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MX-5 - nichts für Rückenpatienten

Sportskanone

Da ist also dieser elektronische Türöffner, quasi Standard bei allen Autoherstellern. Mazda macht das auch. Wenn nun aber die Batterie in so einem Schlüssel schlappmacht, was durchaus ja vorkommen kann, muss der Notschlüssel gezückt werden, und wem das Glück hold ist, der wird den Motor irgendwie starten können. Huch, ein Schlüssel in ein Schloss stecken! Wie geht das noch mal?

veröffentlicht am 13.08.2018 um 11:10 Uhr

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Autor:

Jens F. Meyer
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Das mit dem Starten hatte dann in dunkler Nacht auf der Schlossstraße in Hehlen leider nicht mehr funktioniert. So wurde aus Saus und Braus unter sternenklarem Firmament mit dem angriffslustigen MX-5 als Softtop-Variante zwischenzeitlich eine Stand-Comedy, weil das Kofferräumchen kein Schloss für den Notschlüssel hat, hinten aber alles Wichtige sicher verstaut liegt. Hier ein Auszug aus Kapitel 7 Bindestrich 22 des Bordbegleitbuchs, das selbst den herbeigerufenen ADAC amüsierte: „Falls sich der Kofferraumdeckel nicht öffnen lässt: Schließen Sie das Verdeck. Entfernen Sie den Windabweiser. Entfernen Sie die Klammern auf der rechten Fahrzeugseite. Schlagen Sie die Abdeckung (…) teilweise zurück. Lösen Sie die Kopfschrauben (…). Ziehen Sie die Kappe heraus (…).“ Palaver, palaver. Was nicht drin steht, ist der Hinweis, dass man noch einen Kreuzschlitzschraubenzieher benötigt. Hätte man einen, läge er vermutlich im Kofferraum… Also ehrlich, bei allem Respekt gegenüber den Ingenieursleistungen, aber wie wäre es mal mit einem schlichten, idiotensicheren Seilzug, um die Klappe da hinten ganz uncool mechanisch zu öffnen?

Egal, Kofferräume werden ohnehin überbewertet, wer braucht beim MX-5 schon einen Kofferraum, da passt sowieso nicht viel rein, ein paar T-shirts, Unterbuxen, Kekse und, na gut, ein Schraubenzieher. 130 Liter Volumen für Kleinstansprüche. Andererseits wäre dieser wilde Hengst ja auch kein Roadster, wenn hinten noch das dicke Ende kommen würde. Mit Zwei-Liter-Maschine und 160 Zossen im alulegierten Motorblock greift er sich im Gokart-Feeling auf der Landesstraße 426 zwischen Grießem und Bad Pyrmont scheinbar so tief in den Asphalt, dass er Schmauchspuren hinterlässt. Gegen diesen wie auf Schienen fahrenden Sturmhobel ist der Mini Cooper ein laues Lüftchen. Eine vibrierende Performance, alles auf Angriff, was auch schon die mutig geschnittene Karosserielinie verrät. Schon ohne dass der Motor grimmig aus dem Doppel-endrohr murrt, wird klar: Hier steht einer, der auf Tiefflug getrimmt wurde. In der ziemlich hart ausgelegten Sports-Line-Edition allerdings auch nichts für Bandscheibenpatienten. Patong, patong – jedes Schlagloch, jeder Asphaltkratzer spürbar. Und es gibt eine Menge Wunden auf Hameln-Pyrmonts grauen Bändern.

Der MX-5 bleibt trotzdem Kultobjekt, diesen Nimbus wird er in hundert Jahren nicht los als einer der meistverkauften und beliebtesten Roadster, weil er als Einstiegsvariante Prime-Line ziemlich günstige 23 000 Euro kostet, als Sports-Line-Basis gerade mal 28 000 Euro. Also (auch) fürs Volk ein Road-Star, irgendwie, nicht nur für die Porschereichen, früher noch mit lieblichen Klappäuglein, heute mit fuchtiger Miene. Auf 214 km/h schnellt die 160-PS-Variante, in saftigen 7,3 Sekunden ist der MX-5 auf 100, und dank Bremsenergierückgewinnung und Skyactiv-Technik bleibt er ungeachtet seines forschen Gemüts mit (fast sogar realistischen!) 6,6 Litern Kraftstoffverbrauch pro 100 Kilometern bescheiden. Für sportlich ambitionierte Fahrer eine spritzige Flunder. Wie man sich in die Sportskanone hineinfaltet und wie man daraus halbwegs würdevoll auch wieder entsteigt, ist sicher Übungssache.

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Aber mit Kreuzschlitzschraubenzieher sieht’s immer uncool aus.



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