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Obernkirchen und Bückeburg haben künftig nur eine gemeinsame Pfarrstelle

St. Josef: Weder Gourmet-Tempel noch Urnengrabstätte oder Lagerhalle

Obernkirchen (sig). Im nächsten Sommer besteht die Kirche St. Josef seit hundert Jahren. Das Jubiläum soll in würdiger Form gefeiert werden. Auch der Bischof aus Hildesheim wird dazu erwartet. Das ist sicher ein herausragendes Ereignis für die katholische Gemeinde der Bergstadt. Aber das Jahr 2008 dürfte auch die härteste Zäsur in der heimische Kirchengeschichte seit Jahrzehnten bringen. Es kann sein, dass bald danach das schmucke Pfarrhaus leer bleibt. Es wird nämlich künftig nur noch eine Pfarrstelle in unserer Region geben - entweder in Obernkirchen oder in Bückeburg.

veröffentlicht am 19.11.2007 um 00:00 Uhr

Die Kirche St. Josef steht unter Denkmalschutz. Auch wenn es ein

Natürlich hätte sich das zuständige Bistum eine solche Entscheidung gern erspart. Aber die Finanzen der Kirche lassen einen anderen Weg offensichtlich nicht zu. Außerdem stimmen auch andere Perspektiven nicht gerade hoffnungsfroh. Die Bevölkerungszahl nimmt ständig ab und damit auch die Schar der Steuerzahler. In jedem Fall wirkt sich dieser Schrumpfungsprozess auch auf Zahl der Pfarrstellen aus: Es werden immer weniger. Eine Steuerungskommission, gebildet aus den Pfarrgemeinderäten von Obernkirchen. Helpsen und Rehren A.O., dem von ihnen gebildeten Katholikenrat sowie den gleichen Vertretungen aus der Bückeburger Seelsorgeeinheit, bereitet die weiteren Schritte vor. Diesem Gremium gehören auch die beiden Pfarrer Norbert Mauerhof und Matthias Ziemens aus Bückeburg an.Mauerhof: "Wir beschließen nichts, auch keine Personalien; dafür ist das Generalvikariat zuständig. Aber wir stellen Überlegungen an, wie sich die Kräfte künftig bündeln lassen. Da geht es zum Beispiel um die Aufteilung der Gottesdienste, um die Vorbereitungen für die Kommunion und dergleichen mehr." Einer der Gründe für die schwierige finanzielle Lage ist die Tatsache, dass die Pensionen für die Seelsorger aus dem laufenden Haushalt bezahlt werden müssen. Dass lässt sich auf die Dauer nicht schaffen, wenn man keine Rücklagen bilden kann. Dazu kommt noch der Sanierungsbedarf der kircheneigenen Gebäude - vom Gotteshaus über den Gemeindesaal, das Pfarramt und das Pfarrhaus. Die Alternative kann da nur heißen: Weitere Seelsorgeeinheiten zusammenlegen, Gebäude schließen und verkaufen. Von dieser Entwicklung würde man wohl auch Gotteshäuser nicht ausklammern können. Eine Vielzahl davon steht allerdings unter Denkmalschutz, wie zum Beispiel die Kirche St. Josef in Obernkirchen. "Ich kann mir schwer vorstellen, dass Kirchen in Betriebsgebäude oder Lagerhäuser umgewandelt werden, zum Beispiel für einen Bierverlag", nahm Mauerhof zu dieser Situation Stellung. Eher könnten sie als Stätten der Begegnung im kulturellen Bereich oder für Senioren Verwendung finden, vielleicht auch als Museen.Einfacher ist das schon mit den Pfarrhäusern, die sich zum "privaten" Wohnraum umfunktionieren lassen. Im Bistum Essen wird eine Kirche bereits als Urnengrabstätte verwendet. In den Niederlanden hat man aus nicht mehr genutzten Gotteshäusern sogar Gourmet-Tempel gemacht. Freude lösen solche Beispiele bei den Gläubigen in der davon betroffenen Region natürlich nicht aus. Vor allem in den Dörfern stellen die Kirchen in der Regel den Mittelpunkt des Ortes dar. Sie sind angesichts der geschrumpften Infrastruktur oft sogar die einzige Stelle, an der sich Menschen zusammenfinden. Schwer vorstellbar, dass auch das noch (nach den bereits verschwundenen Geschäften, Bank- und Postfilialen)aufgegeben werden muss. Wie lässt sich dann überhaupt noch eine Dorfgemeinschaft aufrecht erhalten? Da steht die Deutsche Bischofskonferenz vor Riesenproblemen. Ob die Pfarrstelle in Obernkirchen oder in Bückeburg aufgelöst wird - das ist angesichts dieser Entwicklung noch die kleinere Frage, die allerdings zurzeit auch noch nicht beantwortet ist. Katholische Gottesdienste wird es zumindest weiterhin in beiden Städten geben. Darin ist sich Pfarrer Mauerhof sicher. Ungewiss ist jedoch, wer von denbeiden Seelsorgern weichen muss und versetzt wird. "Vielleicht trifft das ja uns beide, und es kommt ein Neuer hierher", schließt Mauerhof nicht aus. Er leitet zurzeit die Steuerungskommission, die sich bemüht, alle anstehenden Entscheidungen so gut wie möglich abzufedern. Mehr ist nicht drin.

Bleibt er in Obernkirchen? Pfarrer Norbert Mauerhof.
  • Bleibt er in Obernkirchen? Pfarrer Norbert Mauerhof.


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