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Die Memoiren von Ex-Minister Karl Abel beleuchten sechs Jahrzehnte deutscher Geschichte

Sozialist und Kommunist unter vier Regimes

Obernkirchen (bus). 37 Jahre nach dessen Tod sind jetzt die Memoiren von Karl Abel veröffentlicht worden. Die von Dr. Christian Heppner herausgegebene Publikation lässt bereits im Titel "Als Sozialist und Kommunist unter vier Regimes" die Mannigfaltigkeiten im Leben des Obernkircheners erahnen. "Das Buch ist für Obernkirchen und weit darüber hinaus von allergrößtem Interesse",betonte Dr. Hubert Höing vom Niedersächsischen Staatsarchiv während der Vorstellung im Café am Sonnengarten.

veröffentlicht am 29.11.2008 um 00:00 Uhr

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"Viele male bin ich von meinen Mitmenschen aufgefordert worden, aus meinem erfahrungsreichen Leben und insbesondere meinem politischen Leben Aufzeichnungen zu machen, aus denen auch für spätere Generationen positive Schlussfolgerungen und Lehren gezogen werden können", zitierte Höing den Beginn der 1963 zum Abschluss gebrachten Biografie. Abel habe in seiner Bescheidenheit offenbar Angst gehabt, dass der Leser den Eindruck gewinnen könne, er nähme sich zu wichtig. Um einer Diskussion darüber aus dem Weg zu gehen und wohl auch, weil in den Notizen kein Blatt vor den Mund genommen wird, hielt Abel seine schriftlichen Erinnerungen zeitlebens unter Verschluss. Abels Tochter Helga Hesse überließ 1987 eine Kopie dem Staatsarchiv; 2004 erteilten Hesse und Abels Nichte Hannelore Manzke die Erlaubnis zur Drucklegung. "Das Buch beleuchtet in subjektiver Perspektive sechs Jahrzehnte deutscher Geschichte", erläuterte Heppner. Es biete reichhaltiges Material sowohl für die Schaumburger Regionalgeschichte als auch für die Geschichte der KPD, der (Berg-)Arbeiterbewegung und des politischen Kampfes in der Weimarer Republik sowie für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus, die Geschichte des neuen Landes Niedersachsen und die Beschreibung des politischen Klimas im Kalten Krieg. Abels Text besteche trotz - oder gerade wegen - des gelegentlichen Mangels an kritischer historischer Distanz durch seine Unmittelbarkeit und seinen anschaulichen, authentisch-spannenden Erzählstil, hob der Herausgeber hervor. Karl Abel war Schumacher und Bergmann, Ladenbesitzer und Innungsmeister, Gewerkschafts- und Parteifunktionär, Landtags-, Kreistags- und Stadtratsmitglied, KZ-Insasse, Soldat beider Weltkriege sowie erster und einziger kommunistischer Minister, der jemals einer Regierung im Land Niedersachsen angehörte. Sein Weg führte von der sozialdemokratischen Gewerkschaftsjugend in den Rotfrontkämpferbund, vom Todesmarsch der Insassen des Konzentrationslagers Sachsenhausen in die hohe Politik der Nachkriegszeit, vom Engagement für die Verfolgten des Nazi-Regimes in die Resignation der neuerlichen Illegalität der KPD. Das Buch erscheint im Verlag für Regionalgeschichte (Bielefeld, ISBN 978-3-89534-677-4), es ist zugleich Band 67 der Schaumburger Studien. Bearbeitung und Drucklegung wurden unterstützt von der Schaumburger Landschaft und der Stiftung Sparkasse Schaumburg. Die 404 Seiten bieten außer den Memoiren eine umfangreiche Einführung und einen Anhang mit Bildern, Dokumenten und Zeitleiste.

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