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Vor allem im Herbst kommen viele Achtbeiner in Wohnungen

Spinnen: Nützliche Angstmacher

Sie haben acht Beine und die meisten von ihnen auch acht Augen. Sie bauen Netze, warten auf Beute und seilen sich manchmal auch von der Decke herab. Wer eine Spinne in den eigenen vier Wänden entdeckt, will diese meist gleich wieder loswerden. Dabei sind die Achtbeiner durchaus nützlich. In unserer großen Dewezet-Serie „Einfach tierisch“ geht es heute um die Große Winkelspinne.

veröffentlicht am 07.05.2018 um 17:24 Uhr
aktualisiert am 07.05.2018 um 18:21 Uhr

Die Große Winkelspinne war Spinne des Jahres 2008. Foto: dpa.
Nicole Trodler

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Nicole Trodler Onlineredakteurin zur Autorenseite
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HAMELN-PYRMONT. Um die 40 000 Spinnenarten gibt es auf der ganzen Welt und noch immer werden regelmäßig neue Arten entdeckt. Über 1000 Arten sind in Mitteleuropa heimisch. Während die meisten Spinnen im Freien anzutreffen sind, gibt es auch einige Arten, die sich lieber drinnen aufhalten. Wenn man in den eigenen vier Wänden einer Spinne begegnet, ist es sehr wahrscheinlich, dass es sich dabei um eine Winkelspinne handelt. Mindestens zehn Winkelspinnen sind nach Angaben des NABU in Deutschland heimisch, vier davon leben hauptsächlich in Häusern: die Große Winkelspinne (Tegenaria atrica), die Hauswinkelspinne (Tegenaria domestica), die Rostrote Winkelspinne (Tegenaria ferruginea) und die Mauerwinkelspinne (Tegenaria parietina). Die vorletzte ist aber eher selten und letztere vorwiegend in Südeuropa zu finden. Die Große Winkelspinne oder die (etwas kleinere) Hauswinkelspinne sind am ehesten anzutreffen.

Die Große Winkelspinne ist dunkelbraun und dicht behaart. Der eigentliche Körper macht nur einen sehr kleinen Teil der gesamten Winkelspinne aus, im Grunde besteht das Tier hauptsächlich aus Beinen. Möglicherweise einer der Gründe, warum manche Menschen die Spinne mit großer Skepsis betrachten oder sogar eine Heidenangst vor ihr haben. Immerhin stellt sich immer die Frage, in welche Richtung sich das flinke Tier wohl als nächstes bewegen wird.

Ihr Netz baut die Große Winkelspinne trichterförmig. Im mittig oder seitlich angelegten Trichter wartet sie darauf, dass sich ihre Beute in den Fäden verfängt. Sobald eine Vibration einen erfolgreichen Fang verkündet, verlässt die Winkelspinne ihren Trichter und versetzt dem Opfer einen Biss. Menschen brauchen sich jedoch vor dem Biss nicht zu fürchten, das Gift ist für sie vollkommen harmlos, obgleich das Zubeißen durchaus zu spüren sein kann und auch eine kleine Schwellung entstehen kann. Dass die Große Winkelspinne einen Menschen beißt, ist nach Angaben von Spinnenforschern aber unwahrscheinlich. Die meisten Spinnen kennen nur einen Reflex, wenn sich ein Zweibeiner annähert: Flucht. Als Mitbewohner ist die Spinne – hat man sich erst einmal an ihr Aussehen gewöhnt – sogar nützlich. Sie vertilgt Fliegen, Asseln, Mücken und Käfer, sorgt also für einen insektenfreien Haushalt.

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Im Herbst beginnt die Zeit, in der besonders viele Spinnen die Häuser erobern. Sinkende Temperaturen und steigende Luftfeuchtigkeit sorgen dafür, dass sie sich einen sicheren Unterschlupf suchen. Wer nun absolut keinen Wert auf Spinnen als Untermieter legt, hat mehrere Möglichkeiten. Ein erster Schritt ist es, ihnen den Zugang so schwer wie möglich zu machen, also beispielsweise Fliegengitter an Fenstern und Balkontüren anzubringen. Abschreckend wirkt auch der Duft von Lavendel, damit hält man nicht nur Spinnen, sondern auch andere Insekten fern. Man kann Pflanzen an den Fenstern aufstellen oder Duftkerzen verwenden. Hilfreich ist es auch, regelmäßig in dunklen Ecken und hinter den Möbeln zu putzen. Spinnen haben gerne ihre Ruhe und wenn sie ständig gestört werden, suchen sie sich einen anderen Platz. Eine natürliche Art, um die Hauswinkelspinne los zu werden, ist es, sich eine Zitterspinne ins Haus zu holen. Diese Spinnenart kann sogar die Große Winkelspinne außer Gefecht setzen, indem sie sie mit Fäden beschießt und sie dadurch einspinnt.

Wer eine Spinne entdeckt, sollte sie nicht töten, sondern sie einfangen und nach draußen bringen, appelliert der NABU regelmäßig. Vom Aufsaugen und Ertränken ist nicht nur wegen der Grausamkeit dieser Maßnahmen abzuraten. Die Tiere können auch wieder aus dem Staubsauger herauskriechen und einige Zeit unter Wasser überleben. Am einfachsten klappt das Einfangen mit einem Glas und einem Stück Papier oder Pappe. Das Glas über die Spinne stülpen und mit der Pappe die Öffnung verschließen. Aber Vorsicht: Die Spinne nicht einfach aus dem Fenster kippen, sondern besser nach draußen, etwa 100 Meter vom Haus entfernt absetzen. Sonst kann es passieren, dass das Tier wieder zurückgekrabbelt kommt.

Für ganz Ängstliche, die sich nicht einmal mit einem Glas bewaffnet an Spinnen herantrauen, gibt es Insektengreifer. Diese Geräte ermöglichen durch einen langen Griff einen Sicherheitsabstand. Die Spinne wird dann durch eine Schnappvorrichtung in einem vorne angebrachten Behältnis eingefangen.

Zum Schluss sei noch eine ganz besonders drängende Frage geklärt: Kann es wirklich passieren, dass wir im Schlaf Spinnen verschlucken? Eine Antwort lieferte bereits vor ein paar Jahren die ZEIT in ihrer Reihe „Stimmt’s?“: Demnach sei diese Annahme zwar schwer zu widerlegen, jedoch eher unwahrscheinlich. Menschen seien für Spinnen keine interessante Beute, heißt es unter Berufung auf Spinnenexperten. Zudem würde ein Schlafender es vermutlich bemerken, wenn ihm etwas über das Gesicht krabbelt. Die Spinne müsste sich direkt über dem offenen Mund des Menschen von der Decke abseilen, also im Grunde auf Selbstmord-Mission sein. Und auch wenn die Spinne in den Mund gelange, sei der natürliche Reflex Ausspucken und nicht schlucken. Will die Spinne ihren angeblichen Plan also wirklich umsetzen, müsste sie direkt in den Rachen des Schlafenden gelangen. Ein wirklich sehr unrealistisches Szenario. Man kann also auch mit achtbeinigen Mitbewohnern weiterhin beruhigt schlafen gehen.

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