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ZDFüberträgt den Gottesdienst Sonntag live / Jugendliche legen Symoble für Zwangsarbeit am Altar nieder

Stadtkirche: Was eine Million TV-Zuschauer sehen

Bückeburg (tw). Nach dem jüngsten Botschafter- und Wirtschaftsgipfel auf Schloss Bückeburg (wir berichteten) steht die Ex-Residenz am Sonntag, 18. November, erneut deutschlandweit im Blickpunkt der Öffentlichkeit: Diesmal mit einem TV-Gottesdienst, den das ZDF aus Anlass des Volkstrauertages live aus der Stadtkirche überträgt. Der Sender rechnet mit einer Million Zuschauer.

veröffentlicht am 13.11.2007 um 00:00 Uhr

Jugendliche der Evangelischen Jugend Schaumburg-Lippe werden sich in einem ersten Teil mit der Situation der Zwangsarbeiterinnen während des Zweiten Weltkrieges in einem Anspiel und mit Dokumenten auseinander setzen. Der Gottesdienst trägt das Thema "Es ist an der Zeit, Versöhnung zu erfahren und mit Schuld leben zu lernen" und will dazu ermutigen, sich aktiv für Wege des Friedens, gegen Gewalt und Unterdrückung einzusetzen. Die Predigt hält Landesbischof Jürgen Johannesdotter. Weitere Mitwirkende sind Landesjugendpfarrer Lutz Gräber, Jugenddiakon Joachim Büge sowie Julia Holzauer, Ingmar Everding, Maike Engel, Christina Olle, Lena Rickenberg, Lena Neuberg und Lara Behling. Freitag und Samstag laufen die Generalproben für den Auftritt der engagierten Gruppe. Gräber: "Zu Beginn des Gottesdienstes werden wir drei kurze O-Töne von Zeitzeugen einspielen, die Zwangsarbeit(er) in Schaumburg noch persönlich erlebt haben." Zwei dieser Zeitzeugen kommen aus Heeßen, einer aus Steinbergen. Aufgenommen wurden die Berichte - als Videodokumente - im Zuge der "Spurensuche", welche die Evangelische Jugend bereits Anfang 2005 begonnen hatte. Was die Geschichtsforscher dabei heraus gefunden haben, mündete damals in eine viel beachtete und von MdB Sebastian Edathy sogar hochgelobte Ausstellung, die in Luhden und in Bad Eilsen gezeigt wurde. Ingmar Everding zum weiteren Ablauf: "Während des Gottesdienstes werden Jugendliche auf einem Altar, der aus Steinen des Steinbruchs Steinbergen besteht, Symbole niederlegen, die an die Menschen erinnern, die dort in der NS-Zeit Zwangsarbeit leisten mussten: eine Peitsche, ein Steinbrocken, ein Kopftuch und eine Schürze. " Ein - zerrissenes - Foto, dessen beide Teil im Gottesdienst wieder zusammen gefügt werden, soll als Symbol für "Heilung" stehen. Das von den Jugendlichen einstudierte "Anspiel" lehnt sich in seinen drei Teilen an die alttestamentliche Geschichte von Sodom und Gomorra an. Darin werden drei unterschiedliche Reaktionsweisen auf eine Krisensituation beschrieben. Mit Blick auf Fremdenfeindlichkeit bedeutet das: Schaut man weg? Bleibt man starr und wird zur Salzsäule? Oder kann man dies alles nur ertragen in der Anwesenheit Gottes? "Auch der Landesbischof", sagt Gräber, "wird in seiner Predigt (1. Korintherbrief, Kapitel 5, Vers 19-20) auf diese ewig aktuelle Geschichte Bezug nehmen". Die musikalische Gestaltung liegt in den Händen von Siebelt Meier mit der Kantorei, dem Kammerchor und einem Bläserkreis, die Orgel spielt Kai Kupschus. Die Kollekte ist laut Gräber je zur Hälfte für die Deutsche Kriegsgräberfürsorge und für die Angehörigen von Opfern der Zwangsarbeit in Weißrussland bestimmt. Ganz wichtig: Der Gottesdienst beginnt um 9.30 Uhr und endet um 10.15 Uhr. Besucher sollten sich aus aufnahmetschnischen Gründen bis spätestens 9.15 Uhr einfinden. Da die Empore durch das TV-Team und die Technik besetzt ist, stehen - nur - etwa 350 Sitzplätze zur Verfügung.



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