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Wie die Koreaner nach Europa drängen

SSangYong in Actyon: Neues SUV als Pickup

veröffentlicht am 24.11.2012 um 00:00 Uhr

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SsangYong ist wieder da. Der viertgrößte Autobauer Koreas musste seinen ersten Versuch, in Deutschland Fuß zu fassen, durch die Insolvenz seines Vertriebspartners 2009 abbrechen. Jetzt feiert das sich seit 2011 mehrheitlich im Besitz von Mahindra & Mahindra (Indien) befindende Unternehmen aber ein Comeback, das sich sehen und fahren lassen kann. Und vor allem: Das den preisgünstigen Kauf gut ausgestatteter Fahrzeuge Tür und Tor öffnet.

Schon wieder Korea, mögen die in Europa etablierten Hersteller stöhnen. Nach den immer erfolgreicheren Herstellern Kia und Hyundai nun also SsangYong. Eines scheint dem Noch-Exoten bereits gelungen: Mit dem Actyon Sports hat er das Image von Pickups kräftig aufpoliert – weg vom Arbeitstier hin zum komfortablen SUV.

Denn die Neuauflage des knapp fünf Meter langen und zwei Tonnen schweren Gefährts vereint die Vorzüge einer offenen zwei Quadratmeter großen Ladefläche mit der Robustheit eines Offroaders und dem Komfort eines Pkw. Angeboten wird er in drei Ausstattungen ab rund 20 000 bis fast 28 500 Euro mit Heck- oder mit elektrisch zuschaltbarem Allradantrieb.

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So mächtig und imposant er daherkommt, so überraschend wirkt sein Leistungsspektrum. Mit dem neu entwickelten, 155 PS starken 2,0 Liter-Common-Rail-Vierzylinder schafft er eine Höchstgeschwindigkeit von 172 km/h und schluckt dabei nur 7,4 Liter im Schnitt. Um diesen recht geringen Verbrauch zu erreichen, ist der Allradantrieb nicht permanent. Stattdessen werden auf trockener Fahrbahn nur die Hinterräder angetrieben, und um bei problematischen Straßenverhältnissen oder im Gelände die Sicherheit und Gängigkeit zu erhöhen, kann der Antrieb auf die Vorderräder zugeschaltet werden. Für das komfortable Fahrverhalten sorgen zudem die Einzelradaufhängung vorn und die fünffach gelagerte Hinterachse.

Nicht nur der Motor und das Fahrwerk überzeugen. Der Actyon Sports bietet seinen maximal fünf Insassen ein Interieur, das jedem Pkw gut zu Gesicht stehen würde: Die übersichtliche Anordnung der Instrumente, die saubere Verarbeitung mit gutwertigen Materialien, die zahlreichen Ablage- und Staufächer und vor allem die großzügige Bein- und Kopffreiheit sorgen für viele Pluspunkte. Dazu bietet die um bis zu 29 Grad verstellbare Neigung der Rückenlehne der hinteren Sitzbank den Fondinsassen einen deutlich höheren Sitzkomfort als in den meisten anderen Pickups. Lenkrad und Fahrersitz können in der Höhe verstellt werden. Schade nur, dass in keiner der Ausstattungsvarianten ein Navigationssystem mit an Bord ist. Ansonsten aber verfügt bereits die Basisversion Crystal des neuen Actyon Sports mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung EBD, Tagfahrlicht, Klimaanlage, Nebelscheinwerfer, höhenverstellbaren Lenkrad, elektrischen Fensterheber vorn und hinten, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung und Isofix-Kindersitzbefestigungen über eine reichhaltige Ausstattung.

So attraktiv und interessant dieser Pickup auch ist, SsangYong dürfte hierzulande vor allem mit seinen Crossovern Freunde finden. Dazu zählt der Korando, der 2011 seine Premiere feierte und nun nach einem Facelifting und mit neu entwickelten Motoren zu den inzwischen rund 100 Händlern in Deutschland rollt. Wie im Actyon Sports verrichtet auch hier der Zweiliter-Turbodiesel mit 175 PS beste Dienste. Eine kleinere Selbstzündervariante mit 149 PS Leistung dürfte wenig Interesse finden – für ein Fahrzeug dieser Größe ein zu schwaches Triebwerk und vermutlich nur ins Programm genommen, um den Basispreis unter 20 000 Euro zu drücken. Obwohl auch nur 149 PS stark, ist der neue Zweiliter-Vierzylinder-Benziner empfehlenswerter, weil agiler und durchzugsstärker. Mit ihm unter der Haube ist sportliches Vorankommen (Höchstgeschwindigkeit 163 km/h) zwar auch nicht möglich, aber das muss von einem SUV ja auch nicht erwartet werden. Verbesserungsfähig ist bei ihm der Verbrauch: Mit knapp sieben Litern gibt er sich nicht gerade vorbildlich. Ansonsten aber bietet der Korando viel Auto für seinen Preis. Die große Spurweite von 2,65 Metern ermöglicht komfortable Platzverhältnisse auf allen Plätzen. Die Rücksitze lassen sich im Verhältnis 60:40 in den verschiedensten Konfigurationen um- und abklappen. Dadurch kann das Kofferraumvolumen von 486 auf bis zu 1312 Liter bei dachhoher Beladung erweitert werden. So verdient sich der Koreaner mit der Gestaltung des Innenraums – inklusive Verarbeitung und Materialien – mit seinem Platzangebot und den Zulademöglichkeiten gute Noten. Durch seine Grundstruktur mit einer selbsttragenden Karosserie bietet er vor allem ein hohes Maß an Fahrkomfort. Die Multilenkerachse hinten und die McPherson-Federbeine vorne bilden die Basis für ein mit dem einer Limousine vergleichbaren Niveau an Fahrdynamik und Laufkultur. Umso mehr, wenn man eine Variante mit Allradantrieb (ab 23 990 Euro) wählt.

Wem der Korando zu wenig SUV und Komfort bietet, hat eine Alternative. Der Rexton, der mit seiner Frontpartie an die Mercedes-M-Klasse und die Zeiten, da SsangYong Motoren aus Stuttgart bekam, erinnert, ist ein 4,40 Meter langer Premium-Offroader mit permanentem Allradantrieb und einer Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen. Auch hier geben sich die Koreaner kämpferisch: Den Rexton gibt es ab 34 000 Euro.

Der Actyon Sports ist mehr ein Freizeitfahrzeug als ein Fortbewegungsmittel und Lastenesel für Handwerker, Bauarbeiter und Co. So ist es auch zu erklären, dass die Kabine für Passagiere größer als die Ladefläche ist.

Foto: we./hek.

Der Rexton (Foto links) ist in der SsangYong-Modellfamilie das älteste Modell – gefolgt vom Korando (rechts). Eine Limousine oder ein Kleinwagen sind nicht geplant.



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