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Puppenbühne Pinelli beweist: Der "Schwamm" ist auch nichts anderes als ein Kasperle

Statt "Doktor Faust" jetzt "Sponge Bob"

Rinteln (cok). Auch Kasperle-Theatertruppen mit langer Tradition gehen offensichtlich mit der Zeit: Das Puppentheater Pinelli war zu Gast in Rinteln und brachte Sponge Bob mit, den liebenswürdig überdrehten Schwamm aus der Zeichentrickserie "Sponge Bob Schwammkopf" - und man kann sagen: Das bekannte Kasperle hätte es nicht anders machen können.

veröffentlicht am 26.03.2007 um 00:00 Uhr

Eine Figur, die jedes Kind sofort erkennt. Foto: cok

Zwaröffnete sich die hübsche Bühne mit einem Unterwasser-Bühnenbild, darauf zu sehen das Ananas-Haus, in dem Sponge Bob (absurderweise) in der Meeresstadt "Bikini-Bottom" lebt. Es war kein Drache, der entflohen war und gefangen werden musste, sondern ein "Seeungeheuer", und an die Stelle des gewohnten trotteligen Seppels trat "Patrick", der dicke Seestern. Sonst aber verlief alles ganz genau so, wie Kinder es am Kasperletheater lieben, und selbst der Herr "Wachtmeister" kam vor, in Gestalt eines sehr ernsthaften Fisches. "Kinder sind ein so dankbares Publikum", sagt Natalia Maacz, die Leiterin der Puppenbühne, und da hat sie wirklich Recht. Die kleinen drei- bis fünfjährigen Zuschauer ließen sich sofort mit Herz und Seele auf das alte Spiel zwischen Kasperle und Publikum ein, vom ersten "Seid Ihr auch alle da?" bis hin zum beinah schon verzweifelten Versuch, den eifrigen Schwamm auf das doch sooffensichtlich am Rand der Bühne versteckte Seeungeheuer aufmerksam zu machen. Seit vier Generationen zieht die Familie Maacz durch deutsche Landen, ursprünglich mit einem Marionettentheater, das sich auch an so gewaltige Stoffe wie den "Doktor Faustus" heranwagte. Nach und nach spezialisierten sie sich auf die Abenteuer des Kasperle, wie sie auch die große "Hohensteiner Puppenbühne" bringt, und erst vor einem Jahr entschlossen sie sich, mit dem Sponge-Bob-Stück auf Tournee zu gehen. "Sponge Bob kommt gut an", meint Natalia Maacz. "Für die kleinen Kinder ist die Zeichentrickserie nämlich oft noch zu schwer, obwohl sie sie natürlich alle kennen. Bei unserem Stück aber sitzen sie nicht einfach stumm vorm Fernseher, sondern sind mitten unter anderen Kindern, spielen mit und erzählen dann zu Hause noch mal die ganze Geschichte." Drei Puppenspieler-Söhne hat Natalia Maacz, von denen Sohn Henri die Geschichte von Sponge Bob, Patrick und dem bösen Seeungeheuer (das in Wirklichkeit sooooo lieb ist), ganz alleine vorspielte. "Ja, früher, da waren die Saalmieten noch nicht so teuer und das Puppentheater eine viel beliebtere Unterhaltung", so dieChefin. "Wir hatten eine Bühne, für die wir über eine Stunde Zeit allein für den Aufbau brauchten." Diesen Aufwand können sie heute so nicht mehr betreiben.

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