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Neue Lamellenanlagen an Berlinschule bringen aus Schulsicht nicht das erwünschte Ergebnis

Sonnenschutz nützt nichts: "Schade ums Geld"

Bad Nenndorf (fox). Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius in den Klassenräumen des Flachdach-Anbaus an der Berlinschule haben erst Schüler und Lehrer, dann die Eltern und die Verwaltung ins Schwitzen gebracht. Ein Sonnenschutz muss her, war die Forderung. Dieser ist nun angebracht - und es besteht wieder Grund zum Schwitzen. Denn die für rund 3000 Euro installierten Lamellen verfehlen nach Angaben der Schule den eigentlichen Zweck. Der Sonnenschutz sei an der sonnenarmen Nordostseite angebracht, erklärte Schulleiter Torsten Rolke, die Räume heizten sich weiterhin auf. Für den stellvertretenden Samtgemeindebürgermeister Kurt Junior kommt diese Klage unverhofft. Er war davon ausgegangen, dass sich mit der Installation die Hitze-Problematik gelegt hat.

veröffentlicht am 28.06.2007 um 00:00 Uhr

Lucas Bruns aus einer 3. Klasse der Berlinschule und dessen Mits

"Im Osten geht die Sonne auf, im Süden steigt sie hoch hinauf, im Westen wird sie untergeh'n, im Norden ist sie nie zu seh'n" - dieses Sprichwort ist uralt und in seiner Grundaussage zur Sommerzeit für hiesige Breitengrade zutreffend. Und dennoch sind nach Angaben Rolkes in vier Klassenräumen Lamellen vor Fenstern an der Nordostseite angebracht worden. Ergebnis: Abschirmung der direkten Sonneneinstrahlung für rund 20 Minuten in den Morgenstunden - länger scheine die Sonne derzeit gar nicht durch diese Fenster. Dies berichteten sowohl Rolke, als auch eine Lehrerin. An den gegenüberliegenden Fensterseiten der Klassenräume schützten nötigenfalls Gardinen. Für Schulleiter Rolke sind die Bemühungen seitens der Politik, die Kinder vor Hitze schützen zu wollen, zwar löblich. Die jüngst für rund 3000 Euro installierte Vorrichtung verhindere dies jedoch nicht. "Die Sonne heizt die Räume weiterhin insgesamt von oben her auf", sagte Rolke mit Verweis auf die Flachdachkonstruktion, "die Hauptproblematik liegt allein darin". Teilweise würde bislang bei offenen Fenstern und Türen unterrichtet, "es ballt sich in der 4. und 5. Stunde". Die Optimallösung wäre Rolkes Ansicht eine Kombination aus Dachaufsattelung und Außenjalousien gewesen, um die Sonne vom Dach fernzuhalten. Diese könne jedoch Angesichts der Kosten für den nachzurüstenden Brandschutz von rund 240 000 Euro keinesfalls umgesetzt werden. Schulausschussmitglied Heike Beiersdorfer (WGN) sagte auf Anfrage: "Wir brauchen mehr als nur die Lamellen." Sie gibt damit Bedenken von Eltern wieder, die sich bereits vor Anbringen des Schutzes an sie gewandt hätten. Beiersdorfer denkt dabei an Außenjalousien, die ein Eindringen der Sonnenstrahlung durch das Fensterglas verhindern. Es gebe zudem weitere Klassen, die über Hitze und fehlenden Sonnenschutz klagten. Dies sieht Schulelternratsvorsitzende Beate Klug genau so. Die Lösung des innen angebrachten Sonnenschutzes sei nicht optimal. Von Problemen habe sie jedoch bislang noch nichts gehört. "Der Brandschutz ist derzeit absolut vorrangig", sagte Klug mit Blick auf die Kostensituation. Sie wolle die Thematik in der Schulelternratssitzung am heutigen Mittwoch aufgreifen. Auch Udo Husmann (SPD) sieht Klärungsbedarf: "Wenn es Probleme gibt, muss das Thema erneut auf den Tisch und beurteilt werden." "Bedauerlich" bezeichnete Schulausschussmitglied Andreas Fedler (FDP) den Vorgang. "Ich gehe eigentlich davon aus, dass Sonnenschutz an den richtigen Fenstern angebracht wird", sagte Fedler, "schade ums Geld". Angesichts der neuen Erkenntnisse schlug er vor: "Wir hätten zwei bis drei Jahre warten und den großen Sprung zu Außenjalousien machen sollen." "Hier wird in friedvoller Inkompetenz vor sich hin beschlossen", sagte Fedler, dies sei eine "unglaubliche Verschwendung von Finanzmitteln im schulischen Bereich". Der FDP-Ratsherr forderte, künftig vor derartigen Investitionen eine Begehung zu unternehmen. Diese habe es nach Worten Kurt Juniors auch gegeben. "Nicht nur eine", sagte Junior in seiner Funktion als stellvertretender Samtgemeindebürgermeister. Er zeigte sich "überrascht" von den Nachrichten aus der Berlinschule. Ihm seien keine Probleme bekannt. Nach Gesprächen mit dem Hausmeister sei er davon ausgegangen, dass sich die Hitze-Problematik im Grunde entschärft habe.



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