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Paragraphen-Reiterei auf dem Rücken der Nammer Kinder / Jetzt Kompromiss

Spielplatz? Oder doch Bolzplatz? Provinzposse um zwei Fußballtore

Nammen (ly). Eine Provinzposse bewegt Nammen. Es geht um zwei Fußballtore (zusammen 2000 Euro teuer), die der örtliche Heimatverein der Grundschule vor knapp einem Jahr zur Verfügung gestellt hat. Alle Kinder aus Nammen und Umgebung sollten daran Freude haben. Doch nach Beschwerden eines Anwohners über Lärm sind die Tore meistens angekettet oder versperrt - zumindest nachmittags, wenn der Schulhof zum öffentlichen Spielplatz wird.

veröffentlicht am 25.10.2006 um 00:00 Uhr

Traurig: Mehr als Torwandschießen bleibt den Kindern nachmittags

Jetzt zeichnet sich ein Kompromiss ab. "Ein Tor werden wir als Spielgerät aufstellen und fest verankern, jedoch nicht beide", kündigt Kai Abruszat an, Erster Beigeordneter in der Portaner Stadtverwaltung. Tor Nummer zwei "kann die Schule bei Bedarf mobil aufstellen". Sonst, so befürchtet Abruszat, könne aus dem Schulhof, der als öffentlicher Spielplatz außerhalbdes Schulbetriebs gewidmet ist, auch im Sinne der Definition ein Bolzplatz werden. Ein Bolzplatz jedoch wäre an der Stelle nicht zulässig. Vor der Entscheidung war es im Rathaus zu einem Gespräch mit einer Delegation des Heimatvereins gekommen. "Mit dem Kompromiss können wir leben", sagt Schriftführer Hans-Dieter Prehn. "Wir möchten die Stadt nicht der Gefahr aussetzen, dass durch das Aufstellen zweier Tore ein Bolzplatz entsteht." Zu ähnlichen Fällen gebe es Gerichtsurteile, so Prehn. Kritiker sehen indes Paragraphen-Reiterei auf dem Rücken von Kindern. Kai Abruszat hatte den Fall noch vor einigen Wochen rechtlich etwas anders beurteilt, die Tore als Spielgeräte wie Wippen oder Schaukeln eingestuft und im Bemühen um die Interessen des kickenden Nammer Nachwuchses erklärt: "Aus meiner Sicht wird der Spielplatz durch zwei kleine Tore nicht zum Bolzplatz." Vielleicht war dies ein bisschen voreilig. Nach Darstellung des Heimatvereins hatte sich ein Anwohnerüber nachmittäglichen Lärm beschwert. Hinzu kam, dass den Geräuschpegel Jugendliche verursacht haben sollen, die dort in der Tat nichts zu suchen haben. Jedenfalls wurden die Tore daraufhin außerhalb der Schulzeiten weggeschlossen. Diese rigorose Maßnahme, verhängt im Frühjahr und durchgeführt vom Hausmeister, traf jedoch auch die Falschen, nämlich Kinder. Jungen und Mädchen, die nicht älter als zwölf Jahre sind, dürfen den Spielplatz nach Schulschluss bis 19 Uhr nutzen. Für Jugendliche ab 13 ist die Anlage dagegen grundsätzlich tabu, woran ein Schild erinnert. Schulleiterin Irmtraud Kruel und auch der Hausmeister, der übrigens gleich nebenan wohnt, möchten keine öffentliche Stellungnahme abgeben. Zuletzt stand morgens nach Angaben von Beobachtern eines der Fußballtore auf der Grünanlage. Nachmittags war dann allerdings ein Torwand-Tor davor geschoben. Damit bloß niemand drauf schießen konnte ...

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