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Fehler im Bebauungsplan: Zwischenraum enger als gedacht

Stadt-Galerie rückt dem Nachbarn dicht auf die Pelle

Hameln (ni). Die Stadt-Galerie ist der Sparkasse Weserbergland ziemlich dicht auf den Pelz gerückt. Jeder, der durch die Zehnthofstraße geht, sieht das. Und wer, wie Manfred Griese, seinen Schreibtisch in der zweiten Etage der Bank stehen hat, ist täglich auf Tuchfühlung mit dem Bauwerk. 2,40 Meter liegen an der engsten Stelle zwischen seinem Bürofenster und dem vorspringenden Dach desParkdecks auf der anderen Seite der Straße - 30 Zentimeter weniger als eigentlich gewollt. "Ein Fehler, der bei uns im Haus passiert ist", räumt Hamelns Pressesprecher Thomas Wahmes ein.

veröffentlicht am 28.05.2008 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 24.05.2013 um 13:58 Uhr

Während der ersten Bauphase der Galerie hatte Griese es schön hell in seinem Büro. Gegenüber war nichts, was den Raum verdunkeln konnte. Dann wuchs das Center in die Höhe, und mit jedem Meter schrumpfte der Ausblick in den Himmel. Und als an der Brüstung des Parkdecks die in den Straßenraum vorspringende Verblendung montiert war, hatte Griese das Gefühl, die an ein Dach erinnernden Elemente von seinem Fenster aus mit der Hand greifen zu können. Ganz so kurz war die Entfernung denn doch nicht. Aber immerhin so kurz, dass die Sparkasse Weserbergland Zweifel hegte, ob der vorgeschriebene Mindestabstand tatsächlich eingehalten war und im Hamelner Rathaus um Überprüfung bat. Ein Ortstermin wurde anberaumt, wichtige Funktionsträger der Verwaltung versammelten sich in der Zehnthofstraße, legten den Kopf in den Nacken, hefteten ihren Blick auf den schmalen Zwischenraum zwischen Bank und Blende - und kamen zu keinem Ergebnis. Das ließ noch einige Monate auf sich warten, bestätigte dann aber das Gefühl, dass Bauplan und Beton gewordene Wirklichkeit tatsächlich nicht übereinstimmten. Wahmes erklärt das so: Als der fertige Entwurf für die Stadt-Galerie auf dem Tisch lag, strickte die Stadt einen dafür maßgeschneiderten Bebauungsplan. Darin festgelegt: die sogenannte Baulinie. In der Zehnthofstraße war deren Verlauf so angelegt, dass im Erdgeschoss 4,40 bis 4,90 Meter Platz sind zwischen der Fassade von Center und Sparkasse Weserbergland. Ebenfalls festgelegt wurden im Bebauungsplan die erlaubten Vorsprünge von maximal 60 Zentimeter für das erste Obergeschoss sowie 1,70 Meter für Dachüberstände. Bei derÜbertragung des Entwurfs in den einen dicken Aktenordner füllenden Bebauungsplan passierte dann das Malheur: Im Entwurf waren die 1,70 Meter Dachvorsprung ab ersten Geschoss gerechnet, das schon 50 Zentimeter weiter in den Straßenraum ragt als das Erdgeschoss. In der Verwaltung ging man jedoch davon aus, dass die 1,70 Meter ab Baulinie im Parterre gemessen waren. Das Missverständnis fiel niemandem auf, und so rückte die Galerie mit dem Parkdeck an der engsten Stelle nicht nur bis auf 2,70, sondern bis auf 2,40 Meter an die Sparkasse Weserbergland heran. "Wenn man bedenkt, wie umfangreich der Bebauungsplan für die Stadt-Galerie ist, können wir uns nur beglückwünschen, dass uns nur dieser kleine und kein gravierenderer Fehler passiert ist", ordnet Wahmes das Missgeschick der Verwaltung unter "Marginalie" ein. Auch der Sparkasse Weserbergland liegt es fern, aus der Mücke einen Elefanten zu machen. "Wir wollten den Sachverhalt nur korrekt festgestellt haben", so Bankdirektor Friedrich-Wilhelm Kaup. Ein wenig irritiert ist er lediglich darüber, dass sich die Stadt mit der Klärung so lange Zeit gelassen hat.

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