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Bildband „Mein Rinteln“ erschienen / Weser, Schule und Sport in alten Ansichten

Stadtgeschichte(n) auf alten Fotos

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Das gilt heute genauso wie vor 50 oder 100 Jahren. Gerade alte Fotos entführen den Betrachter auf eine Zeitreise in die Geschichte. Besonders spannend wird das natürlich immer dann, wenn die Bilder Bezug zur Heimat, zur eigenen Lebenswelt oder gar zur eigenen Familie haben. In „Mein Rinteln“ werden heimische Leser zahlreiche Anknüpfungspunkte finden, sei es zur Weser, die die Stadt bis heute prägt, sei es zur eigenen Schulzeit, sei es zum sportlichen oder geselligen Leben im Verein.

veröffentlicht am 13.12.2014 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 13:23 Uhr

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Autor

Karsten Klaus Redakteur zur Autorenseite

Doch beim Betrachten unserer alten Fotos sollte man sich nicht vom heimelig-nostalgischen Sepiaton vieler Aufnahmen täuschen lassen, zeigen sie doch nicht immer „Wirklichkeit“. Schnappschüsse im heutigen Sinn waren früher selten. Wenn der Fotograf in die Schule oder in den Sportverein kam, wenn es ins Atelier ging, war dies ein feierlicher Augenblick. Man versuchte Eindruck zu machen, hatte seine beste Kleidung angelegt, blickte in wohl einstudierten Posen mit stolz geschwellter Brust ins Objektiv. Dennoch, oder vielleicht auch gerade deshalb, strahlen ganz alte Aufnahmen eine ungeheure Faszination aus. Sie erzählen Geschichten und Geschichte. Das gilt in ähnlicher Form aber auch für Fotos aus den 1950er Jahren, als die Hobbyfotografie ihren Siegeszug antrat.

Der Verlag C. Bösendahl hat jetzt den Bildband „Mein Rinteln – Fotos erzählen Stadtgeschichte(n)“ herausgebracht. Auf 64 Seiten laden die Kapitel „Meine Weser“, „Meine Schule“ und „Mein Sport“ zu einer nostalgischen Zeitreise ein. Gezeigt werden über 150 Aufnahmen aus der Zeit von 1880 bis 1960. Viele davon sind bisher unveröffentlicht und stammen aus privaten Fotoalben. Außerdem haben Schulen, Gruppen und Vereine ihre Archive für „Mein Rinteln“ geöffnet.

Das Kapitel „Meine Weser“

„Rinteln an der Weser“ – nicht nur im Bewusstsein älterer Rintelner ist der Fluss untrennbar mit ihrer Stadt verbunden. Ob vergilbte Ansichtskarte oder moderne Tourismuswerbung, die Weser gehört immer dazu. Kein Fotoalbum einer alt eingesessenen Familie ohne Bilder von der heutigen Weserbrücke und ihren Vorgängern, von Dampfern, Badefreuden, Eisgang oder Hochwasser. Rinteln ohne Weser – undenkbar. Franz von Dingelstedt setzte dem Fluss 1845 im „Weserlied“ ein romantisches Denkmal. Doch in der Vergangenheit spielte die Weser im Leben der Menschen eine viel profanere Rolle. Sie war Verkehrs- und Handelsweg und sicherte bescheidenen Wohlstand, sorgte mit Hochwasser und Eisgang aber auch für Gefahr und Zerstörung. Erst später wurde der Fluss für Sport und Freizeit entdeckt. Die Bedeutung des Flusses hat sich gewandelt, doch eins ist die Weser geblieben – ein Stück Heimat. Genau dies dokumentieren die Bilder im Kapitel „Meine Weser“.

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Ganz schön sportlich – und ein Meilenstein der Emanzipation in Rinteln: Diese Damen gründeten 1909 ihre eigene Sparte im Männerturnverein. „Mein Rinteln“ (5)

Das Kapitel „Meine Schule“

Bei Klassentreffen und im Familienkreis werden sie noch immer gerne herumgereicht, die Fotoalben aus der Schulzeit. Auch nach Jahrzehnten lässt es sich noch prima plaudern oder lästern über strenge Lehrer, gefürchtete Hausmeister, aalglatte Streber, witzige Klassenkasper oder angehimmelte Sportskanonen. Doch alte Fotos aus der Schulzeit sind viel mehr als persönliche Erinnerungen. Sie spiegeln ein wichtiges Stück Zeit-, Kultur- und Sozialgeschichte wider. Hier die Oberprimaner mit stolzgeschwellter Brust in feinem Zwirn, die Schülermütze keck in die Stirn geschoben. Und dort eher schüchtern in die Kamera blickende Volksschüler in der Joppe oder dem Mantel, die schon der große Bruder tragen musste. Im Dritten Reich dann immer mehr Uniformen auf den Bildern: Schüler in Hitler-Jugend-Kluft und Lehrer in SA-Uniform oder mit Parteiabzeichen am Revers. In den Nachkriegsjahren ändern sich die Motive: Schulspeisung, riesige Klassen, Flüchtlingskinder, Schulneubauten in Stadt und Land – immerhin, es geht wieder bergauf. Fast 100 Jahre Rintelner Schulgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen dokumentieren die Fotos im Kapitel „Meine Schule“.

Das Kapitel „Mein Sport“

Rintelns Sportgeschichte beginnt Anfang des 19. Jahrhunderts. Schon für 1817 ist vor den Toren der Weserstadt ein Turnplatz dokumentiert. Da Sportler jedoch als politisch unzuverlässige Gesellen gelten, unterdrückt die Obrigkeit in den nächsten Jahrzehnten sportliche Aktivitäten immer wieder. Der schon 1848 gegründete Männerturnverein darf erst zehn Jahre später wirklich aktiv werden. Doch von da an folgt Schlag auf Schlag. Die Turner übernehmen gesellschaftliche Verantwortung, gründen eine Turner-Feuerwehr. Neue Sportarten kommen hinzu, neue Vereine schießen wie Pilze aus dem Boden und verschwinden wieder. Wer erinnert sich noch an den Arbeiter-Radfahrerverein Solidarität oder an den Fußballclub Concordia?

In vielen Vereinen bleiben die gesellschaftlichen Schichten unter sich: Arbeiter kicken mit Arbeitern, Handwerker turnen mit Handwerkern, Angestellte kegeln mit Angestellten. Nur die Frauen sind, wie in vielen anderen Bereichen auch, noch außen vor. Erst 1909 bekommen sie im MTV eine eigene Sparte.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg beginnt eine Phase der Konzentration: Mehrere Vereine schließen sich zur Vereinigten Turnerschaft zusammen. Auch in den heutigen Ortsteilen wird fleißig Sport getrieben: Die Turn- und Sportvereine zum Beispiel in Steinbergen oder Krankenhagen sind über 100 Jahre alt.

In einer Zeit, als Fernsehen oder Internet noch Fremdwörter sind, erfüllen die Vereine eine wichtige soziale Funktion. Oftmals bieten sie die einzige Möglichkeit zu (erschwinglicher) gemeinsamer Freizeitgestaltung. Eine entsprechend große Rolle im Vereinsleben spielen deshalb gesellige Veranstaltungen wie Ausflüge oder Feste. Und heute undenkbar: Zu Auswärtsspielen fährt man bis weit nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Fahrrad.

Gerade nach dem Ende des Terrorregimes der Nationalsozialisten geben die Vereine wichtige Impulse: Nur gemeinsam können wir es schaffen, nur gemeinsam ist an einen Neuanfang zu denken – gerade weil Mangel an allen Ecken und Enden herrscht und immer wieder improvisiert werden muss. Der kleine Foto-Streifzug durch die Sportgeschichte im Kapitel „Mein Sport“ stellt eindrucksvoll unter Beweis, welch wichtige Rolle Sportvereine schon immer im Leben der Rintelner gespielt haben.



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