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Vereine sparen an der Jugendarbeit

"Spieler-Import" per Fahrgemeinschaften

Tischtennis (la). Wie der TSV Hagenburg in der Regionalliga nehmen die "Multi-Kulti-Truppen" im Tischtennissport weiter zu. Ob bei den Damen oder den Herren je höher die Spielklasse, desto unaussprechlicher die Namen der Spieler und um so weiter die Anreise zu den Punktspielen des "eigenen" Vereins.

veröffentlicht am 26.08.2006 um 00:00 Uhr

So müssen die "Neu-Hagenburger" Arturas Orlovas und Kestutis Zeimys von Vilnius in Litauen 1600 Kilometer bis zum Punktspiel in Hagenburg fahren und der Tscheche Pavel Wawrosz wohnt 800 Kilometer von seinem neuen "Arbeitsplatz" entfernt. Inzwischen hat der "Import" von Tischtennisspielern, vor allem aus Tschechien, Litauen, Rumänien und Bulgarien System. Fahrgemeinschaften werden gebildet und am Freitag geht es im Konvoi nach Deutschland. Dort verteilen sich die Spielerinnen und Spieler auf die verschiedenen Einsatzorte, erledigen ihre "Arbeit" und treffen sich am Sonntag an einem zentralen Ort wieder, um die lange Rückreise in die Heimat anzutreten. Jugendarbeit, vor allem im Leistungsbereich, wird so in Deutschland nicht einfacher. Welcher 12- oder 13-Jährige will sich denn noch quälen, täglich trainieren, auf vieles verzichten, wenn schließlich im unteren Paarkreuz der Regionalliga Endstation ist, weil die Spitzenspieler aus dem Ausland importiert werden und so das Leistungsniveau in den oberen Spielklassen künstlich gepuscht wird? Natürlich, es gibt immer Ausnahmen. So schaffte es Ruwen Filus aus Niedernwöhren im Jugendbereich in die europäische Spitze, aber kann er sich in Zukunft auch im Herrenbereich gegen die zahlreichen Spitzenspieler aus dem Ausland behaupten? Wäre ein etwas niedrigeres Niveau in der Bundesliga nicht doch zu verkraften, wenn dafür dann "Eigengewächse" aus den verschiedenen Vereinen zum Einsatz kämen? Viele Fragen, die sich die Vereine und der Deutsche Tischtennis Bund stellen müssen. Außerdem könnten die Vereine ohne die "Unterstützung" aus dem Ausland eine Menge Geld sparen und in die Jugendarbeit investieren. Und wer weiß, vielleicht würde sich das bezahlt machen. Vielleicht könnte dann auch ein Verein wie der TSV Hagenburg, der sechs Herren- und eine Damenmannschaft für den Punktspielbetrieb gemeldet hat, mit der ersten Herrenmannschaft in der Regionalliga und mit der zweiten Herrenmannschaft in der Verbandsliga startet und nicht eine einzige Jugendmannschaft vorweisen kann, wieder aktive Jugendarbeit betreiben.

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