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Auf den Spuren der Glasmacherkunst

Sonntagsausflug: Grünenplan und Roter Fuchs

Bereits der Blick auf die Wanderkarte zeigt es: Der Hils ist ein besonderes Gebirge. Während sonst die Bergrücken des Leineberglandes fast ausnahmslos von Nordwesten nach Südosten ausgerichtet sind, bildet der Hils ein großes Oval, allerdings auch in der gleichen Richtung geneigt. Dieses Oval wird häufig mit einer Muschel verglichen, fast noch treffender mit einer Ohrmuschel, deren Gehörgang von der Hilsmulde gebildet wird. Am östlichen Eingang zu dieser Mulde liegt der Flecken Delligsen, zu dem auch die in der Mulde liegenden Orte Grünenplan und Kaierde gehören.

veröffentlicht am 20.02.2010 um 07:19 Uhr

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Der Luftkurort Grünenplan scheint sich dabei regelrecht einzuschmiegen in den nördlichen Bogen dieser überdimensionalen Muschel. Diese bevorzugte Lage wird schon bei der schönen Anfahrt über den Hilspass von Scharfoldendorf her deutlich, erst recht aber beim Blick vom Wilhelm-Raabe-Turm oben auf dem Kamm, einem Ziel dieser Wanderung.

Der Name Grünenplan ist untrennbar mit dem Begriff „Glas“ verbunden. 1744 hatte Herzog Carl I. von Braunschweig die Fürstliche Spiegelglashütte „Zum Grünen Plan“ errichten lassen, und noch heute sind die beiden hohen Schlote und die schönen Fabrikgebäude aus der frühindustriellen Zeit sichtbare Zeichen für die Bedeutung Grünenplans als Glasindustrieort. Die in den Glaswerken hergestellten Spezialgläser für die optische Industrie sind weltweit gefragt. Sie wurden sogar in der amerikanischen Raumkapsel Apollo eingesetzt, mit der die ersten Menschen den Mond betraten.

Die Glasherstellung hat im Hils schon eine lange Tradition. Bereits im 16. Jahrhundert entstanden die ersten Wanderglashütten, nachdem das beachtliche Sandvorkommen und der Holzreichtum die Glasmacher angelockt hatten. Rücksichtslos schlugen sie das Buchenholz rund um ihre Hüttenstellen ab, das sie als Brennmaterial, aber auch zur Gewinnung der für die Glasherstellung erforderlichen Pottasche benötigten. War die Umgebung kahl geschlagen, zogen die „fliegenden“ Glashütten weiter. Es entstanden riesige Heideflächen, so auf der Bloßen Zelle, deren Name ebenso an die Zeit der Wanderglashütten erinnert wie der des Glasebachs, der durch Grünenplan fließt.

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Jenem Mann, dem das Ende der Waldzerstörung – und vieles mehr – zu verdanken ist, hat man auf dem Hilskamm oberhalb von Grünenplan auf dem ebenfalls nach ihm benannten Platz ein Denkmal gesetzt: dem Herzoglich-Braunschweigischen Hof- und Oberjägermeister Johann Georg von Langen. Er muss ein genialer Forstmann und Landesplaner gewesen sein, der nicht nur konsequent die Aufforstung des Hils betrieb, sondern auch als Begründer der Industrie in Solling und Hils und im Weserraum gilt, darunter auch der Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Auch die sehenswerte Holzberg-Siedlung oberhalb der Glaswerke in Grünenplan ist ihm zu verdanken. Sie gilt als die erste Werkssiedlung Europas.

Auf dem Von-Langen-Platz wird unsere Rundwanderung beginnen. Die durch Grünenplan führende Landesstraße zweigt im Westen von der Bundesstraße 64 in Eschershausen ab, von der B 240 bereits in Scharfoldendorf. Im Osten verlässt sie die Bundesstraße 3 in Delligsen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Erholungsort mit den Linien 530 Holzminden-Grünenplan der Regionalbus Braunschweig GmbH, Geschäftsstelle Holzminden oder 2515 Alfeld-Grünenplan des Regionalverkehrs Hildesheim, Omnibusbetrieb Alfeld, zu erreichen.

Zu dem Von-Langen-Platz, einem großzügig angelegten Wanderparkplatz, führt aus der Ortsmitte heraus die von der Hilsstraße bergwärts abzweigende, nach Alfeld ausgeschilderte Serpentinenstraße. An ihr liegt auf dem Kamm der Parkplatz, von dem beschilderte Wanderwege ausgehen. Wir wollen zum Roten Fuchs wandern, einer beliebten Waldgaststätte an der Passstraße. Für den Hinweg wählen wir den zum Roten Fuchs ausgeschilderten Langen Weg, der diesmal nichts mit dem Hofjägermeister zu tun hat, sondern der durch die topografisch bedingten Kurven einfach nur entsprechend lang ist. Er führt uns auf der dem Talkessel zugewandten Seite leicht ansteigend am Hang entlang durch einen in seiner Vielfalt kaum zu überbietenden Wald.

In den Kehren umgehen wir Täler, die unseren Weg beleben und gelegentlich auch einen Blick hinunter oder hinauf ermöglichen. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir die Ausflugsgaststätte jenseits der Fahrstraße und können uns dort stärken. Auf unserer Seite gibt es unter einem ausladenden Baum eine Wanderkarte und einen kleinen Rastplatz. An ihm entlang geht es dann auf dem Kammweg zurück, der hier zum Wilhelm-Raabe-Turm beschildert ist. Es ist der mit XN markierte Fernwanderweg Harz-Niederlande, der zunächst zügig ansteigt, bis er sehr bald in 471 Meter Höhe den nach dem Dichter des Weserberglandes benannten Turm erreicht.

Der 1909 vom Hils-Verein erbaute stählerne Turm steht auf einem freien Platz mit einer Schutzhütte und verschiedenen Sitzplätzen, so dass auch mehrere Wandergruppen hier eine Ruhepause einlegen können. Für den Dichter gibt es einen Gedenkstein, daneben eine Wanderkarte mit dem hierher führenden Wilhelm-Raabe-Weg. Wer sich überwindet, die Metallleitern zu erklimmen, ist begeistert von dem großartigen Blick in scheinbar unendliche Weiten. Da die ersten beiden Treppen normale Stufen haben, lohnt sich für Ängstliche der Aufstieg zumindest bis zum zweiten Absatz.

Fast eben geht es dann weiter durch einen von Blaufichten geprägten Wald, bis wir auf der Bloßen Zelle die mit 480 Meter höchste Erhebung des Hils erreichen. Da junger Wald inzwischen die Blöße bedeckt, ist von hier aus keine Sicht mehr möglich. Die ist dann umso beeindruckender, wenn wir auf überwiegend fußfreundlichem Waldboden mehr oder weniger steil bis zur 2002 vom Hils- und Verkehrsverein Grünenplan neu erbauten Feuerschneisenhütte abgestiegen sind. Jetzt schauen wir nach Norden über den ausgedehnten Duinger Wald zu den vor der Kulisse des Duinger Berges liegenden Orten Duingen und Coppengrave.

Auch nach Süden ist uns wenig später eine schöne Weitsicht über den Langen Grund vergönnt. Anschließend steigen wir bei der Gabelung links an und wandern nun ganz nah am Steilhang entlang. Schließlich erreichen wir wieder unseren Waldparkplatz.

Am Von-Langen-Platz

steht sein Gedenkstein.

Fotos: i-r



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