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Zwei neue Hiobsbotschaften für die Innenstadt: "Süßes Kaufhaus" und Modegeschäft "Twisty" schließen

Standort Obernkirchen "nicht zukunftsfähig"?

Obernkirchen (clb). Seit 1960 - fast ein halbes Jahrhundert - ist das "Süße Kaufhaus" in der Friedrich-Ebert-Straße 10 das zweite Zuhause von Anna Becker (Name redaktionell geändert). Täglich hat sie Trüffel, Marzipanschweinchen und Pralinen liebevoll eingetütet, sie als Geschenke verpackt, die Regale bunt verziert und dekoriert, zu Anlässen wie dem Weihnachtsfest auch mal mit goldenen Sternen und Kugeln. Und immer mit ganz viel Liebe.

veröffentlicht am 18.12.2007 um 00:00 Uhr

15 Jahre lang hatte das Modegeschäft "Twisty" seinen festen Stan

In diesem Jahr jedoch zum letzten Mal - denn nach den Weihnachtstagen schließt das "Süße Kaufhaus" in der Obernkirchener Fußgängerzone seine Türen. Für immer. Geschockt war Anna Becker, als sie von dieser Entscheidung gehört hat: "Man hängt so an dem Laden!" Am meisten fehlen werde ihr, da ist sich die Verkäuferin jetzt schon sicher, die herzliche Stammkundschaft und die netten täglichen Gespräche mit den Leuten. Zu dieser Stammkundschaft gehört auch Ilse Quitschke, die dem "Süßen Kaufhaus" schon seit seinen Anfängen in den 1950er Jahren die Treue hält und das Geschäft immer wieder aufsucht, wenn sie auf der Suche nach einem originellen Geschenk ist. "Gerade wenn man etwas Besonderes sucht oder ratlos ist, findet man hier immer was", erzählt Ilse Quitschke, während sie sich in den Regalen Pralinenschachteln anschaut. "Und der Service hier ist so individuell: die nette Beratung, die Sachen, so mit Liebe verpackt." Um künftig das originelle und süße Geschenk zu finden, muss sie dann wohl nach Rinteln oder Stadthagen fahren. Oder den Marktkauf aufsuchen. Denn mit Beginn des neuen Jahres werden die Türen in der Friedrich-Ebert-Straße 10 verschlossen bleiben, die Fenster zugeklebt. Eine Nachnutzung ist bislang nicht im Gespräch. Ein weiteres leerstehendes Geschäft in der Innenstadt also. Für die festangestellte Mitarbeiterin und die beiden Aushilfen beginnt 2008 die Arbeitslosigkeit: Keine der drei Verkäuferinnen wird in den Nachbarfilialen übernommen. Doch das ist nicht die einzige Hiobsbotschaft für die Obernkirchener Innenstadt: Zu Beginn des neuen Jahres wird es in der Neumarktstraße einen weiteren Leerstand geben. Große Plakate kündigen bereits "starke Reduzierung" und "Räumungsverkauf" an: Nach 15 Jahren schließt dort das Modegeschäft "Twisty". Inhaber Holger Bakalorz sieht den Standort in der Bergstadt als "nicht zukunftsfähig". Auch habe die Obernkirchener Fußgängerzone keine Struktur mehr und sei nicht zu vergleichen mit der von Rinteln oder Bückeburg. Seiner Meinung nach wäre es an der Zeit, diese Filiale zukunftsorientiert umzubauen, doch dafür sei die Ladenfläche zu klein. Die anderen Twisty-Filialen hätten eine Größe von etwa 100 bis 300 Quadratmetern - so ein Ladenlokal habe es in Obernkirchen bislang nicht gegeben. Zugleich kritisiert Bakalorz die Verwaltung: "Es gibt so viele Leerstände, aber es findet einfach keine Förderung statt." Als negativ für die Entwicklung der Innenstadt bewerteter auch die Pläne zum neuen Einkaufszentrum und prophezeit: "Wenn das Rösertor kommt, wird die Innenstadt komplett ausbluten!" In dieser Woche startet im "Twisty" der Räumungsverkauf, der etwa drei bis vier Wochen dauern wird. Wie die Geschäftsräume danach genutzt werden, weiß bislang niemand... Auch Joachim Gotthardt, Vorsitzender des Wirtschaftsfördervereins, bewertet die Entwicklung der Innenstadt als negativ, fügt aber hinzu: "Wir sind eingekesselt von Stadthagen, Bückeburg, Minden und Bad Nenndorf. Das ist für eine Stadt wie Obernkirchen mit seinen 10 000 Einwohnern nicht leicht." Auch er sieht einen Zusammenhang zwischen den Geschäftsaufgaben und den "Rösertor"-Plänen, ist aber trotzdem der Meinung, dass sich das geplante Einkaufszentrum längerfristig bewähren wird. Jetzt müsse man überlegen, wie man das Problem mit den Leerständen längerfristig lösen könne. "Wichtig ist vor allem, dass sich alle anstrengen", ruft Gotthardt auf. Gemeinsam mit dem Bürgermeister und allen Geschäftsleuten wolle man sich demnächst zusammensetzen und gemeinsam Ideen zusammentragen. Pläne für die Nachnutzung des Bornemannplatzes sollen gesammelt werden. Auch soll überlegt werden, ob man die Mietpreise senken oder die leerstehenden Geschäfte zu Wohnungen umbauen kann. Gotthardt selbst appelliert zum Schluss noch auch an alle Bürger: "Es ist ganz wichtig, auch die heimischen Geschäften wieder zu nutzen und dort auch einzukaufen!"

Nach dem Weihnachtsgeschäft ist Schluss: Stammkundin Ilse Quitsc
  • Nach dem Weihnachtsgeschäft ist Schluss: Stammkundin Ilse Quitschke (l.) bedauert die Schließung des "Süßen Kaufhauses" sehr.

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