weather-image
25°
Der Bundesvorsitzende der Senioren-Union der CDU fordertÄltere auf, sich politisch zu engagieren

"Sonst fliegt uns das ganze Land um die Ohren"

Rolfshagen (rnk). Kräftiger Eintopf und zarte Hähnchenbrust, dazu eine nicht minder deftige Rede mit deutlichen Positionen: Das Angebot "Mittagstisch mit Politik" haben gestern rund 40 Senioren angenommen. Im Rahmen des Landtags-Wahlkampfes sprach der Bundesvorsitzende der Senioren-CDU, Prof. Dr. Otto Wulff.

veröffentlicht am 08.01.2008 um 00:00 Uhr

Nimmt kein Blatt vor den Mund: Prof. Dr. Otto Wulff. Foto: rnk

Den ersten Sonderbeifall erhielt Wulff schon während der Vorstellung. Nicht für seine Doktortitel, nicht für seine fast 55-jährige Karriere in der CDU, nicht für seine diversen Ehrenämter, sondern dafür, dass er 2006 das Goldene Sportabzeichen abgelegt hat: zum 35. Mal. Otto Wulff, der vor drei Tagen seinen 75. Geburtstag feierte, zeichnete das Bild einer Gesellschaft, in der die Senioren mittlerweile einen großen Anteil stellen. Rund 45 Prozent seien älter als 60 Jahre, "ohne oder gegen die Älteren ist auf die Dauer keine Wahl mehr zu gewinnen", betonte der Direktor a.D der Deutsche Bank AG. Daher wollten sich die Senioren einschalten in die Politik, diese gemeinsam mit den Jüngeren gestalten. Das Land Niedersachsen habe einen guten Weg zurückgelegt, befand Wulff und führte Zahlen ins Feld: Vor vier Jahren habe das Land bei der Wirtschaft und beim Wachstum an vorletzter Stelle aller Bundesländer gestanden, heute stehe es auf dem zweiten Platz. Die Arbeitslosenquote sei um 20 Prozent gesunken, mehr Beitragszahler würden daher die Rentner unterstützen: "Es muss klar gesehen werden, dass gute Wirtschaftspolitik in einem Wechselbezug zur Sozialpolitik steht", verkündete Wulff mit fester und leicht schnarrender Stimme.Soziale Gerechtigkeit gebe es nur auf Dauer, "wenn wir es schaffen, uns gemeinsam mit den Jüngeren zusammenzuschließen". Wulff plädierte stark dafür, die ältere Generation nicht zu früh aus dem Arbeitsleben zu entlassen. 2006 seien 36 Prozent der 55- bis 64-jährigen Deutschen nicht mehr in Lohn und Brot gewesen, in Norwegen etwa seien es nur 1,7 Prozent, in Irland 2,4 Prozent, in der Schweiz aber dagegen 74 Prozent: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den Stereotypen nachlaufen, nach denen alles schlecht ist, was alt ist. Wir können noch sehr viel leisten", plädierte Wulff dafür, deutlich stärker auf die Erfahrung zu setzen: "Alter ist kein Jammertal." Doch was sei und nutze alles Wissen, aller Wert und Besitz, "wenn ich nicht eine klare Beziehung zu der Kultur aufbaue, der ich angehöre", betrat Wulff jenes Terrain, das in diesen Tagen die politischen Debatten bestimmt. Wer sich nicht zu den Säulen des Grundgesetzes, also zur griechischen Philosophie, dem römischen Recht, dem Christentum und der Aufklärung bekenne, "dem muss ich auch sagen können, das er in den Kulturkreis zurückgehen möge, aus dem er stammt. Diese Position vertreten wir." Wulff nannte weitere Zahlen: 50 Prozent aller Jugendlichen im Alter bis zu 21 Jahren hätten einen Migrantenhintergrund, selbst von den 50 Prozent Deutschen hätten noch einmal 20 Prozent einen Migrantenhintergund: "Wir können es uns auf Dauer nicht erlauben, mit einer Nebengesellschaft zu leben. Sonst fliegt uns einmal das ganze Land um die Ohren." Eher kurz wurde der politische Gegner abgehandelt: Die Partei "Die Linke" stufte Wulff als SED-Nachfolgepartei ein ("diese Strolche"), generell dürfe man das Land Niedersachsen nicht "politischen Hasardeuren" überlassen. Der letzte Gedanke galt dem Patriotismus. Wer heute die Geschichte Deutschlands auf zwölf Jahre reduziere, so Wulff, dem entgegne er stets: "Das ist Eure Geschichte, nicht meine."

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare