbelastung in Rinteln über den Grenzwerten lag, meistens andere, nachvollziehbare Gründe dafür vorlagen, seien es die "Brenntage" gewesen oder aber besonders kalte Tage im Februar 2006, an denen mehr als sonst geheizt worden ist. Wenn also der Einbau von zusätzlichen Filtern nicht angedacht werde, so seien doch für 2007 eine Reihe von aufwändigen Revisionen in den einzelnen Blöcken des Kraftwerkes vorgesehen. Dazu würden Systemveränderungen bei der Verbrennung von getrocknetem Klärschlamm die Belastung durch den anliefernden Lkw-Verkehr verringern. "Mit der Zusatzverbrennung von Müll unterliegen wir strengeren Maßstäben, als wenn wir weiterhin nur Regelbrennstoffe einsetzen würden", ergänzte Geschäftsführer Jörg Röthemeier. Die Gegenargumente der Bürgerinitiative sind auf der Internetseite des Unternehmens dokumentiert in Form von Presseberichten ( www.gk-veltheim.de ). Die Demonstrationsmärsche starten am Sonnabend, 20. Januar, um 11 Uhr in Veltheim (Blumen-Schöttker, Ravensberger Straße) und um 11 Uhr in Möllbergen (Prinsenhof, Möllberger Straße).



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