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Vor Gericht: Auftakt zu Prozess um räuberische Erpressung hinter Gittern / Ist Rache das Tatmotiv?

"Sonstüberlebst du die Zeit im Knast nicht"

Bückeburg (ly). Gilt hinter Gittern das Recht des Stärkeren? In einem Prozess, der jetzt vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts begonnen hat, beschreibt ein früherer Insasse der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bückeburg genau solche Zustände. Im Mai 2004 soll der Zeuge, der zwischenzeitlich wieder auf freiem Fuß ist, in seiner Einzelzelle Opfer einer räuberischen Erpressung geworden sein, eines Verbrechens also.

veröffentlicht am 08.06.2007 um 00:00 Uhr

Zwei Mithäftlinge, so die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft, hätten den Gefangenen bedroht und körperlich attackiert, um ihm schließlich Tabak und Kaffee abzunehmen. "In der JVA ist es gang und gäbe, dass die Stärkeren die Schwächeren bedrohen und ihnen etwas wegnehmen", behauptet der Zeuge. Darüber hinaus sollen die Eindringlinge damals verlangt haben, dass der eingeschüchterte Mann aus dem Hafturlaub Drogen mitbringt. "Sonst überlebst du die Zeit im Knast nicht." Falls dies tatsächlich stimmt, könnte Rache das Motiv gewesen sein. Kurz zuvor nämlich will das mutmaßliche Opfer Justizvollzugsbeamten eine Beobachtung mitgeteilt haben, wonach einer der beiden Männer Alkohol in den Knast geschmuggelt habe. Zur Verhandlung werden die 32 und 37 Jahre alten Angeklagten, die in andere Anstalten verlegt worden sind, mit Handschellen vorgeführt. Sie wirken wie ziemlich harte Burschen, die genau wissen, wie man sich in der Knast-Hierarchie nach oben boxt. Dass Schwächere vor ihnen Angst haben könnten, lässt sich leicht nachvollziehen. Erst im Juli vergangenen Jahres war einer der Männer vor einer anderen Kammer wegen Vergewaltigung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er einen Bückeburger Mithäftling zum Oralverkehr gezwungen hatte, um seine Macht zu demonstrieren (wir berichteten). Damals hieß es, der Kasache (ein Dutzend Vorstrafen) sei im Knast "eine große Nummer" und gehöre hinter Gittern zu den Bossen. Beim Eintreiben von Schulden etwa habe ein einziges Wort des sehnigen Mannes genügt. Der Belastungszeuge im laufenden Verfahren scheint sich ebenfalls nicht wohl zu fühlen in seiner Haut. Diesen Eindruck hat offenbar auch die Kammer, denn ein Richter fragt den Mann, ob er Angst habe, was dieser aber rasch verneint. Besonders ergiebig verläuft die Vernehmung jedenfalls nicht. Angeblich kann der frühere Häftling sich zum Teil kaum noch erinnern. Dafür hat die Verteidigung mehrere Zeugen in der Hinterhand, welche zugunsten der Angeklagten aussagen könnten. Letztere schweigen bisher. Außerdem werden Beamte aus der JVA gehört, wenn der Prozess am Montag fortgesetzt wird. Ursprünglich war dieser Fall vor dem Bückeburger Schöffengericht gelandet. Doch im Fall eines Schuldspruchs reicht dessen Strafgewalt von vier Jahren Haft möglicherweise nicht aus.



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