weather-image
10°
×

Atomlobby, Regionalversorger und blockierte Investitionen

Stadtwerke wegen längerer AKW-Laufzeit elektrisiert

Hameln/Düsseldorf (TT/ dpa). Im Konflikt um die geplante Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke droht den Strom-Riesen e.on, RWE, EnBW und Vattenfall Ärger von den Stadtwerken. 150 von ihnen haben sich zusammengeschlossen, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Die Stadtwerke drohen mit dem Ende von Investitionen in zweistelliger Milliardenhöhe in neue, klimafreundliche Kraftwerke, sollte die Bundesregierung die Atomkraftwerksbetreiber nicht verpflichten, im Falle einer Laufzeitverlängerung alte Kohlekraftwerke stillzulegen.

veröffentlicht am 12.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Mit längeren Laufzeiten würde die Vormachtstellung der vier Kernkraftwerksbetreiber auf Jahre festgeschrieben, zitiert die Zeitung aus einem Gutachten, das Stadtwerke und regionale Energieversorger am Montag veröffentlichen wollen. Stadtwerke erzeugen derzeit zehn Prozent der Energie in Deutschland.

Mit ihrem Vorstoß erschweren die Stadtwerke der schwarz-gelben Koalition die Umsetzung ihrer Zusage, die Laufzeiten der 17 Reaktoren über das Jahr 2022 hinaus zu verlängern. Das Thema sorgt auch in der Koalition für Streit. Während vor allem Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) dafür plädiert, die Laufzeiten nur um wenige Jahre zu verlängern, spricht sich der Wirtschaftsflügel der Union für eine großzügige Regelung aus.

Rückendeckung bekommen die Stadtwerke vom Verband Kommunaler Unternehmen (VKU), in dem 800 Stadtwerke zusammengeschlossen sind: Die Bundesregierung müsse sich darüber im Klaren sein, dass die Laufzeitverlängerung „einen massiven Eingriff in die Marktverhältnisse darstellt“, sagt VKU-Präsident Stephan Weil. Viele Stadtwerke hätten im Vertrauen auf das Auslaufen der Kernkraft Investitionen geplant, die die Energieversorgung dezentraler gestalten und klimafreundlicher machen könnten. „Eine Laufzeitverlängerung nimmt der Umstrukturierung der Energieerzeugung die erforderliche Dynamik“, moniert Weil.

Die Chefin der Stadtwerke Hameln, Susanne Treptow, kritisiert, dass bei einer Verlängerung der Laufzeiten für die Atomkraftwerke „die Marktposition der Großkonzerne gestärkt“ werde. Treptow: „Ein Marktaufbruch findet dann nicht mehr statt.“ Der politische Dreh- und Angelpunkt sei die Atomlobby, die in Berlin sehr aktiv sei. Dabei geht es immer ums Geld: Nach Treptows Informationen fahre zum Beispiel das Atomkraftwerk Grohnde „jeden Tag einen Gewinn von einer Million Euro ein“. Dagegen sei es den Stadtwerken durch die Wirtschaftskrise und die aktuelle Marktsituation nicht möglich, in ursprünglich geplante Milliardenprojekte zu investieren. Treptow: „Durch die Wirtschaftskrise sind die Strompreise gesunken. Es ist einfach zu viel Strom im Markt. Bei dem jetzigen Marktpreis-Niveau wären Investitionen wie eine Wette auf die Zukunft, und das machen wir nicht.“ So haben die Stadtwerke Hameln von einer Investition in ein Kohlekraftwerk bei Krefeld Abstand genommen.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige