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Gespräche mit Grünen und FDP / Frühmark gibt CDU-Fraktionsvorsitz ab: Nachfolger König oder Kretzer?

SPD freut sich: "CDU-Tresor Kernstadt" geknackt

Rinteln (wm). Bis auf die CDU sehen sich alle als Gewinner dieser Kommunalwahl: Die SPD, weil sie gegen den Landestrend um zwei Prozentpunkte zugelegt und - noch wichtiger, so Stadtverbandschef Wolfgang Foerstner - den "CDU-Tresor Kernstadt" erstmals geknackt hat. Die CDU kam bei den Stadtratswahlen hier auf 37,3, die SPD auf 39,8 Prozent.

veröffentlicht am 12.09.2006 um 00:00 Uhr

Mögliche Koalition? Dieter Horn (SPD) und Ursula Helmhold (Grüne

Paul-Egon Mense, der für die FDP in den Stadtrat einzieht, und Karl Lange, der im Ortsrat sitzen wird, sind überzeugt, dass es der FDP mühelos gelungen wäre, einen zweiten Sitz im Stadtrat zu gewinnen, wenn die FDP auch in den Dörfern mit eigenen Kandidaten präsent gewesen wäre. Deshalb stelle sich die Frage, so Mense, ob er mit der Rolle eines "Einzelkämpfers" im neuen Rat den Zielen der FDP nicht besser dienen könnte, als wenn seine Stimme "im Nebel der Großen" untergehe. CDU-Fraktionschef Thorsten Frühmark geht davon aus, dass die erschreckend geringe Wahlbeteiligung und die Bevorzugung kleiner Parteien durch den Wahlmodus für den CDU-Verlust von drei Sitzen im Rat verantwortlich sind: "Wir haben es einfach nicht geschafft, unsere Leute zur Wahlurne zu bringen." Am Wahlkampf seiner Partei, besonders am Engagement des Bürgermeisterkandidaten Dr. Marc Lemmermann, sei nichts auszusetzen gewesen: "Noch mehr Zeit kann man nicht investieren, er war überall präsent." Am stolzen Ergebnis von Thorsten Kretzer in Exten könne man ablesen, dass die CDU auf den Dörfern gute Chancen habe, wenn es dort entsprechend engagierte Leute gebe: "Daran werden wirarbeiten müssen." Frühmark kündigte an, er werde im neuen Rat als Fraktionsvorsitzender nicht mehr zur Verfügung stehen: "Das war aber schon vor der Wahl klar." Die Kanzlei und vier Kinder zu Hause, das fordere, da müsse man Prioritäten setzen. Die Fraktion wird sich am Montag beraten. Kandidaten für seine Nachfolge wollte Frühmark nicht nennen: "Alles offen!" Intern werden jedoch Dagmar König und Thorsten Kretzer gehandelt. WGS-Fraktionsvorsitzender Heinrich Sasse freute sich gestern am Telefon, mit dem guten Wahlergebnis der WGS hätten die Wähler honoriert, dass "im Rat ein Politiker sitzt, der sagt, was er denkt, und tut, was er gesagt hat". Für ihn sei ganz klar, die Politik des "Herumeierns" habe die CDU viele Stimmen gekostet. Die Legislaturperiode werde für eine Rot-Grün-Koalition garantiert "kein Zuckerschlecken"und er persönlich bezweifle, ob "alle bei der Stange bleiben". Eine völlig andere Atmosphäre sieht Sasse im Kreistag, in den er für die WGS einzieht. Er habe am Morgen mit dem Landrat telefoniert, zur Wahl gratuliert und ihm sein "Wohlwollen" versichert. Auf einen solchen Anruf von Sasse, scherzte SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Wißmann gestern, habe er gar nicht gewartet: Die Fraktion werde mit den Grünen und der FDP über eine Zusammenarbeit sprechen, aber ganz sicher nicht mit der WGS. Anders sei das Verhältnis zur CDU, hier finde man sicher in Sachfragen eine Konsensebene. Die erste Sitzung der SPD-Fraktion findet am kommenden Montag statt. CDU wie WGS hatten sich dafür eingesetzt, die Stelle des Juristen im Rathaus einzusparen. Das scheint mit dem Wahlergebnis vom Tisch: Helmhold hatte für die Grünen schon in der letzten Sitzung des Rates vor der Sommerpause erklärt, eine Stadt der Größenordnung Rintelns brauche einen Juristen, Mense hatte sich im Wahlkampf ebenfalls dafür ausgesprochen.

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