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"Schaumburger Trachtentag": Mehr Besucherinnen als Besucher

Sogar die "Leuchte des Nordens" ist nach Bad Eilsen gekommen

Bad Eilsen (sig). "Hoffentlich zeigen künftige Generationen auch noch so viel Bereitschaft, sich um den Erhalt unserer heimischen Tracht zu kümmern, wie wir das machen." Einige Sorge sprach aus diesen Worten einer älteren Besucherin zu Beginn des "Schaumburger Trachtentages" in der Kurverwaltung. Wenn man später sah, wie viele junge Frauen sich unter die Gäste mischten und die Angebote an den Ständen in Augenschein nahmen, dann verringerte sich diese Befürchtung jedoch erfreulicherweise.

veröffentlicht am 13.10.2006 um 00:00 Uhr

Heimische Männertracht ist nur eine Randerscheinung beim "Schaum

Ein Problem dürfte allerdings künftig dringender werden: Was geschieht, wenn die vorhandenen und zum Teil seit Generationen überlieferten Bestandteile der heimischen Tracht verschlissen sind und nichts mehr nachkommt? Zwei Besucherinnen dazu auf Nachfrage: "Wir suchen uns bei solchen Veranstaltungen und auchauf anderen Märkten zusammen, was wir noch gebrauchen können. Und wenn am Ende etwas fehlt, dann finden wir auch noch jemanden, der uns das näht." Dabei ist es natürlich wichtig, sich in diesem Bereich genau auszukennen. Das traf zumindest auf die meisten Ausstellerinnen zu und vor allem auf Sophie Mensching von den Aalester Maikens aus Ottensen. Sie hält immer wieder sehr informative Vorträge über die "Österten" und "Westerten Tracht" im Schaumburger Land. Ihr letztes größeres Erfolgserlebnis hatte sie jedoch in einer abendlichen Quizsendung bei Carlo von Thiedemann. Da wusste sie nämlich so viel, dass sie die "Leuchte des Nordens" mit nach Hause nehmen durfte. "Wir sind keine Tanzgruppe, sondern tragen und zeigen gern unsere Lindhorster Tracht, buttern noch selbst und stellen gemeinsam Zwetschgenmus her", verriet Marita Dietrich, die ebenfalls den Aalester Maikens angehört. Zu bestimmten Anlässen zeigen diese auch, wie früher im Holzzuber Wäsche gewaschen wurde. Organisiert worden war das Treffen in Bad Eilsen von der Arbeitsgemeinschaft "Tracht" innerhalb der "Schaumburger Landschaft". Deren Sprecherin Renate Gewers aus Nienstädt gehört der Trachtengruppe Meinsen-Warber an. Sie war gekommen, um mit ihrer Gruppe, die über einen bestimmten Fundus verfügt, sowohl Trachtenteile zu verkaufen als auch zu tauschen. Zu ihren auffälligsten Stücken gehörte ein lilafarben besticktes, schwarzes Tuch, das schon mehr als ein Jahrhundert alt sein sollte. Renate Gewers wies auf manche Eigenheiten der Bückeburger Tracht hin, die ja auch noch im angrenzenden Ostwestfalen getragen wird. Sie machte aber auch deutlich, dass die Frauen schon vor Generationen darauf achteten, die zeitlosen Accessoires farblich aufeinander abzustimmen. Zum Beispiel sollte das breite Band am Saum des Rockes zur Schürzeund zum Kamisol passen. "Die Mädchen und jungen Frauen bevorzugten rote Bänder oder andere kräftige Farben, die älteren Frauen trugen dunklere Bänder, bei Trauer auch schwarze", lautete der Hinweis der versierten Trachtenträgerin. Unter einem Kamisol versteht man eine Bluse, über die eine Art Weste getragen wurde. Wie nicht anders zu erwarten, war die Männertracht deutlich in der Minderheit. An einem Stand entdeckte man weißen Leinenstoff, aus dem früher Mäntel für die jungen Burschen gefertigt wurden. Ein männliches Duo (Henning Dormann und Bernd Zimmermann) aus dem Nenndorfer Raum zeigte sich mutig mit der einstigen "Pingelmütze". Sie erinnert stark an die Kopfbekleidung der Schotten und an den deutschen "Michel".

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