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Die Welt zu Hause in Schaumburg: Serie zur Fußball-WM / Manuel Ferre arbeitet für WM-Sponsor

Spanien - lieber gegen Stiere als gegen Gockel...

Rinteln. Die spanische Nationalmannschaft hat wie so oft schon bei gleichen Gelegenheiten auch bei dieser Fußballweltmeisterschaft kein großes Glück gehabt. Dieses Mal haben die Franzosen den Traum vom Einzug ins Endspiel für das Team von der iberischen Halbinsel schon im Achtelfinale mit 3 : 1 Toren beendet. Für Manuel Ferre als Rintelner Kind mit spanischem Pass geht die WM aber auf alle Fälle bis zum allerletzten Augenblick der Abschlussfeier weiter.

veröffentlicht am 05.07.2006 um 00:00 Uhr

Spanien ist raus: Kathrin Spieshoefer und Manuel Ferre setzen je

Autor:

Werner Hoppe

"Ich bin eigentlich nicht so sehr Fußball-Fan, doch das hat sich mit der Dauer der Weltmeisterschaft gesteigert", outet sich Manuel Ferre bereitwillig. Er ist 1972 in Rinteln geboren worden. Sein Vater Manuel Ferre-Ferre gehörte in den sechziger Jahren zur ersten Generation spanischer Gastarbeiter in Rinteln. Im Unternehmen Schröder und Wagner hat er viele Jahre gearbeitet. "Mein Vater war ziemlich bekannt in Rinteln und hat sich sehr für die Integration der damaligen Gastarbeiter engagiert", erklärt Manuel Ferre. Manuel senior sei darüber hinaus total vom Fußball begeistert gewesen bei einer starken emotionalen Bindung zum Sport im Allgemeinen. "In unserer Familie weiß man noch, wie unser Vater damals Spiele spanischer Mannschaften im Fernsehen angeschaut hat und wie er sich den Originalton dazu übers Radio geholt hat." Wenigstens ein bisschen hat die Fußballbegeisterung seines Vaters auf Manuel Ferre abgefärbt. "Ich habe in meiner früheren Jugend mal zwei bis drei Jahre beim SC Rinteln gespielt", blickt er zurück. Und für wen drückt er bei der WM die Daumen? "An dieser Stelle würde ich mich immer gerne um eine Festlegung drücken, denn ichkann sagen, dass zwei Herzen in meiner Brust schlagen. Die Tendenz geht aber zur spanischen Mannschaft." Er könne nicht eindeutig sagen, "ich bin Deutscher" oder "ich bin Spanier" - er hält es für ein Glück, beides sein zu können. Einerseits sei es ihm wichtig, den Kontakt zu den spanischen Wurzeln nicht zu verlieren, andererseits denke und fühle er wie ein Deutscher. Darauf, dass er von Arbeitskollegen wegen des Rauswurfs der Spanier durch die Franzosen geneckt werde, habe er eine eigene scherzhafte Antwort: "Ich sage immer, das hatte zwei Gründe. Erstens ist es den Spaniern in Deutschland zu kalt gewesen und zweitens sind sie es gewöhnt, gegen Stiere zu kämpfen und nicht gegen Gockel..." Für Manuel Ferre persönlich verläuft der Zugang zur Fußballweltmeisterschaft mehr über andere Kanäle, allein schon wegen seines Berufs. Er arbeitet im Vertriebsmanagement von "Avaya" und ist damit hautnah an der WM beteiligt, sogar bis hin zu den letzten Bildern und Berichten vom Finale in Berlin. Außerdem gehört seine Lebenspartnerin ebenfalls zum "Avaya-Fifa-Team". Kathrin Spieshoefer ist Systemspezialistin in der Mannschaft des US-Unternehmens und hat zur WM verantwortlich Netzwerke eingerichtet und betreut. Avaya ist einer der Hauptsponsoren der Weltmeisterschaft. Als Betreiber des gesamten WM-Kommunikations- und Datennetzes für alle Spielorte ist das Unternehmen als Kooperationspartner der Deutschen Telekom bereits seit über 16 Monaten für die WM unterwegs. Schon beim Confederations Cup war Avaya maßgeblich involviert mit Leistungen wie der drahtlosen Datenübertragung für die Journalisten auf den Stadionrängen und am Spielfeldrand. "Eigentlich hat bisher niemand so recht gewusst, wer wir sind", ergänzt Manuel Ferre. Das scheine sich durch die WM-Übertragungen grundlegend geändert zu haben. Und ganz bewusst habe das US-Unternehmen nur sein Firmenlogo in den Stadien gezeigt. "Weil wir nur Firmenkunden ansprechen", erläutert er die Avaya-Philosophie. Dabei habe das global aufgestellte Unternehmen Lösungen speziell für gesamt-bezogene Unternehmensprozesse im Visier. Das Werbe-Konzept im Zusammenhang mit der WM scheine aufgegangen zu sein, erklärt Manuel Ferre. Das hätten die massiven Zugriffe auf die Homepage des Unternehmens gezeigt mit ihren vorübergehenden Blockaden. Und weiter: "Die Leute wollten offenbar plötzlich nachschauen, wer wir eigentlich sind." Durch die Fußball-WM 2006 sei eine ganz neue Art von internationaler Verbundenheit entstanden, stellt der Hispano-Rintelner zusammen mit vielen anderen Menschen fest. "Allein schon in den Stadien herrscht eine sehr gemeinschaftliche Atmosphäre." Darüber hinaus seien die Grenzen sowieso ins Fließen gekommen, weil sich immer mehr Mannschaften aus Spielern verschiedener Nationen zusammensetzten zu einer Art "globaler Bundesliga". Dass nationale Unterschiedlichkeiten keine strikte Trennung bedeuten müssen, wissen er und seine Partnerin aus eigener Erfahrung. Nachdem Spanien aus der WM ausgeschieden ist, wollen sie deshalb auch weiterhin gemeinsam die restlichen Spiele verfolgen, möglichst vor dem eigenen Bildschirm zu Hause in Rinteln. Und beide möchten gerne Deutschland gewinnen sehen. Kathrin Spieshoefer stellt sich fürs Finale eine Entscheidung durch Elfmeterschießen nach Verlängerung vor. "Ein 2 : 1 für Deutschland in der Verlängerung, aber ohne Elfmeterschießen", tippt Manuel Ferre. Man wird sehen.

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