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Gemeinde Extertal prüft neue Möglichkeiten für besseren Hochwasserschutz

Solche Wassermassen kann auch kein Regenrückhaltebecken aufhalten

Extertal (wm). Gemeinsam mit der unteren Wasserbehörde will die Gemeinde Extertal prüfen lassen, wie weit es Möglichkeiten gibt, die Folgen von Hochwasser der Exter zumindest teilweise abzumildern. Ein erstes Gespräch habe am Mittwoch stattgefunden, teilte der Extertals Bürgermeister Hans Hoppenberg mit. Illusionen sollte man sich aber nicht hingeben: Durch das Tal sei der mögliche Retentionsraum begrenzt.

veröffentlicht am 07.09.2007 um 00:00 Uhr

Wie hier bei Fütig waren die Brückendurchlässe innerhalb von Min

Bereits im Juli 2002 hatte die Exter innerhalb von einer Stunde Keller unter Wasser gesetzt, Straßen überflutet. So ein Ereignis, hatte Diplom-Ingenieur Carsten Schwittalla vom Ingenieurbüro Stadt-Land-Fluss aus Hannover in einem Gutachten prognostiziert, werde vermutlich alle zehn Jahre eintreten. Die Realität halbierte mit den Gewittergüssen am 21. August dieses Jahres die Prognose. Und die Anwohner entlang der Exter von Exten bis ins Extertal wollen keine Wetten entgegennehmen, dass es wieder fünf Jahre dauern könnte, bis die nächste Flut kommt. Das Hochwasser am 21. August habe deutlich gemacht, der kleine unauffällige Fluss ist tückisch, so sieht es auch Extertals Bürgermeister Hans Hoppenberg, denn er steigt innerhalb von Minuten an. Die Flut kündigt sich nicht schon Tage vorher an, wie ein Weserhochwasser, wo man den Pegelstand in Hann. Münden nur für Rinteln hochrechnen muss, um zu wissen, was auf die Weserstadt zukommen. Anders die Exter, hier passiert es wie im Juli 2002 und im August dieses Jahres praktisch "aus heiterem Himmel". Zu erleben war es an der Extertalstraße, wo im Bereich von Krankenhagen innerhalb von nur drei Minuten die gesamte Fahrbahn der Landesstraße überflutet worden ist. Weil das Wasser mit so großer Wucht kam - wahre Sturzbäche schossen die Hänge hinab - und auch in so rasendem Tempo waren die Feuerwehrleute zeitweise völlig überfordert. Eine Kritik, die bis heute nicht verstummt ist und zu der jetzt Hoppenberg Stellung genommen hat. Hoppenberg betont, schon auf Grund der unzähligen Einsatzstellen - "die Hilferufe kamen von überall her" - hätten die sechs Einheiten der Freiwilligen Feuerwehr Extertal Schwerpunkte bilden müssen. Insgesamt seien in der Gemeinde 51 Einsatzstellen abzuarbeiten gewesen. Auf eine Unterstützung von Nachbarwehren hätte man zu Beginn schon deshalb nicht hoffen können, weil auch die alle Hände voll zu tun hatten. Eine erste interne Analyse habe ergeben, so Hoppenberg, dass die Einsätze der Feuerwehr durchaus effektiv waren: "Aus meiner Sicht ist der Freiwilligen Feuerwehr Extertal ein großes Lob auszusprechen". Im Bereich der alten Kläranlage Bösingfeld befindet sich ein Regenüberlaufbecken aus Beton mit einem Volumen von etwa 1700 Kubikmetern. Das Becken staut Wasser aus der Mischwasserkanalisation Bösingfelds auf. Nach einem starken Regen wird das angestaute Wasser, eine Mischung aus Regen- und Schmutzwasser in kontrollierten Mengen über die Kanäle zur Zentralkläranlage abgeleitet. Weil die Wassermengen bei Regenereignissen niemals kalkulierbar oder steuerbar sind, verfügt das Regenrückhaltebecken über einen Notüberlauf, der die nicht mehr zu bewältigenden Wassermassen direkt der Exter zuführt. Zur Reduzierung derartiger Abschläge in die Exter ist in den Jahren 2004/2005 im Anschluss an das Regenrückhaltebecken ein Bodenfilterbecken (BFB) gebaut worden. Das BFB soll das aus dem Regenrückhaltebecken übergelaufene Wasser aufnehmen, mit seinem aus einer Sand-Kies-Filter reinigen und auf diesem Umweg der Exter zuführen.Am 21. August war das BFB nicht in Betrieb. Nun fragen sich Extertaler Bürger, hätte ein funktionierendes Filterbecken nicht Schlimmeres verhindern können? Unwahrscheinlich, sagt Hoppenberg, denn das BFB besitze eine Fläche von rund 3000 Quadratmetern. Eine maximale Einstauhöhe von rund einem Meter sei technisch möglich, so dass sich ein Beckenvolumen von maximal3000 Kubikmeter ergebe. Hoppenberg: "3000 Kubikmeter Rückhaltevolumen das wäre bei den Wassermengen im August noch weniger als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein gewesen."

Auf der Extertalstraße hätte man am 21. August Boot fahren könne
  • Auf der Extertalstraße hätte man am 21. August Boot fahren können. Sogar ein Reifenhändler versucht hier mit seinem Radlader den Schlamm, den die Wassermassen von den Hängen gespült haben, wieder von der Fahrbahn zu schieben. Fotos: Archiv/tol


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