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Pfarrgemeinderat Kersting legt 40-seitiges Werk vor / Ein Jesuitenpater im Widerstand gegen die Nazis

"Staatsfeind Nr. 1": Doku würdigt Muckermann

Bückeburg (rc). Die Namensgebung der Passage an der Sparkasse an der oberen Langen Straße in Muckermann-Passage hat zu vielen positiven Rückmeldungen und Berichten geführt. Mehrere internationale Zeitungen berichteten, den Initiatoren gingen zahlreiche Zuschriften zu. Für Johannes Kersting, Pfarrgemeinderatsmitglied der Katholischen Pfarrgemeinde St. Marien, war dies gut vier Monate nach der Feierlichkeit der Anlass, eine Dokumentation über die Zeitungs- und auch Filmberichte zu erstellen.

veröffentlicht am 08.02.2008 um 00:00 Uhr

Johannes Kersting (r.), Bürgermeister Reiner Brombach (M.) und U

Erst im Nachhinein sei ihm bewusst geworden, welche Bedeutung der Name Friedrich Muckermann in Deutschland hat, sagte Kersting während einer Pressekonferenz, auf der er zusammen mit Bürgermeister Reiner Brombach und Sparkassen-Geschäftsstellenleiter Uwe Hahne (die Sparkasse sponsorte die Dokumentation) das 40-seitige Werk vorstellte. "Dass es so lange brauchte, einer Persönlichkeit wie Friedrich Muckermann gerecht zu werden, ist der ,Verdienst' der Nationalsozialisten, die es tatsächlich schafften, den ausgebürgerten ?Staatsfeind Nr. 1' aus den Köpfen der Zeitgenossen zu eliminieren - so dass Friedrich Muckermann nicht nur eine persona non grata während der Zeit der NS-Herrschaft war, sondern dass der katholische Publizist der Weimarer Republik nicht einmal mehr im Bewusstsein der Nachkriegsbevölkerung existierte", zitierte Kersting das Grußwort von Dr. Hubert Gruber, einem ausgewiesenen Muckermann-Experten. Auch ihm sei bei der Lektüre der Schriften Muckermanns deutlich geworden, warum der Jesuitenpater bei den Nazis so verhasst war. Ihm sei es gelungen, die Nazi-Größen mit ihren eigenen Zitaten bloßzustellen - im vollen Bewusstsein dessen, was ihm daraus erwachsen konnte. Erhebliche Repressionen folgten, Muckermann wurde"durch ganz Europa gehetzt". Was Muckermann nicht hinderte, weiter publizistisch tätig zu sein, etwa in "Der deutsche Weg", die wichtigste Zeitung der Exil-Deutschen, herausgegeben in den Niederlanden. Der Niederländer Hans Steinhage war einer der Männer, der Muckermann bei der Herausgabe unterstützte und alte Exemplare der Zeitung in einer Zwischendecke rettete. Der heute 88-jährige Steinhage enthüllte im September 2007 die Gedenktafel an der Muckermann-Passage. Die katholische Gemeinde will laut Kersting weitere sichtbare Zeichen der Erinnerung schaffen. Im Oktober soll mit der Geschichtswerkstatt der Herderschule und den Schaumburger Märchensängern aller vier Bückeburger Widerstandskämpfer gedacht werden: neben den Muckermanns dem Pastor Wilhelm Mensching, Bürgermeister Karl Wiehe und Kurt Freiherr von Plettenberg. Die Dokumentation ist im Pfarrbüro am Oberwallweg erhältlich. Die Erstauflage ist fast vergriffen, für die Zweitauflage verspricht der Bürgermeister finanzielle Unterstützung der Stadt.



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