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Vor Gericht: 50-Jährigem droht Sicherungsverwahrung / Festnahme nach versuchter Erpressung

Spielsucht: Nach der Haft Einbrüche in Serie

Bückeburg (ly). Für eine Serie von sechs Einbrüchen in Bückeburg muss sich zurzeit ein Obernkirchener (50) vor dem Schöffengericht verantworten. Sein Motiv: Spielsucht. In Untersuchungshaft sitzt der Angeklagte seit Mitte Juli. Damals war eine Erpressung fehlgeschlagen, die Gegenstand einer zweiten Anklageschrift ist.

veröffentlicht am 22.09.2006 um 00:00 Uhr

Der 50-Jährige hatte von einem Bückeburger Geschäftsmann 3000 Euro Schweigegeld verlangt. Andernfalls wollte er bekannt machen, dass das Erpressungsopfer vor 35 Jahren einer Oma die Handtasche geklaut haben soll. Es folgten diverse Anrufe. Nur zum Schein ging der Geschäftsmann auf die Drohung ein. Das Geld sollte bei einer Bushaltestelle an der Petzer Straße hinterlegt werden. Tatsächlich befanden sich in dem Briefumschlag jedoch bloß Papierschnipsel. Dafür war längst die Polizei informiert. Die Falle schnappte zu, der Möchtegern-Erpresser wurde festgenommen. Später stellte sich heraus, dass außerdem ein halbes Dutzend Einbrüche auf das Konto des wiederholt einschlägig vorbestraften Mannes gehen sollen. Beim Prozessauftakt hat der Angeklagte die Taten gestanden. "Alles hängt mit meiner Spielsucht zusammen", hatte der 50-Jährige dem Richter Dr. Dirk von Behren im Vorfeld des Prozesses aus der Untersuchungshaft geschrieben. Bereits seit mehr als 20 Jahren, so heißt es weiter, sei er "von dem Verruchten, Geheimnisvollen fasziniert". Monatslöhne verspielte der Zocker schon zu Beginn der Sucht innerhalb weniger Tage. Chronischer Geldmangel war die Folge, der erste Einbruch nur eine Frage der Zeit. Im Vorstrafenregister des Angeklagten stehen zwischenzeitlich 15 Eintragungen, darunter in einem Fall eine Reihe von 16 Einbrüchen in Bückeburg, Obernkirchen und Nienstädt (wir berichteten). Nur wenige Monate vor der Serie, um die es im laufenden Prozess geht, war der Obernkirchener aus dem Gefängnis entlassen worden. Zwischen Dezember vergangenen Jahres und Mai 2005 häuften sich dann wieder einmal die Einbrüche. Es traf zwei Geschäfte, einen Bestatter, das Landeskirchenamt, einen Kindergarten sowie eine Kirchengemeinde. Die Beute: in Bargeld zusammen etwas mehr als 500 Euro. "Sie sind verdammt knapp an einer Sicherungsverwahrung dran", machte Richter von Behren dem Wiederholungstäter klar, dass es so nicht weitergehen darf. Spielsucht gilt als krankhaft. Fachleute sprechen vom "pathologischen Spielen". Allein in Deutschland soll es rund 200 000 Betroffene geben. Im Strafverfahren kann sich eine solche Abhängigkeit auf die Schuldfähigkeit auswirken. Das Schöffengericht hat nun zunächst einen Gutachter bestellt. Später könnte das Verfahren ans Landgericht abgegeben werden. Nur die 1. Große Strafkammer darf die Unterbringung eines Spielsüchtigen in einem psychiatrischen Landeskrankenhaus anordnen. Darauf scheint es hier hinauszulaufen.

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