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Rundwanderung am Osterwald und Nesselberg

Sonntagsausflug auf dem Dörper Bergmannsweg

Die Anlage und Pflege von Wanderwegen liegt zu einem nicht zu unterschätzenden Anteil in den Händen von Heimat- und Wandervereinen, deren Mitglieder gleichermaßen an den Schönheiten der Landschaft wie auch an kulturellen Sehenswürdigkeiten ihrer engeren Heimat interessiert sind. Manchmal sind es aber auch Einzelpersonen, die mit bewundernswertem Elan dafür sorgen, dass der Wanderer Anteil an diesen Besonderheiten nehmen kann. Das ist in Dörpe der Fall, einem lang gestreckten Dorf, das sich nördlich des Fleckens Coppenbrügge, zu dem es als Ortsteil gehört, zum Nesselberg hin hochzieht. Jene Passstraße von Coppenbrügge nach Eldagsen, die den Nesselberg vom Osterwald trennt, verläuft durch den Ort.

veröffentlicht am 17.10.2009 um 07:35 Uhr
aktualisiert am 23.10.2009 um 15:54 Uhr

Friedrich-Wilhelm Vespermann vor einer der neuen Brücken

Autor:

Ingeborg Müller

Erinnerung an den Steinkohlebergbau

In diesem Fall sind es zwei Brüder, rüstige und tatkräftige Senioren aus Dörpe, die ihre ganz persönliche Erinnerung an den Steinkohlebergbau im Osterwald und Nesselberg zum Anlass nahmen für das Projekt „Bergmannsweg“, das im Laufe weniger Jahre zu Beginn unseres Jahrhunderts dank eines bewundernswerten Engagements von Institutionen und weiteren Einzelpersonen zu einem Selbstläufer wurde. Das Ergebnis ist ein ungewöhnlicher Natur- und Erlebnispfad, der seinesgleichen sucht. Friedrich-Wilhelm Vespermann und sein Bruder Heinrich hatten über den Vater engen Kontakt zu dem Bergbau. Denn auf dem sogenannten Bergmannsweg, auf dem die Bergleute an sechs Tagen der Woche von Altenhagen, Brünnighausen und Dörpe in Waldrandnähe nach Osterwald zur Arbeit gingen, brachten sie ihm täglich das warme Essen zur Mittagspause.

Als der Bergbau jedoch 1953 endgültig zum Erliegen kam, begann sich die Natur wieder des Pfades zu bemächtigen. Gemeinsam mit einigen Mitstreitern und im Einvernehmen mit der Forstverwaltung machten die beiden Männer den Weg wieder begehbar. Doch dabei blieb es nicht. Mit Unterstützung der Gemeinde Coppenbrügge und mit Sponsorengeldern wurden ein Wanderparkplatz eingerichtet, Sitzgruppen, Schutzhütten und Brücken gebaut und schließlich ein 4,5 Kilometer langer Rundweg geschaffen, in den dank der Mithilfe der Akademie Überlingen auch ein Erlebnispfad integriert werden konnte. Wir werden bei unserer Wanderung nur einen Teil dieses Rundweges benutzen, da wir etwas länger gehen und dabei in den Höhenzügen ansteigen wollen. Der eigentliche Bergmannspfad ist übrigens als Ergebnis einer vorbildlichen Zusammenarbeit der anliegenden Kommunen in einer Länge von einundzwanzig Kilometern vom Bahnhof Bad Münder bis zum Bahnhof Osterwald durchgängig begehbar gemacht worden.

Ausgangspunkt für unsere Rundwanderung ist der Parkplatz „Pulvermühle“ in Dörpe. Dort hält der Bus der Linie 52 Bad Münder – Coppenbrügge – Salzhemmendorf; nach Coppenbrügge fährt die Linie 70 Hameln–Thüste, beide Nahverkehr Hameln-Pyrmont. Der Autofahrer benutzt die Bundesstraße 1 bis Coppenbrügge und fährt weiter in Richtung Eldagsen bergwärts nach Dörpe. Am Ortsende biegt er nach links in die nach Brünnighausen führende Straße ein, um am Parkplatz nahe der ehemaligen Pulvermühle, deren Areal heute als Reiterhof genutzt wird, den Wagen abzustellen.

Der ehemalige Steinbrinkstollen ist ein beliebtes Fotomotiv für
  • Der ehemalige Steinbrinkstollen ist ein beliebtes Fotomotiv für Wanderer. Fotos: i-r
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Großzügige Sitzgruppe am „Tanneneck“

Ehe wir die Wanderung beginnen, bewundern wir die neue, von der Jugendwerkstatt Hameln geschaffene Schutzhütte und die großzügige Sitzgruppe am „Tanneneck“. Hier erfahren wir Näheres über den Lehr- und Erlebnispfad, auf den wir uns nun nach links zur „Weißen Brücke“ leiten lassen. Bei der Linkskurve des Forstweges gehen wir weiter geradeaus auf dem Wiesenweg und werden recht zuverlässig von den Zeichen des Rundwegs mit dem Bergmanns-Logo geleitet. Auf diesem ersten Teilabschnitt gibt es zahlreiche eindrucksvolle Informationen und Mitmach-Aktionen – zum Teil gezielt auch für Kinder konzipiert.

Über zwei kleinere Brücken und die größere neue Gelbbachbrücke führt der Weg schließlich über eine alte Abraumhalde hinweg zu einem weiteren kleinen Parkplatz oberhalb des Ortes in unmittelbarer Nähe der sogenannten Weißen Bücke an der nach Eldagsen führenden Straße. Von diesem kleinen Platz aus wandern wir in Waldrandnähe in südöstliche Richtung leicht ansteigend am

Osterwald entlang und erfreuen uns an der reizvollen Aussicht. Bei einer rustikalen Sitzgruppe erklärt eine Tafel das Panorama. Hier stehen auch zwei beachtliche Baumveteranen der ehemals „Drei dicken Buchen“.

Im abwechslungsreichen Wald erinnert der lehmbraune Boden daran, dass an Osterwald und Nesselberg einst getöpfert wurde. Allein in Dörpe gab es im 18. Jahrhundert fünf Töpfereien, in Brünnighausen noch mehr. Frauen brachten die Tonwaren in Kiepen zu Fuß nach Hannover zum Verkauf. Auch für die Tonbrennereien wurde die Steinkohle gebraucht, deren Vorkommen zunächst zufällig von Hirten und Waldarbeitern entdeckt, später gezielt durch Probebohrungen gefunden wurden.

Wir steigen weiter an, bis wir auf den mit XR markierten Roswithaweg stoßen, dem wir im spitzen Winkel nach links folgen. Oberhalb des Bergmannswegs gehen wir bergan, bis es nach einer Rechtskurve ein Stück bergab geht. Wunderschön ist hier der Wald in seiner Vielfalt. Wir überqueren eine Forststraße, die nach rechts zur Sennhütte beschildert ist. Dann erreichen wir einen Parkplatz an der einzigen zu diesem Berggasthaus führenden Fahrstraße. „Rampe“ heißt dieser Wanderparkplatz.

Diese Rampe, die sich heute als Mauer darstellt, ist Zeugnis früheren Sandsteinabbaus. Die ehemaligen Osterwalder Hartsandsteinbrüche lagen in der Nähe der Sennhütte. Zwei Dieselloks transportierten das Gestein hinunter zu jener Rampe, wo es umgeladen wurde. Der aufgelassene Steinbruch auf dem Fast, der höchsten Erhebung des Osterwalds, präsentiert sich heute dem Wanderer als naturgeschütztes Seengebiet. Wir aber gehen in die andere Richtung und folgen dem Roswithaweg über die Passstraße hinüber zum Nesselberg.

Wir steigen in Richtung Brünnighausen ab

In einer großen Linkskurve steigen wir wieder an. Schautafeln zur Waldinformation erwecken auch hier unser Interesse. Bei der zweiten Gabelung verlassen wir den Fernwanderweg, der zum Hirschtor und in den Saupark führt, nach links und steigen in Richtung Brünnighausen ab. Beim großräumig gestalteten Parkplatz Tivoli erreichen wir den dortigen Waldrand. Hier erwarten uns Schutzhütte, Sitzgruppen und Wandertafel und ein Blick weit in das Land. Der bleibt uns auch erhalten, wenn wir nach links oberhalb der Straße Nesselberg zurück wandern und auch hier den Bergmannspfad benutzen. Vorbei am hübsch gestalteten Burckhardtsplatz kommen wir zur ehemals beliebten Gaststätte und gegenüber zum ehemaligen Steinbrinkstollen, der sich jenseits eines kleinen Brückchens als Fotomotiv geradezu anbietet.

Der Bergmannsweg führt uns dann von der Fahrstraße weg nach links am Waldrand entlang zum ebenso fotogenen ehemaligen Forsthaus Eichhorst und an diesem vorbei nach rechts zurück zur Straße. Ehe wir diese erreichen, wandern wir noch einmal auf dem Bergmannsweg, der uns nach links zurück zu unserem Ausgangspunkt bei der Pulvermühle bringt.

Unser Sonntagsausflug führt diesmal auf den Dörper Bergmannsweg.

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