weather-image
10°
Karl Schleef: "Keine Vertrauensbasis mehr" / Pläne für Beirat bringen das Fass zum Überlaufen

Stadtwerke-Geschäftsführer wirft das Handtuch

Bückeburg (wer). Karl Schleef schmeißt die Brocken hin. Nach der Krisensitzung vom Dienstag hat der Stadtwerke-Geschäftsführer gestern um die Entbindung von seinen Aufgaben gebeten. Schleef will nur noch so lange im Amt bleiben, bis ein neuer Geschäftsführer gefunden ist. "Es gibt unterschiedliche Auffassungen zwischen einigen Aufsichtsrats-Mitgliedern und mir, ich sehe nicht mehr die nötige Vertrauensbasis", begründete Schleef seine Entscheidung gestern auf einer Pressekonferenz.

veröffentlicht am 25.05.2007 um 00:00 Uhr

0000450344-gross.jpg

In einem Punkt waren sich Bernd Hellmann als Vorsitzender des Aufsichtsrates, Reiner Brombach als Vorsitzender der Gesellschafterversammlung und Schleef gestern einig: Vor der außerordentlichen Sitzung am Dienstag sei man zuversichtlich gewesen, die Differenzen ausräumen zu können. Das sagt auch der Geschäftsführer: "Ich bin mit guter Hoffnung in die Sitzung gegangen." Wodurch die Hoffnung enttäuscht wurde, ließ er offen. Nach Informationen unserer Zeitung sollen Pläne, einen Beirat zu installieren, der dem Geschäftsführer in wichtigen Fragen außerhalb des laufenden Geschäfts assistiert, das Fass für Schleef zum Überlaufen gebracht haben. Anders ausgedrückt: Die Handlungsfreiheit des Geschäftsführers sollte beschnitten werden. Brombach, der neben Betriebsratschef Dieter Everding zu den Gegenspielern Schleefs in den letzten Aufsichtsrats-Sitzungen gehörte, erklärte gestern, er habe den Rückzug Schleefs aufgrund der Entwicklung der letzten Monate als "nicht unwahrscheinlich vorausgesehen". Es habe "unterschiedliche Auffassungen zwischen dem Geschäftsführer undTeilen des Aufsichtsrates" gegeben, aber am Dienstag sei das Bemühen groß gewesen, "auf eine Linie zu kommen". Er selbst habe die Hoffnung gehabt, eine Lösung zu finden: "Aber dafür müssten beide Seiten aufeinander zugehen", macht Bombach indirekt Schleef für das Scheitern eines Kompromisses verantwortlich. "Offenbar gingen unsere Vorstellungen Herrn Schleef nicht weit genug." Schon seit Monaten kriselt es zwischen dem Geschäftsführer und Aufsichtsrats-Mitgliedern aus Bückeburg, bei zwei wichtigen Personalentscheidungen hatte der Aufsichtsrat Schleef die Zustimmung verweigert (wir berichteten). Zuletzt hatte Brombach eine Abstimmung über die Bestellung von Michael Sokoll zum Prokuristen dadurch verhindert, dass erzusätzlich Ex-Geschäftsführer Helmut Feldkötter für diese Funktion vorgeschlagen hatte. Sokoll war Schleefs Wunschkandidat. Der Geschäftsführer reagierte mit einem Brief an Hellmann, in dem er erklärte, aufgrund der Entscheidungen des Aufsichtsrates seinen Aufgaben als Geschäftsführer nicht voll nachkommen zu können. Am Dienstag hat der Aufsichtsrat über den Brief beraten und zumindest die alten Streitpunkte ausgeräumt. Mehrheitlich wurde beschlossen, dem Vorschlag Schleefs zur Bestellung "seines" Prokuristen auf der nächsten Sitzung zu folgen. Auch über Nebentätigkeiten von Mitarbeitern - konkret die Rolle Feldkötters als Geschäftsführer der "Energieversorgung Bergkrug" - hätte Schleef entscheiden können, hieß es gestern. Hellmann spricht von einem "klaren Vertrauensbeweis gegenüber dem Geschäftsführer", der Aufsichtsrat habe das Arbeitsverhältnis fortsetzen wollen. Die Pläne für einen Beirat indes sprechen eine andere Sprache. Schleef dürfte die Installierung zusätzlicher "Berater" nicht gerade als Vertrauensbeweis aufgefasst haben, eher als kalkulierten Affront. Dem Vernehmen nach sollten die Gesellschafter den Beirat bilden, also vor allem die Bürgermeister,die sich vor der Aufsichtsrats-Sitzung zu einem Abstimmungsgespräch getroffen hatten. Konsultiert werden sollte das Gremium zum Beispiel bei wichtigen Personalentscheidungen. Zum Rücktritt hat sich Schleef nach Kenntnis der Beirats-Pläne entschlossen. Er räumt jedoch ein, schon seit Beginn der Krise im Aufsichtsrat mit dem Gedanken gespielt zu haben. Auch der Dauerkonflikt mit dem Betriebsrat dürfte als Motiv eine Rolle gespielt haben. "Der Schritt ist mir sehr schwer gefallen, ich hänge an diesem Unternehmen, und ich habe das Gefühl, ich hatte die Mannschaft hinter mir", sagt Schleef mit sichtlichem Bedauern. Seine weitere berufliche Zukunft ließ er offen. Die Stadtwerke werden jetzt per Ausschreibung einen neuen Geschäftsführer suchen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt