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Vor 50 Jahren beschloss der Stadtrat die Altstadtsanierung – und meinte zunächst etwas anderes

So wurde Hameln gerettet

HAMELN. Vor 50 Jahren titelte die Dewezet mit „Altstadtsanierung erfordert rund 200 Millionen DM“. Der Rat der Stadt Hameln billigte damals mit den Stimmen von SPD, CDU und FDP eine breit angelegte Sanierung mit zahlreichen Abrissen und Neubauten. Zur Retterin der Hamelner Altstadt wurde dann allerdings jemand anders.

veröffentlicht am 15.12.2017 um 12:27 Uhr
aktualisiert am 20.12.2018 um 11:06 Uhr

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Thomas Thimm

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Thomas Thimm Stv. Chefredakteur zur Autorenseite
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In den 1960er Jahren war die Hamelner Altstadt durch eher klein parzellierte Grundstücke mit engen Hinterhofbebauungen und häufig unzureichenden Wohnverhältnissen gekennzeichnet.

Erweiterungsmöglichkeiten für Händler und Dienstleister fehlten. Zudem führten zwei Bundesstraßen mitten durch die Altstadt von Hameln. Die Innenstadt war zwar historisch, aber ebenso gewachsen und dementsprechend auch in ihrer Funktionalität alt. So wurde am 15. Dezember 1967 vom Stadtrat beschlossen, Grundstücke aufzukaufen, Häuser abzureißen, ein Kaufhaus und einen Busbahnhof zu errichten. An Stelle der Pfortmühle sollte ein neungeschossiges Rathaus errichtet werden. Eine Fußgängerzone sollte entstehen, über die Wallstraßen moderne Parkbrücken gebaut werden und zur Verkehrsentlastung eine zweite Weserbrücke gebaut werden.

Die Bundesregierung bezeichnete die Altstadt schon damals als „ein stadthistorisches Denkmal von überregionalem Stellenwert“. Und so wurde Hamelns Altstadt bereits 1964 zum Sanierungsgebiet nach Bundesbaugesetz ernannt und somit zum Studien- und Modellvorhaben für Altstadtsanierung.


256 Millionen Euro wurden in die Altstadt von Hameln investiert


Elsa Buchwitz (1929 – 1997) gilt als Retterin der Hamelner Altstadt. Foto: Archiv

Doch als dann die ersten Abrisse erfolgten und die Menschen hautnah vorgeführt bekamen, was Sanierung auch bedeuten kann – nämlich Abriss von alter Bausubstanz und Neubauten im modernen Stil –, ging die Bevölkerung auf die Barrikaden. Zahlreiche alte Häuser sollten der Sanierung zum Opfer fallen – dagegen bildete sich eine Bürgerinitiative. Besonders tat sich dabei „Trümmer-Elsa“ hervor. So wurde Elsa Buchwitz genannt, die sich medienwirksam auf den Trümmern schon abgerissener Häuser ablichten ließ.

Plakate wurden angebracht, auf denen es hieß „Gott schütze unsere Stadt vor Brand und vor der Ratsherren Hand“ – auch wenn der genaue Wortlaut dieses Reims heutzutage umstritten ist. Was jedoch zweitrangig ist, denn Elsa Buchwitz ging als Retterin der Altstadt in die Geschichte Hamelns ein – und sie wird bis heute dafür geehrt. Das städtische Sanierungskonzept wurde auf öffentlichen Druck hin geändert und schließlich von 1970 bis 1993 umgesetzt. Anstelle der Parkbrücken entstanden Tiefgaragen, und die Restaurierung historischer Häuser rückte in den Mittelpunkt der Maßnahme.

Heute gilt die Sanierung der Hamelner Altstadt als Beispiel für die gelungene Erneuerung eines historischen Stadtkerns. Die öffentliche Hand und Privateigentümer investierten in den alten Baubestand. Wichtige Baudenkmäler aus der Zeit der Weserrenaissance wurden gerettet, die Altstadt mit ihren vielen Fachwerkhäusern wurde erhalten. Die sanierte historische Altstadt hat nicht nur den Wert Hamelns an und für sich erhalten, sondern auch den touristischen Wert und die Bedeutung als Versorgungszentrum erhöht.

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