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Auch auf dem Lande wird der Zugang zu jungen Leuten komplizierter

„Stark abgebröckelt“: Kirchen bemühen sich um Nachwuchs

Samtgemeinden. Immer mehr Jugendliche entfernen sich von der Kirche. Nach der Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist bei Menschen unter 30 Jahren Religion nur noch für 16 Prozent ein Thema (wir berichteten). Und ein Fünftel aller 14- bis 19-Jährigen ist demnach „sicher, dass sie in naher Zukunft aus der Kirche austreten“. Die SN haben sich umgehört, wie es sich im ländlichen Bereich mit diesem als Traditionsabbruch bezeichneten Trend verhält.

veröffentlicht am 11.03.2014 um 19:15 Uhr
aktualisiert am 11.03.2014 um 20:35 Uhr

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„Diesen Traditionsabbruch gibt es grundsätzlich auch bei uns“, bestätigt der Sülbecker Pastor Jens Hauschild. Das zeige sich oft nach der Konfirmation. Eine in früheren Zeiten „blühende Jugendarbeit“ in der Kirchengemeinde sei zuletzt „stark abgebröckelt“. Hierbei werde derzeit nach neuen Wegen zu Jugendlichen gesucht.

„Gegen den Trend stellt sich unser System der Konfirmandenarbeit“, erläutert Hauschild. Nach dem sogenannten „Hoyaer Modell“ erhalten Viertklässler von Eltern Vorkonfirmandenunterricht. „In diesem Alter sind Kinder neugieriger und aufgeschlossener, der Unterricht durch Eltern ist sehr authentisch.“ Es werde eine hohe Intensität der Vermittlung religiöser Inhalte erreicht.

Die Meerbecker Pastorin Antje Stoffels-Gröhl sieht „die Kirche in und um Meerbeck sehr verwurzelt“. Wenn Gottesdienste im Kindergarten gefeiert werden, „sind ganz viele junge Eltern da“, berichtet sie. Die sogenannte Jungschar für Kinder bis zum Konfirmationsalter habe eine Warteliste. Und Jugendliche seien in einer Jugendgruppe sowie in der Konfirmanden-Patenarbeit engagiert, die Beteiligung sei wechselhaft. „Man muss heute freilich schon um junge Leute werben, ihnen die Botschaft vermitteln: Es ist wichtig, dass ihr da seid.“

„Für uns kann ich den negativen Trend nicht bestätigen“, sagt der Beckedorfer Pastor Falk Nisch. Für Ostern sei beispielsweise die Taufe von zwei Konfirmanden geplant. Die Jugendfreizeiten der Gemeinde würden gut angenommen, ebenso der Jugendkreis. Bewusst setze die Kirchengemeinde im Kita- und Grundschulalter an. Mit Kinderandachten an Feiertagen sowie mit Tauferinnerungsgottesdiensten werde der Kontakt zu jungen Menschen und deren Eltern gesucht. „Man muss sich heute schon sehr kümmern.“

Von einer Halbierung der Jugendfreizeiten in der Schaumburg-Lippischen Landeskirche im Vergleich zu vor 20 Jahren berichtet Klaus-Dieter Kiefer, Geschäftsführer des Landesjugendpfarramtes mit Sitz in Heuerßen. „Früher haben viele Eltern gesagt: ,Geh’ mal zu einer kirchlichen Freizeit‘, und das wurde dann auch getan.“ Diesen Automatismus gebe es selbst in dieser ländlichen Region derzeit so nicht mehr. Heutige junge Eltern seien „oft schon selbst nicht mehr so stark religiös sozialisiert“, sagt Kiefer.

Kontinuierliche Jugendgruppen gebe es in den Kirchengemeinden spürbar weniger als noch vor Jahren, weiß der Landesjugendwart. Eher zu verzeichnen sei spontanes Engagement, wie die Begleitung einer Konfirmandenfahrt oder ein Fotoprojekt. „Die Jugendlichen werden nicht mehr zur Kirche geschickt, die Kirchengemeinden müssen sich um sie bemühen.“



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