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Sonntagsessen

Ein wunderbarer Duft zieht durch die Wohnung. Das Wasser läuft einem schon im Munde zusammen. Der Sonntagsbraten im Ofen wird bald auf den Tisch stehen, an dem die ganze Familie Platz nimmt.

veröffentlicht am 06.09.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Astrid Bunselmeyer

"Sonntagsessen", seit meiner Kindheit steht es dafür, dass sich die Familie am Sonntag ein besonderes und gemeinsames Mittagessen gönnt. Auch heute schenke ich dem Speiseplan des Sonntags mehr Aufmerksamkeit als den Speisen an den Werktagen. Vielleicht weil ich als Jugendliche nicht nur das gute Essen genossen habe, sondern vor allem auch, mit der ganzen Familie zusammen am Mittagstisch zu sitzen. An den anderen Tagen war ich als einzige Fahrschülerin der Familie meist die Letzte, die mittags nach Hause kam. Mein Vater war schon längst wieder auf der Arbeit und meine Geschwister bei den Hausaufgaben. So habe ich oft allein gegessen, meine Mutter saß dabei und hörte sich die Geschichten aus der Schule an. Obwohl das nun schon lange zurück liegt, erzählen mir heutige Jugendliche Ähnliches. Unterschiedliche Arbeitszeiten und Schulschluss und -wege lassen es in vielen Familien an den Werktagen nicht zu, gemeinsam das Mittagsmahl einzunehmen und sich dabei auch gedanklich auszutauschen. Dabei redet es sich beim Essen doch so gut.Nicht umsonst ist eine Verabredung oft mit einem Essen verbunden, nicht nur wegen der guten Speisen, sondern auch der Atmosphäre wegen. Ein gemeinsames Sonntagsmahl ist also auch heutzutage ein wichtiges Gut im Zusammenleben der Familien. Dabei ist das Sonntagsessen nur eines vieler Elemente, mit Hilfe derer der Sonntag ein besonderer Tag in der Woche werden kann. Die Feier des Gottesdienstes in aller Ruhe, Zeit für Verabredungen mit Freunden und Verwandten, längere Spaziergänge, möglichst wenig Hausarbeit, ein gutes Buch lesen. Diese Liste könnte ich noch um einiges ergänzen, was nur an einem Ruhetag, einem Feiertag möglich ist. So habe ich gar kein Bedürfnis danach, auch am Sonntag noch einzukaufen, zumal es anderen ihren Ruhetag und Tag in der Familie nehmen würde. Das Bewahren des Sonntages als Feiertag, den wir für das nutzen, für das uns der Alltag keinen Raum und Zeit bietet, ist nicht Einhalten eines Gebotes um des Gebotes willen, sondern trägt für uns zu einem guten Leben und Miteinander bei. Dass das "Sonntagsessen" nicht nur bei mir aus der Mode gekommen ist, zeigen mir die 40 900 Treffer bei der Suche mit der Internet-Suchmaschine Google. Wenn sie also noch auf der Suche nach einem Rezept für ihr Sonntagsessen sind, an einem fehlenden Rezept sollte es bestimmt nicht scheitern. Astrid Bunselmeyer ist Pastorin an St. Nikolai Rinteln.

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