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Justus Frantz begeistert in Bad Nenndorf mit der "Philharmonie der Nationen" - und viel Humor

Stardirigent vermittelt mit Witz und Elan

Bad Nenndorf (han). Sein Name steht für absolute Hingabe zur Musik: Justus Frantz hat als Pianist und Dirigent der "Philharmonie der Nationen" sein Publikum begeistert. Rund 700 Zuhörer kamen in die Bad Nenndorfer Wandelhalle um die Musikalität und das Kommunikationstalent des Stardirigenten live zu erleben.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 11:42 Uhr

Dirigent, Medienprofi und Musikvermittler: Justus Frantz versteh

Zunächst war Werbung in eigener Sache angesagt. Frantz stellte das von ihm und Leonard Bernstein gegründete Orchester vor und listete musikalische Talente auf, die durch seine Förderung Karriere machten. "Werden Sie Mitglied", rief der international erfolgreiche Orchesterchef, "nur so können wir noch mehr Musiker unterstützen!" Frantz vergaß auch nicht zu erwähnen, dass Fördermitgliedschaften steuerlich absetzbar sind. Musik gab es auch. Die brach Frantz aber schon nach wenigen Takten ab. "Entschuldigung, ich habe vergessen, Ihnen zu sagen, was wir spielen." Beethovens 8. Sinfonie stand auf dem Programm. In kurzen, unterhaltsamen Worten umriß der Dirigent die Besonderheiten der Musik und weckte Begeisterung für ein Werk, von dem erst ein paar Noten erklungen waren. Unnötig zu sagen, dass sich der Enthusiasmus des Medienprofis vom ersten Augenblick an auf die Zuschauer übertrug. Und selbstverständlich auch auf die Musik. Frantz schien regelrecht verliebt zu sein in die rhythmische Kraft der "Achten". Straffe Tempi, feurige Spiellust und ein transparenter Orchesterklang ließen die F-Dur-Sinfonie in einem entspannten, geradezu heiteren Licht erstrahlen. Für einen großen Humoristen hält man Beethoven weiß Gott nicht. Dennoch steckt die "Achte" voller musikalischer Scherze à la Joseph Haydn - etwa wenn laut aufbrausende Passagen bestimmte Erwartungen wecken, die urplötzlich von zart-flüsternden Klängen "enttäuscht" werden. Bei den entsprechenden Stellen lächelte Frantz seine Orchestermusiker augenzwinkernd, fast schon verschwörerisch an. Als Dirigent ging Frantz diszipliniert und hoch konzentriert zu Werke. Lieber dick angerührt und dünn aufgetragen als umgekehrt, schien das Motto des Orchesterleiters zu sein. Der Musik bekam es wunderbar. Frantz moderierte durchweg humorvoll und aufschlussreich. Beethovens 1. Klavierkonzert sei auf einem einzigen, simplen Motiv aufgebaut, das zudem "nicht sehr einfallsreich" sei, so der begnadete Musikvermittler. Der Pianist Frantz demonstrierte auf dem Flügel, in welcher Form das Motiv im Konzert auftaucht und erleichterte dem Publikum so das Verständnis des Beethovenwerkes. Das bei der anschließenden Darbietung so manche Klaviernote verwischte, fiel nicht weiter ins Gewicht. In der zweiten Konzerthälfte präsentierten sich Dirigent und Orchester dann endgültig in Hochform. Beethovens "Leonoren-Ouvertüre Nr. 3" überzeugte durch Dramatik, Virtuosität und fast unerträgliche Spannungsbögen. Nicht weniger packend und beherzt kam Jean Sibelius' Sinfonische Dichtung "Finlandia" daher. Als Zugabe gab es das Finale aus Beethovens' 7. Sinfonie. Mit donnerndem Applaus bedankten sich die Zuhörer nicht nur für die Musik, sondern auch für deren kurzweilige Vermittlung.



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