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Serientäter auch im Schaumburger Land auf Beutezug / Maskierte fahren stets in Luxusautos vor

Soko "Tabak" macht Einbrecherbande dingfest

Weserbergland (ube). Sie zogen alle Register, um an die Beute zu gelangen: Mal sägten sie sich durch das Dach eines Einkaufsmarktes, mal brachen sie die Tür einer Tankstelle auf, mal warfen sie einen Gullydeckel durch die Glasscheibe eines Warenhauses. Augenzeugen oder das Heulen und Blinken von Alarmanlagen hielten sie nicht von ihren Diebeszügen ab. Nun sitzen die vier Bandenmitglieder, die auch im Landkreis Schaumburg auf Beutezug waren und stets maskiert auftraten, hinter Gittern.

veröffentlicht am 08.02.2008 um 00:00 Uhr

9. Januar in Coppenbrügge: Die Bande hat im E-Neukauf-Markt gewü

Observationsgruppen der Hamelner Sonderkommission "Tabak" und des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) der Polizeidirektion Göttingen hatten sich an die Fersen der Serientäter geheftet. Stundenlang wurden die vier Männer (20, 22, 22 und 24 Jahre alt) aus der Region Hannover beobachtet. Am frühen Morgen des 5. Februar keilten Zivilfahnder den Leihwagen (Audi A 6) der Tatverdächtigen mit ihren Autos in Hannover-Stöcken ein - vor einer roten Ampel. Die Mitglieder der Bande stehen im Verdacht, seit Anfang Dezember mindestens 25 Einbrüche begangen zu haben. Der Schaden, der von den Einbrechern verursacht wurde, wird auf mindestens 120 000 Euro geschätzt. Die Soko hat sichere Beweise dafür, dass die Diebesbande am 8. Januar in Bodenwerder den Schlecker-Markt und tags darauf in Coppenbrügge den E-Neukauf-Markt geplündert hat. In Coppenbrügge fiel heimischen Fahndern der schwere Leihwagen mit Hamburger Kennzeichen auf, in dem die Männer saßen. Ein Datenabgleich im Polizeicomputer ergab, dass derselbe Wagen schon drei Mal zuvor andernorts kontrolliert worden war. Und stets waren damit dieselben Personen unterwegs gewesen. Die Ermittler schöpften Verdacht, zumal da alle Insassen wegen schweren Diebstahls vorbestraft waren. Am Mittwoch, 30. Januar, wurde beim Zentralen Kriminaldienst der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden eine Soko mit dem Namen "Tabak" eingerichtet. Es bestand der Verdacht, dass eine ganze Serie von Einbrüchen auf das Konto der Clique geht. Denn die Vorgehensweise stimmte überein. Die bis dahin bekannten Tatorte lagen in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Holzminden, in Schaumburg, Nienburg, Wolfsburg, Gifhorn, der Region Hannover und Minden. Die Staatsanwaltschaft Hannoverübernahm das Großverfahren und übergab die zentrale Ermittlungsarbeit an die Kriminalisten der Polizeiinspektion Hameln-Pyrmont/Holzminden. Unter Leitung des Hamelner Kriminalhauptkommissars Frank Keller kamen die Ermittler aus Hameln, Nienburg, Bückeburg und Springe den Gesuchten auf die Spur - "durch polizeiinterne Auswertungen und Analysen", wie es hieß. Rasch fanden die Beamten heraus: "Über einen bislang polizeilich nicht in Erscheinung getretenen Strohmann mieteten die Tatverdächtigen vor den Einbrüchen regelmäßig große Limousinen bei einer Autovermietung an", sagte Keller. In der Nacht zum Dienstag wurde ab 22 Uhr ein von der Bande angemietetes Fahrzeug observiert und unauffällig verfolgt. In der zweiten Nachthälfte fuhren die vier Verdächtigen über die Autobahn 7 in den Landkreis Soltau-Fallingbostel. In Wietzendorf warfen die Maskierten um 4 Uhr einen schweren Gullydeckel durch eine Schaufensterscheibe eines Einkaufsmarktes. Im Gebäude brachen sie Türen und Schränke auf und entwendeten Zigaretten. Die mit einem Audi A 6 vom Tatort flüchtenden Diebe wurde verfolgt und gegen 4.30 Uhr in Hannover-Stöcken durch die Polizei gestoppt. "Wir haben die Insassen vorläufig festgenommen und in dem Leihwagen Diebesgut und Einbruchswerkzeug sichergestellt", sagte Soko-Leiter Keller. Andere Ermittler durchsuchten die Wohnungen der Tatverdächtigen und die ihres Bekannten (33). "Das hat zu Sicherstellungen weiterer Beweismittel geführt", sagte Keller. Bei den Tätern handelt es sich nach Angaben der Hamelner Polizei um zwei Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund, einen Türken und einen Asylbewerber aus dem ehemaligen Jugoslawien. Die Männer wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft am Mittwoch einem Haftrichter vorgeführt. Der erließ vier Haftbefehle. Die Arbeit der Ermittlungsgruppe dauert an. "Wir werden noch zwei, drei Wochen zu tun haben", sagte Hauptkommissar Keller - und erklärte: "Jetzt müssen die Spuren den einzelnen Tatorten zugeordnet werden."

8. Januar in Bodenwerder: Ein maskiertes Bandenmitglied baldower
  • 8. Januar in Bodenwerder: Ein maskiertes Bandenmitglied baldowert den Schlecker-Markt aus.


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