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Moderator Drees will im Bürgerforum für Konsens sorgen

„So viele Meinungen sind das meistens gar nicht“

Hameln. Der Architekt und Stadtplaner Reinhard Drees vom Büro Drees & Huesmann (Sennestadt) soll am Montag, 22. Juni, als Moderator im „Bürgerforum“ zur Sanierung der Fußgängerzone zwischen der Politik und Verwaltung auf der einen sowie kritischen Einwohnern auf der anderen Seite vermitteln. Vier Stunden sind geplant, um einen Konsens zu finden. Drees ist zuversichtlich, wie er im Gespräch mit Hans-Joachim Weiß betont.

veröffentlicht am 12.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 23.10.2009 um 16:07 Uhr

Reinhard Drees
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Herr Drees, Ihnen ist die Aufgabe zuerkannt worden, die Wogen zum Thema Fußgängerzone zu glätten. Woher nehmen Sie Ihre Erfahrung?

Unser Büro nimmt die Erfahrung aus seit mehreren Jahrzehnten durchgeführten Moderationsverfahren. Seit Mitte der 70er Jahre sind wir für unsere Planung auf diesem Sektor aktiv und etwa seit zehn Jahren auch für andere nicht aus unserem Büro erstellte Vorhaben.

In welchen Städten haben Sie schon moderiert?

Das machen wir laufend bundesweit. Beispielsweise auch in Bad Pyrmont zum gesamtstädtischen Entwicklungskonzept.

Wie lässt sich denn in Hameln, wo die Meinungen so weit auseinandergehen, ein Konsens innerhalb so kurzer Zeit herstellen?

Im Grunde muss man mit einer Information in dieses Forum reingehen. Dazu werde ich zusammenstellen, was bisher alles gewesen ist, wo die Knackpunkte liegen und wo es Übereinstimmungen gibt. Dann werden wir sehen, was die Teilnehmer für Vorstellungen haben. Zudem wird es einige Fachinformationen geben und dann werden wir uns mit diesen aufbereiteten Punkten zu den einzelnen Themen und Detailbereichen in Kleingruppen aufteilen und unter den Moderatoren unseres Büros versuchen herauszufinden, wo möglicherweise immer noch Differenzen oder aber Übereinstimmungen liegen, um am Ende ein gemeinsames Ergebnis zu kriegen.

Reichen vier Stunden, um mit 70 kritischen Bürgern und gefühlten 71 Meinungen einen tragfähigen Konsens zu finden?

So viele Meinungen sind das meistens gar nicht. Wir sind immer wieder erstaunt, wie schnell man doch zu gemeinsamen Linien findet. Bei der Durchsicht, ich habe mir alle Presseberichte der vergangenen vier Jahre und die Pläne kommen lassen, muss man teilweise ja schon manchmal ganz genau gucken, wo überhaupt Differenzen sind.

Wo sehen Sie in Hameln die stärksten Zwiespalte?

Im Augenblick scheint es mir, dass es fast nur um Grün und Bäume und deren Erhalt oder nicht geht. Und natürlich auch die Frage des Materials, aber das ist nun immer auch in Kombination mit den Kosten zu sehen. Da bin ich mir schon sicher, dass es sich darstellen lässt, was es für Auswirkungen oder Konsequenzen hat, und dass wir dann zu Ergebnissen kommen, weil Kosten und Material in Verbindung zu bringen sind.

Wie viel Spielraum haben Sie, einen Konsens zu finden?

Die Veranstaltungen sind ergebnisoffen, denn man weiß nie, wie sich die Gruppe, die sich jeweils findet, entscheiden wird. Wir müssen sehen, ob es insgesamt ein einheitliches oder unterschiedliches Meinungsbild gibt und ob es überhaupt an diesem Abend zu einem Ergebnis kommt. Aber ich bin eigentlich ziemlich sicher, dass man nach vier Stunden zumindest soweit ist, sich über das weitere Vorgehen einig zu sein. Kommen wir zu keinem Ergebnis, werden wir uns auf ein paar Wochen später vertagen. In dieser Zeit bereiten wir das, was an Fragen offen geblieben ist, noch einmal auf und diskutieren dann weiter.

Was macht Sie so optimistisch, die in Hameln extrem aufeinanderprallenden Meinungen unter einen Hut zu bringen?

Weil es in der Vergangenheit immer gelungen ist. Ich kenne keine Planungswerkstatt, keinen Workshop, die wirklich in die Hose gegangen sind und wo es nicht zu einer Übereinstimmung gekommen ist.

Gibt es eine besondere Intention, mit der Sie am 22. Juni Ihre Aufgabe in der Rattenfängerstadt angehen werden?

Es wird einen vorgeschriebenen Zeitablauf geben – mit entsprechendem Input, den wir in der ersten Stunde eingeben werden. Dann wird eineinhalb Stunden in den Kleingruppen diskutiert – und da kann man schon zu einem Ergebnis kommen. Wir werden das Bürgerforum inhaltlich soweit vorbereiten, dass es auch jeder sehen kann – mit viel Packpapier und es wird alles mitgeschrieben, was an Beiträgen kommt.

Können Sie als erfahrener Moderator mal etwas aus dem Nähkästchen plaudern, wie Sie ein solches Forum angehen?

Zunächst einmal lassen wir jeden zu Wort kommen. Jeder soll von sich aus sagen, wie er sich die Sanierung der Fußgängerzone vorstellt, damit wir uns das auch anhören können. Anschließend werden die Bereiche, wie beispielsweise Grün oder Material differenzierter betrachtet, um zu einem Ergebnis zu kommen. Und wie gesagt: Ich bin mir ziemlich sicher, dass es zu einem Ergebnis kommt. Es sei denn, man lehnt es grundsätzlich ab und es heißt: Wir wollen gar keine Sanierung. Aber dann brauchen wir auch nicht über Inhalte zu diskutieren.

Und wann liegt für Sie ein Ergebnis vor?

Wenn in den wichtigsten Punkten Einigung erzielt worden ist. Und zwar mit den einzelnen Elementen, die eine Fußgängerzone ausmachen: Grün- und Lichtausstattung, Material. Sind dann noch einige Details offen, muss darüber noch einmal nachgedacht und entschieden werden: Ist eine weitere Planungswerkstatt erforderlich oder reicht eine Information, beispielsweise vor dem Bauausschuss. Denn ein Forum ist immer ein erheblicher Aufwand und wir haben auch festgestellt, dass bei einer weiteren Planungswerkstatt schnell die Teilnahmebereitschaft abbröckelt, wenn zuvor schon weitgehend Einigung erzielt worden ist.

Bauen Sie auf der existierenden Planung auf oder fangen Sie bei Null an?

Nein, wir fangen nicht bei Null an. Es gibt eine Planung und die ist ja bereits in vielen Punkten alternativ diskutiert worden. Das werde ich noch aufbereiten, um für mich Klarheit zu finden, wo die Differenzen und Unterschiede überhaupt liegen.

Werden Sie sich als Planungsexperte auch einbringen oder ist Ihre Mission auf die Moderation beschränkt?

Es ist nicht nur Moderation. Wir haben natürlich eine Meinung, denn wir sind ja Gestalter. Von daher wissen wir, worüber wir sprechen. Wir sagen nicht, nehmt A oder B – das moderieren wir nur. Wir wollen aber das Meinungsbild dieses Forums insgesamt zu einem Ergebnis bringen.



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