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Erneut hitzige Debatte im Aufsichtsrat / Personalberatung eingeschaltet / Interimslösung möglich

Stadtwerke suchen neuen Geschäftsführer

Bückeburg/Stadthagen (wer). Nach vierstündiger und selbst für dieses Gremium ausgesprochen hitziger Debatte hat sich der Aufsichtsrat der Stadtwerke Schaumburg-Lippe auf eine möglichst schnelle Trennung von Geschäftsführer Karl Schleef verständigt. Schleef hatte Ende Mai um Entbindung von seinen Aufgaben gebeten, weil er im Aufsichtsrat keine Vertrauensbasis mehr sah. Eine Findungskommission wird sich nun gemeinsam mit einer externen Personalagentur auf die Suche nach einem Nachfolger machen.

veröffentlicht am 26.06.2007 um 00:00 Uhr

Heftiger Streit entbrannte im (nichtöffentlich tagenden) Aufsichtsrat nach Informationen unserer Zeitung aber weniger über den amtierenden Geschäftsführer, der seine Beweggründe in einem Brief an die Aufsichtsräte noch einmal dargelegt hatte, als über einen Vorstoß des Aufsichtsrats-Vorsitzenden Bernd Hellmann und die Rolle des Betriebsrates sowie der Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat. Offenbar im Alleingang hatte Hellmann vor der Sitzung ein Gespräch mit dem Betriebsrat geführt und die Arbeitnehmer-Vertreter zur konstruktiven Mitarbeit ermahnt. Zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat verlief in der Vergangenheit eine der Hauptkonfliktlinien im Unternehmen. Hellmann erklärte dazu auf Anfrage offiziell: "Es ist wichtig, dass der Aufsichtsrat bei der Suche nach einem neuen Geschäftsführer gemeinsam vorgeht. Es müssen auch Punkte analysiert werden, die in der Vergangenheit zu Problemen geführt haben." Das Vorpreschen des Stadthäger Bürgermeisters stieß im Aufsichtsrat zum Teil auf harsche Kritik. Vor allem Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach attackierte Hellmann, aber auch Betriebsratschef Dieter Everding fasste Hellmanns Vorstoß als Affront auf. Der Betriebsrat will jetzt Gespräche mit allen Gesellschaftern führen. Indem er mehr oder weniger deutlich das Beziehungsgeflecht zwischen Betriebsrat, Bückeburgs Sozialdemokraten und Ex-Geschäftsführer Helmut Feldkötter zum Thema machte, hatte Hellmann offensichtlich einen Bückeburger Nerv getroffen. Teilnehmer der Marathon-Sitzung berichten, dass der Aufsichtsratschef einen zunehmend schweren Stand gehabt habe. Im Ergebnis hat sich der Aufsichtsrat auf eine schnelle Trennung von Schleef geeinigt, möglicherweise soll sogar ein Interimsgeschäftsführer die Zeit bis zur Verpflichtung eines Nachfolgers überbrücken. Nicht durchgesetzt hat sich der Vorschlag von Obernkirchens Bürgermeister Oliver Schäfer, Feldkötter könnte eine solche Interimslösung sein. Eine Arbeitsrechtskanzlei aus Hannover wird die Stadtwerke in den Verhandlungen mit Schleef beraten. Gleichzeitig sollen eine externe Personalberatung und eine interne Findungskommission, in der alle Gesellschafter vertreten sind, einen Nachfolger ausfindig machen. Auf einen Zeitplan wollte sich Hellmann nicht festlegen lassen, nur so viel: "Es zum Jahreswechsel zu schaffen, ist ein ehrgeiziges Ziel." Neu bei den Stadtwerken: Heute soll zum ersten Mal der "Beirat" tagen, in dem die Bürgermeister der Gesellschafter-Kommunen Bückeburg, Stadthagen, Obernkirchen und Eilsen sowie E.on Westfalen Weser-Geschäftsführer Dr. Rainer Brockmann sitzen. Die Bildung des fünfköpfigen Gremiums, für das auch Mitspracherecht bei wichtigen Personalfragen beansprucht wurde, war Anlass für Schleef, seinen Rücktritt anzukündigen.



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